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    Kreis Altenkirchen

    Multiresistente Erreger: Verschreiben Ärzte zu häufig Antibiotika?

    Die Gefahr durch den sogenannten Krankenhauskeim ist noch längst nicht gebannt. Da sind sich die Fachleute einig. Denn diese und andere Formen multiresistenter Erreger (MRE) sind weiter auf dem Vormarsch. „Schuld“ daran ist vor allem der zu häufige Einsatz von Breitbandantibiotika, sagt Dr. Wolfgang Dörwaldt. Er ist der Koordinator eines 2014 gegründeten übergreifenden MRE-Netzwerkes, in dem sich die Kreise Altenkirchen, Westerwald und Rhein-Lahn zusammengeschlossen haben, um durch Prävention die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen.

    Untersuchung beim Hausarzt: Vor allem in Rheinland-Pfalz wird eine überdurchschnittliche Menge an Antibiotika verschrieben. Das kreisübergreifende Netzwerk will hier aufklären, um die Ausbreitung multiresistenter Erreger einzudämmen.  Foto: dpa
    Untersuchung beim Hausarzt: Vor allem in Rheinland-Pfalz wird eine überdurchschnittliche Menge an Antibiotika verschrieben. Das kreisübergreifende Netzwerk will hier aufklären, um die Ausbreitung multiresistenter Erreger einzudämmen.
    Foto: dpa

    Aktuell rücken nun die niedergelassenen Ärzte in den Fokus der Gesundheitsbehörden. Vor allem in Rheinland-Pfalz ist nach Ansicht der Experten die Entwicklung bedenklich. Denn hier wird, bezogen auf jeweils 1000 gesetzlich Krankenversicherte, fast die doppelte Menge an Antibiotika verschrieben als etwa in Brandenburg. Jüngste Zahlen belegen, dass in unserem Bundesland binnen Jahresfrist zehn Prozent mehr an Cephalosporinen, einem Breitbandantibiotikum, verordnet wurden – eine Quote, die von keinem anderen Bundesland erreicht wird.

    „Wir schießen zu oft mit Atombomben auf Spatzen“, formuliert es Dr. Ursula Kaiser, Leiterin des Gesundheitsamtes des Westerwaldkreises, ganz deutlich. Dörwaldt will aber jetzt nicht den Hausärzten den Schwarzen Peter zuschieben. „In der Grippesaison hat ein Arzt statistisch gesehen genau zwei Minuten pro Patient. Da ist keine Zeit, das Für und Wider der Verschreibung eines Antibiotikums zu diskutieren“, führt er aus. Und viele Patienten kämen schon mit einer Erwartungshaltung ins Sprechzimmer, dass nur ein Antibiotikum gegen ihren Infekt helfe. „Den Patienten muss klar sein, dass bei Grippe kein Antibiotikum hilft“, sagt Roswitha Kästner, Leiterin des Gesundheitsamtes in Bad Ems. Oft seien Nebenwirkungen der einzige Effekt, zudem dürften die Auswirkungen auf die Allgemeinheit nicht außer Acht gelassen werden. „Der Körper nimmt ja nur einen Teil des Antibiotikums auf, einen anderen gibt er ja an die Umwelt ab“, so Kästner. Darin lauere die Gefahr der Bildung und Weiterverbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien. Auch die Dauer der Einnahme von Antibiotika hinterfragen die Experten kritisch. „Wir müssen weg davon kommen, die Packung zwingend bis zum Ende zu nehmen“, heißt es unisono.

    Mit der Schulung der Hausärzte, die im Kreis Altenkirchen bereits begonnen hat und jetzt ausgeweitet werden soll, verknüpft mit einer gezielten Aufklärung der Patienten durch die Mediziner, sieht das Netzwerk einen wichtigen Schritt in seiner Präventionsarbeit.

    Und diese Arbeit findet inzwischen auch überregional Beachtung. So hat das Robert-Koch-Institut in einer Veröffentlichung im Juni die regionale Kooperation ausführlich gewürdigt. Insbesondere die Zertifizierung von stationären und ambulanten Einrichtungen wurde hier „geadelt“. Denn in einem ersten Schritt hat das Netzwerk Pflege- und Hygienestandards formuliert, insgesamt 2770 Mitarbeiter in Altenheimen, Krankenhäusern, Reha-Kliniken und in ambulanten Pflegediensten vor Ort geschult und in den Einrichtungen dann auch eine Qualitätskontrolle vorgenommen.

    „Wir haben uns mit diesem Netzwerk einer der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen gestellt“, unterstrich Landrat Michael Lieber die Bedeutung des Zusammenschlusses. Ähnliche Worte fand sein Bad Emser Kollege Frank Puchtler: „Diese Kooperation ist die richtige Antwort auf das Problem.“ Und Achim Schwickert, Landrat des Westerwaldkreises, mahnte an, die Aufklärung der Patienten nicht aus dem Auge zu verlieren, da diese oft mit einem falschen Anspruchsdenken in die Arztpraxis kämen.

    Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.mre-netzwerk-ww-rl.de

    Von unserem Redaktionsleiter Markus Kratzer

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