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Marienthal

Marienthal: Warum die Bahn das Klosterdorf links liegen lässt

Der Bahnhaltepunkt und das Klosterdorf – eine Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Nachdem immer noch nicht gesichert ist, ob der für die fünf Gastronomen im kleinen Klosterdorf so relevante Bahnhaltepunkt Marienthal überhaupt erhalten bleibt, gibt es jetzt neuen Ärger: Denn genau zu Ferienbeginn haben auf der Strecke Gleisarbeiten begonnen.

Foto: sr

Ein Schienenersatzverkehr wurde seitens der Hessischen Landesbahn (HLB) eingerichtet. So weit, so schlecht für Marienthal, denn die Busse der Firma Bischoff, die beauftragt wurde, fahren das Klosterdorf nicht an.

„Wir sind nicht mal informiert worden, dass die Gleisarbeiten schon früher begonnen haben“, so Klosterwirt Uwe Steiniger. So war der Ort bereits am 24. Juni schon nicht mehr mit der Bahn zu erreichen. An diesem Tag jedoch hatte der große RZ-Wandertag dort stattgefunden. „Darauf aufmerksam wurden wir erst, als am späten Nachmittag etliche Wanderer in die Gasthäuser kamen und nicht wussten, wie sie nun wieder zurückkommen sollten“, so Steiniger. Da sich in Marienthal kein Haltepunkt für den Schienenersatzverkehr befindet, mussten die Gäste, die in Marienthal nach der anstrengenden Wanderung einkehren wollten, um zu speisen, hinterher wieder auf Schusters Rappen bis in den Nachbarort Hilgenroth laufen, der gute zwei Kilometer entfernt liegt. „Gerade ältere Gäste waren dazu kaum noch in der Lage“, erinnert sich der Klosterwirt. Viele hätten sich im Anschluss ein Taxi genommen, wobei die so vorab nicht einkalkulierten Fahrtkosten für die Gäste mehr als ärgerlich gewesen seien. „Manche hatten auch nicht mehr genug Geld dabei, sodass wir Gastwirte sie zum gewünschten Punkt befördern mussten“, erzählt Steiniger.

Da gerade in den Sommerferien mit vielen Wanderern gerechnet wird, hatten die fünf Gastronomen schon im Vorfeld alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu erreichen, dass ein Haltepunkt für den Bus in Marienthal geschaffen wird. Dafür zogen alle an einem Strang: die Gastwirte, die Tourist-Information in Hamm und die Wirtschaftsförderung des Kreises. Viele Mails gingen hin und her. Doch letztlich sah sich die Hessische Landesbahn nicht in der Lage, eine Lösung zu finden. „Eine Verlegung der SEV-Linie über Marienthal würde dazu führen, dass die geplanten Fahrzeiten und damit die Umsteigezeiten Bus/Zug/Bus nicht mehr ausreichen“, heißt es in einem Schreiben, das der RZ vorliegt. „Außerdem sind in der möglichen Umleitungsstrecke Straßenengstellen, die eine Begegnung der Busse nicht zulassen und deshalb nicht geplant werden dürfen“, heißt es dort weiter. Uwe Steiniger kann darüber nur den Kopf schütteln. Denn als es um die Schließung des Bahnhaltepunktes ging, habe man den Gastwirten genau das vorgeschlagen. „Damals haben wir darauf hingewiesen, dass der Begegnungsverkehr in Marienthal ein Problem darstellt, und es hieß, das sei kein Problem.“

Immerhin will die HLB die Marienthaler nicht ganz abkoppeln. „Wir haben dem Aufgabenträger vorgeschlagen, eine bedarfsweise Anbindung von Marienthal an den SEV mit Taxen zu prüfen“, wird das Schreiben am Ende versöhnlicher. Eine Antwort dazu steht leider noch aus. Für Steiniger und die anderen Gastronomen ein schwacher Trost, denn immerhin sind schon fast drei Wochen der Sommerferien vorüber. „Vor allem die Wanderer, die nun von Marienstatt nach Marienthal wandern, sind regelrecht erbost, wenn man ihnen sagen muss, sie müssen, um zurückzugelangen, nach Hilgenroth weitermarschieren oder ein Taxi nehmen“, weiß der Klosterwirt, der weiter erläutert: „Jahrelang sind die Leute ausschließlich von Marienthal nach Marienstatt gewandert, weil es in Marienthal zumindest in der Woche kaum Einkehrmöglichkeiten gab. Nun, nachdem wir das gemeinsam mit großen Kraftanstrengungen geändert haben, werden uns so die Gäste vergrault.“

Noch hat man in Marienthal die Hoffnung aber nicht aufgeben, dass eines der touristischen Aushängeschilder der Region nicht dauerhaft vom ÖPNV abgekoppelt wird – weder kurzfristig, noch auf lange Sicht.

Von unserer Redakteurin Sonja Roos

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