40.000
Aus unserem Archiv
Wissen

Landfrau trifft Jäger: In Wissen gab's Wildes aus gräflichen Wäldern

Was ist das größte Lob für den Koch? Wahrscheinlich, wenn er nach einem üppigen Mahl in zufriedene, lachende Gesichter blicken kann. Und genau das war es, was am Freitagabend die rund 150 Gäste kurz nach 22 Uhr im Wissener Kulturwerk signalisierten: Das war gut, das war eine runde Sache und obendrein ein tolles Essen.

Ein gut gelauntes „Team Hof Hagdorn“ präsentierte den erwartungsfrohen Gästen Wild und andere Köstlichkeiten aus dem heimischen Wald.  Foto: Thomas Hoffmann
Ein gut gelauntes „Team Hof Hagdorn“ präsentierte den erwartungsfrohen Gästen Wild und andere Köstlichkeiten aus dem heimischen Wald.
Foto: Thomas Hoffmann

„Ich fand die Mischung des Abends ganz toll, es waren kurzweilige Vorträge, ein hervorragendes Essen, ein ganz besonderes Ambiente und eine sehr aufmerksame Bedienung“, freute sich Angelika Nilius aus Wissen, und Marlene Wisiorek fügte lachend hinzu: „Wir gehen auf jeden Fall schlauer nach Hause, als wir gekommen sind.“

Dabei waren es nicht die allseits bekannten Gerichte wie Schweinebraten oder Rindersteaks, die auf der Menükarte standen. Es waren Köstlichkeiten aus dem heimischen Wald, genauer aus der Hatzfeldschen Wildkammer, die, garniert mit einem bunten Rahmenprogramm und viel Informationen, die Sinne der Besucher verwöhnten. „Landfrau trifft Jäger“, so hieß das Thema, zu dem der Landfrauenverband um ihre Vorsitzende Mechthild Euteneuer eingeladen hatte, und dieser Name war Programm, denn in den verschiedenen Vorträgen wurden sehr schnell die Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten dieser beiden auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Gruppierungen deutlich.

Schon als die Vorsitzende den Abend mit den Worten „Feld, Wald, Flur und Menschen liegen uns alle am Herzen“ eröffnete, konnten die aufmerksamen Besucher ahnen, wohin die rund vierstündige Reise ging, galt es doch, mit einigen Vorurteilen gegenüber der Jagd und dem Genuss von Wildfleisch aufzuräumen und obendrein noch einen umfassenden Einblick in die heimische Flora und (Jagd-)Fauna zu vermitteln. So referierte beispielsweise Franz Straubinger (Hatzfeldsche Forstverwaltung) über ein sich ständig änderndes Anforderungsprofil an einen Wald, der im Dreiklang die Faktoren Nutzung, Schutzfunktion und Erholung erfüllen müsse, dessen Bäume nichtsdestotrotz teilweise so alt seien, dass sie noch Napoleon gekannt hätten. Was die Jagd und das Mitleid der Menschen mit den erlegten Tieren anging, verwies Straubinger auf das, was er selbst das „Schlachthausparadoxon“ nennt; gemeint ist damit der anonymisierte Verzehr von verpackten Fleisch- und Wurstwaren aus der Kühltheke durch Menschen, die eigentlich tierlieb sind, sich aber über die Herkunft der verzehrten Waren keine Gedanken machen.

„Wir können mit gutem Gewissen sagen, unsere Tiere hatten ein wunderschönes Leben“, sagte Straubinger, und auch Kreisjagdmeister Franz Kick, der umfassend über die Ursprünge der Jagd, Jagdausbildung und die Inhalte derselben wie Bioethik, Umwelt- und Tierschutz referierte, sah die Jagd als notwendiges Regularium, beispielsweise als er von der ständig wachsenden Population des Schwarzwildes berichtete, der unter anderem aus Seuchenschutzgründen Einhalt geboten werden müsse.

Beinahe kulinarisch wurde es dann, als die Landesjagdkönigin Sara Wirths, die eigens aus Mainz angereist war, um für den Genuss von Wildfleisch zu werben, von ihren eigenen Erfahrungen am heimischen Herd berichtete. „Wild lässt sich genau so leicht zubereiten wie jedes andere Fleisch, man muss nur eine gewisse Experimentierfreude haben – und man wird mit dem Ergebnis belohnt, denn es ist sehr mild und angenehm im Geschmack.“

Und dass dem so ist, davon konnten sich die Besucher selbst überzeugen: Zwischen den Vorträgen wurden in einem Drei-Gänge-Menü Salate mit Wildsalami, Wildschweingulasch und als Nachtisch Heidelbeermousse gereicht, allesamt zubereitet und präsentiert von einem rührigen und gut gelaunten „Team Hof Hagdorn“.

Zum Glück trug Franz Mockenhaupt erst nach diesem Genuss unter dem anhaltenden Gelächter der Gäste ein „Adventsgedicht“ von Loriot vor, in dem eine Jägersgattin ihren Ehemann erschlägt und diesen dann nach waidmännischer Art verarbeitet, wobei die Reste fein säuberlich verpackt von einem nichts ahnenden Knecht Ruprecht mitgenommen werden, um diese an die Armen zu verteilen.

Diese – zugegeben etwas makabre – zusätzliche Nachspeise rundete schließlich einen Abend ab, der durch eine sehr gut aufgelegte Jagdhornbläsergruppe Alsdorf-Hachenburg, die auch als amtierende Bundes- und Landessieger im Parforcehornblasen firmiert, den passenden musikalischen Rahmen erhielt.

Von unserem Mitarbeiter Thomas Hoffmann

Altenkirchen Betzdorf
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Markus Kratzer (kra)
Redaktionsleiter
Tel 02681/9543-21
E-Mail
Volker Held (vh)
stv. Redaktionsleiter
VG Altenkirchen
Tel 02681/9543-33
E-Mail
Elmar Hering (elm)
Redakteur
VG Wissen & Hamm
Tel 02681/9543-13
E-Mail
Andreas Neuser (an)
Redakteur
VG Betzdorf, Gebhardshain
Tel 02741/9200-68
E-Mail
Daniel Weber (daw)
Redakteur  
VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
Tel 02741/9200-67
E-Mail
Peter Seel (sel)
Redakteur VG Kirchen
Tel 02741/9200-65
E-Mail
Sonja Roos (sr)
Redakteurin VG Hamm
Tel 02681/9543-19
E-Mail
Beate Christ (bc)
Reporterin VG Flammersfeld
Tel 0170/2110166
E-Mail
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach