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    Koblenz/Weyerbusch/Hamm

    Kurz vor der Hochzeit: Liebespaar überfällt reihenweise Tankstellen

    Sie wollten heiraten, hatten das Aufgebot bereits bestellt. Aber: Kurz vor dem Termin hatten sie kein Geld mehr - und überfielen sechs Tankstellen, im Kreis Altenkirchen, in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Der Mann (27), ein entflohener Häftling, bedrohte die Kassiererinnen mit einem Gasrevolver. Die Frau (21), im dritten Monat schwanger, wartete im Auto, zählte auf der Flucht die Beute. Das Liebespaar wurde zum Verbrecherduo.

    Jetzt, ein Jahr später, stehen beide vor dem Landgericht Koblenz - und können sich nicht mehr in die Augen blicken. Er, ein Mann mit Igelfrisur und Lausbubenlachen, liest in den Akten. Sie, eine hagere Frau mit leiser Stimme, schaut vor sich auf den Tisch, auf das Bild ihres vier Monate alten Sohnes.

    Das Paar wurde am 22. April 2014 im bayerischen Zwiesel an einem Autohaus festgenommen. Er hatte ein Pfefferspray dabei, sie den geladenen Gasrevolver in ihrer Handtasche. Beide waren wochenlang durch die Republik geflüchtet, fuhren ein Auto Probe, gaben es aber nie zurück, tankten es voll, bezahlten aber nicht, wohnten in Pensionen, prellten aber die Miete.

    Als die Frau im Prozess von all dem unter Tränen berichtet, versucht sie erst gar nicht, das Warum zu erklären. Sie beschränkt sich auf das Wie: Sie lernte den Mann 2013 kennen, beide besuchten ein Abendgymnasium in Euskirchen. Sie lebte bei ihren Eltern, er saß in Haft, hatte aber tagsüber Ausgang. Beide verlobten sich, wollten bald heiraten.

    Aber es gab Streit, beide Eltern waren gegen die Beziehung - so die Aussage der Frau. Sie wollte mit dem Mann „irgendwo abschalten“. Also mieteten beide in Düsseldorf ein Zimmer - und lebten fortan auf der Flucht, da der Mann ins Gefängnis zurückkehren hätte müssen. Sie brauchten Geld, verkauften ihre Handys, kurvten im Mietauto durch Norddeutschland. Als sie wieder pleite waren, planten sie ihren ersten Überfall, kauften in einem Waffengeschäft den Revolver und das Pfefferspray.

    Am 5. März betrat der Mann um 19.20 Uhr in Weyerbusch die A-Energie-Tankstelle, zog den Revolver und befahl der Kassiererin: „Gib Geld!“ Er flüchtete mit 700 Euro und ein paar Packungen Zigaretten. Er lief zum Auto, wo die Frau wartete, und fuhr davon - so die Aussage der Frau. Zwei Tage später kamen beide wieder, wieder um 19.20 Uhr. Sie flüchteten mit 200 Euro und zwei Stangen Zigaretten.

    Beide Angeklagten haben alle sechs Überfälle gestanden - auch den Doppelüberfall auf die A-Energie-Tankstelle in Hamm (7. und 13. März), sowie die Überfälle in Morsbach (Nordrhein-Westfalen, 18. März) und Weisendorf (Bayern, 20. April). Sie schilderten beide, dass sie nur Tankstellen auswählten, an denen eine Frau kassierte. Dass sie in Weyerbusch und Hamm gut 2500 Euro erbeuteten. Dass der Mann sich nie maskierte und stets allein zur Kasse ging. Und dass er beim letzten Überfall ohne Beute floh, aber viermal Pfefferspray auf die Kassiererin sprühte, da sie seinen Revolver für Spielzeug hielt und kein Geld herausgab.

    Doch die Angeklagten, die kein Paar mehr sind, widersprachen sich auch: Sie sagte, sie fuhr nie das Fluchtauto. Er sagte, sie fuhr dreimal. Sie sagte, sie war beim Waffenkauf nicht im Laden. Er widersprach. Sie sagte, sie bemerkte nie, dass er Drogen nahm. Er sagte, er schnupfte jeden Tag mindestens ein halbes Gramm Kokain oder Crystal Meth: „Ich fühlte mich durch Drogen stark und unbesiegbar.“

    Die Hochzeit der beiden hätte am 2. April 2014 stattfinden sollen - als sie bereits fünf Überfälle verübt hatten. Sie ließen den Termin platzen. Laut der Frau hatten sie Angst, festgenommen zu werden. Der Prozess geht am 5. Mai weiter.

    haw

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