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    Jugendamt bestreitet alle Vorwürfe zum Missbrauch in Fluterschen

    Das Missbrauchsdrama im Westerwald blieb jahrelang geheim. Wie aber kann ein solches Verbrechen unter den Teppich gekehrt werden, wenn sich Mitarbeiter des Jugendamtes im Kreis Altenkirchen zeitweise sogar wöchentlich um die Familie kümmerten? Ist von Amts wegen wirklich nichts Ungewöhnliches aufgefallen, wo doch im Ort Fluterschen längst darüber getuschelt wurde, wie sehr die sieben Kinder dem Stiefvater ähneln?

    Foto: Jürgen Vohl

    Von unserem Redakteur Michael Stoll

    Altenkirchen - Das Missbrauchsdrama im Westerwald blieb jahrelang geheim. Wie aber kann ein solches Verbrechen unter den Teppich gekehrt werden, wenn sich Mitarbeiter des Jugendamtes im Kreis Altenkirchen zeitweise sogar wöchentlich um die Familie kümmerten? Ist von Amts wegen wirklich nichts Ungewöhnliches aufgefallen, wo doch im Ort Fluterschen längst darüber getuschelt wurde, wie sehr die sieben Kinder dem Stiefvater ähneln?

    Das Jugendamt weist alle Vorwürfe zurück, die unterstellen, dass die Mitarbeiter des Amtes nicht eingegriffen hätten. So habe es vor Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2010 keinen konkreten Beleg dafür gegeben, dass der heute 48-Jährige mit seiner jetzt 27-jährigen Stieftochter Kinder gezeugt hat. Allerdings ganz offensichtlich eine Menge Gerüchte und Vermutungen. Eine Mitarbeiterin hat laut Hermann-Josef Greb, Leiter des Jugendamtes, immer wieder nachgefragt, ob der Stiefvater nicht doch der Vater ihrer Kinder sei. Dies habe die junge Frau stets abgestritten; das seien Unterstellungen. Auch die Polizei kam nicht weiter. Einmal sollen die Beamten dem Jugendamtsleiter zufolge sogar einen Tipp aus dem direkten Umfeld der Familie bekommen haben. Doch die Blockadehaltung der Eltern und der Kinder sowie entlastende Aussagen der mutmaßlichen Opfer ließen alle Ermittlungen im Sande verlaufen. Der Vater habe die gesamte Familie terrorisiert, begründet die Anwältin der Adoptivtochter, warum sich niemand gewehrt hat.

    Hinweise, die die Behörde erreichten, haben sich laut Jugendamt jeweils bereits nach kurzer Zeit als nicht belastbar herausgestellt. So sei in früheren Jahren der Verdacht geäußert worden, die leibliche Tochter werde von ihrem Vater missbraucht. Laut Kreisverwaltung schwieg die Tochter bei der Befragung, ein Arzt habe keine Spuren eines Missbrauchs feststellen können. Verdachtsmomente allein reichten laut Jugendamt jedoch nicht aus, „wenn die Person, die nach dem Verdacht das Opfer ist, auf mehrfaches Befragen verschiedener Stellen, so auch durch die Polizei, wiederholt erklärt, dass die Vermutungen nicht zutreffend seien“. In solchen Fällen seien sowohl dem Jugendamt als auch weiteren staatlichen Stellen die Hände gebunden. So auch beim Vorwurf, der Vater habe im Jahr 2002 seinen Sohn mit einem Gürtel geschlagen. Der Vater habe daraufhin alle Kinder einem Arzt vorgestellt, dieser habe keine Misshandlungsspuren entdecken können.

    Bereits vor Bekanntwerden der jetzt im Raum stehenden Vorwürfe, habe das Jugendamt seit April 2008 eine „sozialpädagogische-Familienhilfe“ eingerichtet. Eine Fachkraft unterstützte die junge Mutter ein- bis zweimal in der Woche dabei, dass die Kinder eine „angemessene Erziehung“ zukam. Diese Familienhilfe sei im Dezember 2009 von der jungen Frau unterbrochen worden.

    Zu dieser Zeit lebte die Stieftochter noch in der Großfamilie in Fluterschen. Laut Jugendamt habe man der jungen Frau mehrfach weitere Hilfsangebote unterbreitet, auch den Umzug in ein anderes Quartier, was von der Frau jedoch stets abgelehnt worden sei. Der Umzug ist damals vom Jugendamt deshalb ins Auge gefasst worden, weil die Wohnungsverhältnisse in Fluterschen sehr beengt waren und um für die Stieftochter gleichzeitig eine Distanz zur Familie zu ermöglichen.

    Wusste die Mutter etwas?

    Nachdem die Misshandlung am 10. August 2010 von der leiblichen Tochter beim Jugendamt und der Kripo Betzdorf gemeldet worden war, sei die Betroffene von der Verwaltung sofort in Obhut genommen worden. Der Vater wurde noch am selben Tag verhaftet. Am 18. August habe die sozialpädagogische Familienhilfe ihre Arbeit in Fluterschen wieder aufgenommen. Wenige Tage später, so das Jugendamt, seien die Stieftochter und ihre sieben Kinder in ein anderes Quartier umgezogen. Ob die leibliche Mutter von Taten wusste oder es geduldet hat, dass ihr Ehemann seiner Stieftochter offenbar acht Kinder zeugte, weiß auch das Jugendamt nicht. Auch diesbezüglich seien aus der Familie keine Informationen bekannt geworden.

    Kreisjugendamtsleiter Hermann-Josef Greb ergänzt: „Zurzeit stehen für das Jugendamt der Schutz und die Unterstützung der direkt und indirekt betroffenen Opfer innerhalb der Familie des Beschuldigten im Vordergrund. Mit einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen hilft und unterstützt das Jugendamt die einzelnen Familienmitglieder, dabei geht die Bandbreite der Einzelhilfen von einer sozialpädagogischen Familienhilfe bis hin zur Inobhutnahme.“

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