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    Heimische Eier hoch im Kurs: Wie die Kunden im Kreis Altenkirchen auf den Skandal reagieren

    Bisher machte sich über die kryptischen Codenummern auf Eiern kaum jemand Gedanken. Doch spätestens seit dem vergangenen Samstag schauen auch die Westerwälder beim Einkauf sehr viel genauer auf die sogenannten Chargennummern, sofern sie in den betroffenen Discountern derzeit überhaupt Eier bekommen.

    Es gibt noch glückliche Hühner im Westerwald: Diese Eier sind nicht mit Fipronil belastet.  Foto: Larissa Schütz
    Es gibt noch glückliche Hühner im Westerwald: Diese Eier sind nicht mit Fipronil belastet.
    Foto: Larissa Schütz

    Auf Anfragen der Kunden reagieren zum Beispiel Aldi-Mitarbeiter mit großer Geduld. „Nein, derzeit haben wir leider überhaupt keine Eier, aus bekannten Gründen. Kann sein, dass es noch eine Weile dauert, bis wieder welche reinkommen. Vielleicht aber auch schon am Montag“, lautet die sehr vorsichtige Antwort eines Verkäufers. Vonseiten des Bauern- und Winzerverbandes in Hachenburg wird gleichzeitig Kritik über das Vorgehen der Discounter laut: „Eine vorbeugende Herausnahme aller Eier aus den Angebotsregalen, wie dies ein Discounter praktiziert, erscheint ausgehend von der aktuellen Gefährdungseinschätzung durch das Bundesamt für Risikovorsorge überzogen. Diese Maßnahme ist möglicherweise mehr durch Marketing-Überlegungen denn durch sachgerecht gewichtete Verbraucherschutzinteressen motiviert“, äußert Sprecher Markus Mille auf Anfrage unserer Zeitung.

    Die Folge: Umso größer ist der Zulauf bei regionalen Vermarktern. Beim Biolandhof in Schürdt bei Flammersfeld ist die Nachfrage gerade im Lauf der vergangenen Woche laut Inhaberin Caroline Giese gestiegen: „Sowohl im Laden als auch im Onlineshop haben wir einen Anstieg gemerkt. Hier wissen die Kunden eben, wo die Eier herkommen. Die Hühner laufen ja sichtbar auf der Wiese herum.“ Das seien wichtige Kriterien für die Verbraucher. Dass der Eier-Skandal den regionalen Vermarktern in die Karten spielt, kann zum Beispiel auch Ina Fischer vom Flurhof in Bad Marienberg bestätigen: „Für Sommer herrscht eine ungewöhnlich hohe Abnahme. Es sind Verhältnisse wie vor Ostern.“ Denn die Konsumenten, die Eier vom Flurhof verspeisen, müssen sich keine Sorgen um Fipronil in ihrem Lebensmittel machen. Die Familie Fischer produziert seit mehreren Jahren Eier nach Bioland-Richtlinien. Die sind noch deutlich verschärft gegenüber der EU-Richtlinien. Chemische Mittel zur Schädlingsbekämpfung kommen bei ihren 350 Hühnern nicht zum Einsatz. Auch der Biolandhof Schürdt setzt in beiden Hühnermobilställen mit derzeit rund 440 Hühnern keinerlei chemische Mittel ein: „Wir verwenden keine Desinfektionsreiniger in unseren Ställen, weder Fipronil selbst noch das Mittel, in dem Fipronil gelandet sein soll.“

    So dürfte es derzeit vielen anderen Betrieben im Kreis Altenkirchen ergehen. Denn immerhin gibt es nach Angaben des Statistischen Landesamtes 77 Betriebe im AK-Land, die insgesamt 28.273 Legehennen halten, die circa 7,7 Millionen Eier pro Jahr produzieren. Natürlich sind dies nicht alles Biohöfe, wie der Flurhof in Bad Marienberg oder der Biolandhof in Schürdt.

    Fischers verkaufen so wie Caroline Giese direkt vor Ort auf ihrem Hof, beliefern aber auch Bioläden und einen Supermarkt in der Region. Als die Sache mit den Fipronil belasteten Eiern immer weitere Kreise gezogen hat, haben Leute bei den Fischers angerufen und sich erkundigt. „Ein weiterer Vorteil von regionalen Produkten: Die Kunden können direkt bei uns nachfragen“, erklärt Ina Fischer. „Je kürzer der Weg, desto klarer weiß der Kunde, wo das Produkt herkommt.“ Auf dem Flurhof macht sich der Fipronil-Skandal besonders bei der Abnahme der Eier bemerkbar.

    Markus Mille springt für die Vieh haltenden Landwirte in die Bresche: „Nach unserem Kenntnisstand ist die Belastung von Eiern mit Fipronil nicht auf ein Fehlverhalten landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe zurückzuführen.“ Vielmehr gelte es aufzuklären, wie weit ein Reinigungsunternehmen für Ställe mit dem Einsatz von fipronilhaltigem Reinigungsmittel Verursacher des Problems ist. Nur wenn die Ursachen verlässlich geklärt werden, lassen sich Mechanismen entwickeln, damit derartige Vergiftungen zukünftig vermieden werden, so Mille.

    Caroline Giese appelliert zudem an das Kaufverhalten der Menschen: „Es wäre schön, wenn sich Verbraucher generell darüber informieren, wie die Lebensmittel überhaupt hergestellt werden und wo sie herkommen. Nicht nur wenn ein Skandal auftaucht, sollten sie Eier oder auch Gemüse, Fleisch und Milch gezielt vor Ort beim Biohof kaufen.“

    Von Sabrina Rödder, Larissa Schütz und Susanne Willke

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