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Mudersbach

Giebelwaldhalle Mudersbach: War ihr Bau von Anfang an riskant?

Peter Seel

Wenn im Fernsehen Veranstaltungshallen gezeigt werden, geht es meist um das, was in ihnen zu sehen ist: Konzerte, Theater, Karneval, Feiern, Sport. Anders bei der Giebelwaldhalle in Mudersbach.

Eine Veranstaltungshalle im Wohngebiet: Ein Anwohner hält das für unzulässig. Der Fall Giebelwaldhalle Mudersbach war auch im Fernsehen.  Foto: Markus Döring
Eine Veranstaltungshalle im Wohngebiet: Ein Anwohner hält das für unzulässig. Der Fall Giebelwaldhalle Mudersbach war auch im Fernsehen.
Foto: Markus Döring

Die war am Mittwoch in der SWR-„Landesschau“ selbst Gegenstand eines Beitrags; ein Kamerateam war aufgrund eines Berichts unserer Zeitung in den nördlichsten Landeszipfel gekommen. Thema war der Streit um eine Ausnahmeregelung für die Öffnungszeiten des Gebäudes bei acht Veranstaltungen im Jahr. Ulrich Merzhäuser als Vorsitzender des Mudersbacher Bürgervereins verlas im Namen aller Vereine einen Brief an jenen Anwohner in der Barbarastraße, der als einziger gegen die Halle agiert. Darin rufen die Mudersbacher den Nachbarn dazu auf, seinen Einspruch gegen die vom Kreis bereits genehmigte Ausnahmeregelung zurückzunehmen.

Besagter Nachbar hatte dagegen geklagt, dass etwa die Siegtaler Musikanten oder die Theatergruppe an acht Tagen im Jahr anstatt nur bis 21.30 Uhr, wie sonst immer, auch mal länger in der Halle wirken dürfen. Für den „Fernsehauftritt“ kamen nun Vertreter sämtlicher Ortsvereine in die Halle: Neben Theatergruppe und Musikverein sind das VdK, SGV, der Chor Neue Töne und der MGV Birken, die Happy Voices, Kirchenchor, TuS Germania, DJK und Schützenverein. Bereits am 19. November hatten sie alle nach einem eigens vom Bürgerverein einberufenen Treffen den – nun landesweit verlesenen – Brief an den Nachbarn verfasst und ihn darum gebeten, seinen Einspruch zurückzuziehen. Bis heute kam keinerlei Antwort. Auch auf RZ-Nachfrage hat sich der Mann nicht zur Sache äußern wollen.

„Die örtlichen Vereine“, heißt es in dem Schreiben, „sind ein bedeutender Eckpfeiler einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Sie pflegen und fördern soziale Kontakte und ein gutes Miteinander.“ Die maximal acht beantragten Veranstaltungen seien für alle Bewohner außergewöhnlich und bedeutsam: „Wir, die sich ehrenamtlich in unseren Vereinen engagieren, möchten ebenso ein gutes Mitein-ander mit den Anwohnern und um Ihr Verständnis bitten.“

Der Rechtsanwalt des Nachbarn, Thomas Mager aus Niederschelden, kritisiert, dass man seinem Mandanten den schwarzen Peter zuschiebt: „Dabei sind die Fehler damals gemacht worden. Von Anfang an wusste jeder, dass es hier Einschränkungen geben würde. Trotzdem wurde hier gebaut und nicht anderswo. Die Verantwortung gegenüber Vereinen und Bürgern tragen also allein die politischen Gremien und die Verwaltung.“

Die Giebelwaldhalle wurde 2010/11 geplant und gebaut, erinnert sich Ulrich Merzhäuser im RZ-Gespräch, nur wenig oberhalb des Grundstücks, auf dem bis dahin ein Schulgebäude samt Turnhalle stand. „Hier hatten der Reihe nach die Hauptschule, eine Nebenstelle der Berufsbildenden Schule Wissen und die Außenstelle der Grundschule Brachbach ihr Domizil.“ Zuletzt stand das Gebäude leer. Obwohl es nicht übermäßig marode war, hielt man in Mudersbach einen Abriss für das sinnvollste. In der Turnhalle waren bis dahin all die Veranstaltungen über die Bühne gegangen, um die es auch heute geht: Vor allem die Mudersbacher Laienschauspielgruppe mit mehreren Aufführungstagen im Jahr, aber auch Konzerte und Karnevalssitzungen. „Die Turnhalle“, sagt Merzhäuser, „entsprach damals kaum noch den Standards, was Brandschutz und Notausgänge betrifft. Zudem fehlten Nebenräume, die für Veranstaltungen gebraucht wurden. So entschied man sich für den Bau einer neuen Halle über den alten Gebäuden.“ Und hier begannen die Mudersbacher Kommunalpolitiker ein – wie sich heute herausstellt – gewagtes Pokerspiel: Offenbar nach dem Motto „Wird schon schief gehen!“ bauten sie die Giebelwaldhalle gegen den Willen des besagten Nachbarn – der prompt vor Gericht einen Baustopp erwirkte.

Das Verwaltungsgericht Koblenz habe, so Rechtsanwalt Mager, den Mudersbachern damit schon damals deutlich gemacht: „Es gibt Gesetze, an die sich alle zu halten haben. Eine Schule in dem Bereich war planbar, eine Mehrzweckhalle aber nicht zulässig. Die Politik wollte das damals einfach durchsetzen, in der Hoffnung, dass das schon klappt.“ Die Fall wird im März im Kreisrechtsausschuss beraten. Sollte keine Einigung erzielt werden, entscheidet das Verwaltungsgericht.

Von unserem Redakteur Peter Seel

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