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Betzdorf

Gewerbegebiet Bruche: Lärm für Anwohner nicht greifbar

Ob die Brucher Bürger nun schlauer und erleichtert sind? Das bleibt nach einer Versammlung im Betzdorfer Rathaus zum Bebauungsplan „Gewerbegebiet Bruche“ weiterhin offen.

Foto: Markus Döring

Denn zu viele Fragen schweben noch unbeantwortet im Raum, da viele Dinge zum derzeitigen Zeitpunkt nicht konkret beantwortet werden können. Das gilt zum Beispiel für den Lärm. Ganz konkret wird es da erst, wenn ein Bauantrag vorliegt. Die Brucher Bürger hätten aber schon jetzt gerne gewusst, was bei ihnen am Haus an Krach ankommt.

Doch das lässt sich nicht so einfach sagen, verdeutlichte Lärmexperte Dan Pies. Lediglich festgelegt ist derzeit, was in dem Gewerbegebiet an Lärm „produziert“ werden darf. Durchschnittswerte sind hier rechnerisch ermittelt worden. Was an Lärm auf der Industriestraße durch Lkw verursacht wird, das geht in die Rechnung nicht ein. Erst wenn ein Lkw auf dem Betriebsgelände ist, zählt er als Lärmquelle. Ebenso ist der angrenzende Bahnlärm zum Beispiel nicht berücksichtigt. 59 bis 63 dB(A) pro Quadratmeter sind tagsüber erlaubt, in der Nacht sind es 44 bis 48 dB(A). Für die Brucher Bürger „wenig fassbar“, wurde Kritik laut.

Wie sieht es aus mit dem Lärm im Gewerbegebiet Bruche? Wie werden da welche Flächen zur Nutzung ausgewiesen? Das alles steht in der Aufstellung des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Bruche“. Am 11. Oktober hat der Stadtrat Betzdorf den Entwurf des Planes gebilligt. Nun sind auch die Bürger und Träger öffentlicher Belange gefragt, die Anregungen und Bedenken zu dem Plan einbringen können. Davon machten vor allem viele Bürger aus Bruche am Montagabend Gebrauch. Aber auch Vertreter von Montaplast waren vor Ort. Seitdem diese Firma mit einem Logistiklager in die ehemaligen Hallen von Wolf-Garten eingezogen sind, ist es mit der Ruhe für die Anwohner vorbei. Inzwischen darf in der Nacht aber nicht mehr gefahren werden. Und das Logistiklager darf an dem Standort auch nicht mehr bleiben. Montaplast will hier nun eine Produktion aufziehen. Die Stadt Betzdorf will mit den Bebauungsplan nun endlich Ordnung in den Bereich bringen. Bisher waren dort Dinge nur über den Flächennutzungsplan geregelt. Wohnbebauung und Gewerbebereich liegen dicht nebeneinander. Das ist seit Jahrzehnten der Fall. Ganz früher gab es dort nur Wohnhäuser. Da waren die Siegwiesen noch nicht gewerblich genutzt. Doch erst mit dem Einzug des Logistiklagers begann der Ärger.

Den Bebauungsplan „Gewerbegebiet Bruche“ entwarf Annette Weber von Fassbender Weber Ingenieure. Sie machte gleich zu Beginn deutlich, dass es immer kompliziert sei, einen Plan für ein bestehendes Gebiet aufzustellen. Auf der grünen Wiese sei das einfacher. Doch hier kommt nun eine Gemengelage aus Wohnen und Gewerbe zusammen, bei der die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt werden müssen. „Aber wir wollen hier nun Ordnung schaffen.“ Im gewerblichen Bereich dürfe man nun bestehenden Firmen aber nichts wegnehmen, was sie heute bereits dürfen. Aber auch die bestehenden Rechte der Anwohner würden nicht beschnitten. Es dem Gewerbe und den Anwohnern recht zu machen, das sei der Kunstgriff. „Und das ist immer ein Kompromiss.“

Aber genau hier bei der Ausweisung von Gewerbeflächen, eingeschränkten Gewerbeflächen und Mischgebieten gab es Diskussionen. Mit Gewerbe im Bereich rechts der Industriestraße (Fahrtrichtung Scheuerfeld, Gelände Wolf) finden sich die Brucher, die sich in einer Bürgerinitiative organisiert haben, ab. Aber auf der Seite der Industriestraße zur Wohnbebauung hin ist ein eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen. Derzeit ist es noch als Mischgebiet zu sehen. Der feine Unterschied: In einem eingeschränkten Gewerbegebiet dürfen keine Wohnhäuser stehen. Aber auch kein in irgendeiner Weise störendes Gewerbe. Über dem Bereich befindet sich wie bisher ein Mischgebiet. Aber seitens der Initiative wurde betont, dass man auf der Seite der Industriestraße Richtung Bruche ein allgemeines Wohngebiet ausweisen sollte. „Wenn das nicht passiert, dann kriegen wir hier keine Ruhe rein“, wurde betont. Schließlich gebe es in dem Bereich 17 Wohnhäuser und eine kleine Autowerkstatt, die man noch in die Gewerbefläche integrieren könnte. Aber der Rest sollte Wohngebiet sein. Das hätte laut Initiative auch den Vorteil, dass der Lärm aus dem Gewerbegebiet etwas geringer ausfallen müsste, da die mögliche Wohnbebauung näher dran sei. Für die Planerin ist das keine gute Idee. Aber der Stadtrat hat über diese Anregung zu entscheiden. Ebenso auch darüber, so eine weitere Anregung, dass die derzeit vorhandene Rasenfläche als Grünbereich ausgewiesen wird. Ebenso sollte festgelegt werden, wie hoch eine Lärmschutzwand, falls notwendig, werden darf. Denn derzeit ist geplant, dass in dem Gewerbegebiet Gebäude bis 20 Meter hoch sein dürfen. Und diese Höhe gilt ohne Festlegung theoretisch dann auch für eine Lärmschutzwand. So gab es mehrere Anregungen – auch für einen Grüngürtel mit Baumbepflanzungen. So etwas, betonte der Lärmfachmann Pies, bringe zwar einen Sichtschutz, aber Lärm werde dadurch nicht reduziert. Insbesondere müsse man hier berücksichtigen, dass das Wohngebiet ansteige und das Gewerbe im Tal liege.

Bis zum 20. November können Bürger die Pläne noch beim Bauamt im Rathaus in Gebhardshain einsehen. Alle Informationen zum Bebauungsplan gibt es aber auch auf der Homepage der Verbandsgemeinde. Wenn dann der Stadtrat über Anregungen und Bedenken zum Bebauungsplan entschieden hat, dann liegt er erneut für Einwendungen offen.

Andreas Neuser

Altenkirchen Betzdorf
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