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Emmerzhausen/Friedewald

Forderungen nach einem Sport-, Freizeit- und Naherholungszentrum am Stegskopf werden lauter

Daniel Weber

Nein, der Wolf war am Mittwoch kein großes Thema bei den „Freunden des Stegskopfs“. Den Köpfen der neu gegründeten Interessengemeinschaft ging es beim Treffen in der Firma Kessler QMP in Friedewald vielmehr darum, dass und wie sich die Menschen künftig auf der zweithöchsten Erhebung des Westerwaldes wohlfühlen können.

Planskizze für das Sport-, Freizeit- und Naherholungszentrum Stegskopf: auf der einen Seite der Durchgangsstraße wäre das Pferdesportzentrum mit Gastronomie (braun) angesiedelt, auf der anderen Seite das Gesundheitszentrum (hellgrün), der Vereinsbereich (blau) mit dem NaKuZe (Museum) und einem touristischen Bereich mit Ferienwohnungen und Fahrradverleih (grün und rot), dazu eine rund vier Hektar große Fläche für Fotovoltaik (gelb).  Grafik: DSK GmbH
Planskizze für das Sport-, Freizeit- und Naherholungszentrum Stegskopf: auf der einen Seite der Durchgangsstraße wäre das Pferdesportzentrum mit Gastronomie (braun) angesiedelt, auf der anderen Seite das Gesundheitszentrum (hellgrün), der Vereinsbereich (blau) mit dem NaKuZe (Museum) und einem touristischen Bereich mit Ferienwohnungen und Fahrradverleih (grün und rot), dazu eine rund vier Hektar große Fläche für Fotovoltaik (gelb). Grafik: DSK GmbH

Die „Freunde des Stegskopfs“ – das sind jene Akteure, die auf dem Gelände des ehemaligen Truppenlagers ein Sport-, Freizeit- und Naherholungszentrum etablieren wollen. Gründungsmitglieder sind neben dem Unternehmer Martin Kessler aus Friedewald, der einen Großteil der rund 40 Hektar für den Pferdesport nutzen möchte, zuvorderst Wolfgang Stock vom BUND, der Vorsitzende des Skivereins Emmerzhausen, Ulrich Rüb, sowie die Emmerzhäuser Jörg Czerwionke und Sabine Pawelke – sie hatten in einer privaten Initiative in den vergangenen Monaten zahlreiche Ideen zum Stegskopf auf einer Internetseite gebündelt.

„Freunde des Stegskopfs“ (von links): Martin Kessler, Wolfgang Stock (BUND), Matthias Wiederstein, Ulrich Rüb (beide Skiverein Emmerzhausen), Dr. Jürgen Weber (Vorstand Aktionskreis Daaden), Sabine Pawelke, Samy Luckenbach (Vorsitzender Aktionskreis Daaden), Jörg Czerwionke.  Foto: Daniel Weber
„Freunde des Stegskopfs“ (von links): Martin Kessler, Wolfgang Stock (BUND), Matthias Wiederstein, Ulrich Rüb (beide Skiverein Emmerzhausen), Dr. Jürgen Weber (Vorstand Aktionskreis Daaden), Sabine Pawelke, Samy Luckenbach (Vorsitzender Aktionskreis Daaden), Jörg Czerwionke.
Foto: Daniel Weber

Nachdem die Ortsgemeinde Emmerzhausen Ende März ihr Vorkaufsrecht für die bebauten Flächen am Stegskopf gezogen hat, schweben bekanntlich zwei Zukunftsszenarien über dem rund 40 Hektar großen Lagerbereich: Das erste ist eben jenes touristische Mischkonzept, das neben dem Reit- und Fahrsportzentrum (mit Trainingsplätzen und -halle, Stallungen und Gästezimmern) und dem vom BUND konzipierten Natur- und Kulturzentrum (für Naturbildung und regionale Ausstellungen) auch ein Gesundheitszentrum (Prof. Dr. Martin Klein) sowie ein Trainings-, Wettkampf- und Ausbildungsmöglichkeiten für heimische Skisportler vorsieht. Neu ist das Interesse eines Bogensportvereins, der einen 3-D-Parcours für Einsteiger und Meisterschaften anlegen will. Angedacht sind ferner ein Hotel, eine Jugendherberge, Gastronomie, ein Regio-Markt, Ferienwohnungen, ein Wohnmobilhafen, ein Fahrradverleih oder auch Büroräume zur Anmietung. Hierfür würde ein Großteil der prägenden Holzgebäude, in denen einst Soldaten untergebracht waren, wieder genutzt.

Szenario Nummer zwei ist ein Logistikzentrum, hinter dem die Gießener Firma Revikon steckt. Hierfür müssten, wie berichtet, um die großen Hallen errichten zu können, sämtliche Gebäude abgerissen werden. Die Entscheidung für Variante 1 oder 2 trifft letztlich der Emmerzhäuser Rat – wie zu hören ist, wohl noch vor den Sommerferien.

Den „Freunden des Stegskopf“ ging es jetzt zum einen darum, ihr Konzept nochmals zu erläutern, aber auch aufzuzeigen, warum „kaum jemand aus der Region ein Logistiklager dort haben möchte“, so Kessler. Dies jedenfalls sei die „landläufige Meinung“.

Im Zuge dessen versuchen die lokalen Akteure auch die vermeintlichen Vorteile eines solchen Logistikparks (Arbeitsplätze, erhoffte Gewerbesteuereinnahmen, kein Risiko für die Ortsgemeinde durch Erwerb der gesamten Fläche) zu entkräften. So zweifelt Kessler die von Revikon genannte Zahl der Jobs, die dort entstehen würden (bis zu 1000) an, und auch dass ein Logistikstandort tatsächlich viele Steuern in die Kasse der Emmerzhäuser spülen wird. Dagegen würde die Gemeinde von Konzept 1 sicher profitieren, so Kessler: durch Umsatz- und Gewerbesteuern und durch rund 50 qualifizierte Arbeits- und Ausbildungsplätze, die im Lauf der Zeit entstehen könnten.

Mit den Pferde-, Winter- und Sommersportlern, Wander- und vielleicht auch Tagungsgästen sei zudem Potenzial vorhanden, um auf dem Stegskopf erfolgreich Gastronomie betreiben zu können, sagen die lokalen Akteure. Auch der Vorsitzende des Aktionskreises Daaden, Samy Luckenbach, sieht im Tourismuskonzept mögliche positive Effekte für die heimischen Betriebe. Er betonte zugleich aber auch, es gebe bislang keinen Vorstands- oder Mitgliederbeschluss für oder gegen eine der Varianten.

Wie Revikon, so verspricht auch Kessler den Emmerzhäusern ein „Rundum-sorglos-Paket“ – und kontert damit gewissermaßen die bisherige Trumpfkarte der Investoren aus Hessen im Ringen um die Gunst des Gemeinderates. So hat sich der Unternehmer bereit erklärt, die komplette Fläche samt Mob-Stützpunkt und Zufahrtsstraßen zu übernehmen. „Damit das Risiko für die Ortsgemeinde gleich null ist“, so Kessler. Auch die Planungskosten sowie erforderliche Investitionen in die Wasser- und Abwasserleitung will er schultern.

Kessler & Co. ihrerseits wollen nun mit ihrem größten Pfund wuchern: dem Rückhalt der Bevölkerung. Schließlich würde nur ein Ja zum Naherholungskonzept bedeuten, dass der Stegskopf den Menschen der Region nicht verloren ginge, das Gros der Gebäude erhalten bliebe, verdeutlichte Wolfgang Stock vom BUND: „Wenn das Logistikzentrum kommt, sind wir alle raus. Wir sollen dort aber ein Zentrum für alle Bürger schaffen.“ Zudem sei nur diese Variante mit dem Naturerbe-Status vereinbar.

Jörg Czerwionke und Sabine Pawelke betonten ihre emotionale Verbundenheit zum Stegkopf: „Das ist ein Teil unserer Heimat, unserer Geschichte. Es täte uns in der Seele weh, wenn das alles verschwinden würde.“ Man sei froh, mit Kessler einen Investor gefunden zu haben, der diese Auffassung teile.

Der Investor ist aber freilich auch derjenige, der das Risiko trägt. Kessler selbst hält dieses jedoch für überschaubar. Angst vor Altlasten hat er nicht; schließlich seien für das Projekt keine großen Erdbewegungen notwendig. Alle anderen Kosten seien bereits durchgerechnet. Und selbst wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass sich das Konzept aus baurechtlichen Gründen nicht umsetzen lässt – „dann hätten wir einen überschaubaren Betrag in den Sand gesetzt.“

Von unserem Redakteur Daniel Weber

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