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Niederhövels/Dickendorf

Fernsehtraumpaar aus Gran Canaria: Traurige Auswandererstory bei "Goodbye Deutschland"

Peter Seel

Er wollte auf Gran Canaria noch so viele Sonnenuntergänge wie möglich sehen – bevor er es nicht mehr kann. Doch mit solchen Hindernissen hat Martin Fuchs aus dem Kreis Altenkirchen nicht gerechnet.

Er wollte auf Gran Canaria noch so viele Sonnenuntergänge wie möglich sehen – bevor er es nicht mehr kann: Martin Fuchs leidet an einer unheilbaren Augenerkrankung; die Ärzte sagen, dass er in wenigen Jahren blind sein wird. Für sich und seine Familie wollte sich der Inhaber des Fuchsbau-Imbisses in Niederhövels und des Freibadkiosks in Dickendorf eine sichere Einnahmequelle schaffen.
Er wollte auf Gran Canaria noch so viele Sonnenuntergänge wie möglich sehen – bevor er es nicht mehr kann: Martin Fuchs leidet an einer unheilbaren Augenerkrankung; die Ärzte sagen, dass er in wenigen Jahren blind sein wird. Für sich und seine Familie wollte sich der Inhaber des Fuchsbau-Imbisses in Niederhövels und des Freibadkiosks in Dickendorf eine sichere Einnahmequelle schaffen.
Foto: privat

Eigentlich hatte der TV-Sender Vox schon im Januar eine Folge seiner Serie „Goodbye, Deutschland“ ausstrahlen wollen, in der vom Ehepaar Jasmin und Martin Fuchs aus Niederhövels erzählt wird, wie es auf Gran Canaria eine Imbissbude mit typisch deutschen Leckereien à la Currywurst, Pommes und Schnitzel eröffnet und ein neues Leben beginnt – als Nachbarn und mit viel Unterstützung des befreundeten Ehepaars Jörg Klein und Fabio Conte-Klein. Diese zwei betreiben in einer Passage in Playa Ingles seit zehn Jahren ein Tanzlokal und einen Friseursalon – beides unter dem Namen „Golden Moments“. Es sollte die Geschichte einer großen Freundschaft zwischen zwei Westerwälder Paaren werden, voll Sonne und Liebe, Geschäftstüchtigkeit und Freundschaft. Doch dann kam alles anders: Noch vor Eröffnung des Imbiss' waren die vermeintlichen Freunde völlig zerstritten und unterstellten sich gegenseitig Lug und Trug. So kam es, dass die Folge erst vergangenen Montag ausgestrahlt wurde. Der Zuschauer wurde Zeuge einer traurigen Geschichte vom Scheitern einer Auswanderung.

Jasmin und Martin Fuchs sind jetzt auch Pächter des Kiosks am Freibad in Dickendorf.
Jasmin und Martin Fuchs sind jetzt auch Pächter des Kiosks am Freibad in Dickendorf.
Foto: Peter Seel

Fans von „Goodbye Deutschland“ kennen Jörg und Fabio, die zwei Schwulen aus Wissen, schon lange, weil Vox sie in seiner Sendung seit Jahren begleitet. Stets wurden sie als fleißige und sympathische Geschäftsleute dargestellt. Seit der TV-Folge am Montag gerät dieses Bild ins Schwanken: Martin Fuchs und seine Frau werfen den beiden vor, sie rücksichtslos über den Tisch gezogen zu haben. „Sie haben uns den Imbiss mit unserem Geld und Know-how aufbauen lassen“, sagt der 45-jährige gelernte Schreiner. „Nun betreiben sie ihn selber. Unser Geld ist weg – und sie werfen uns auch noch vor, gefaulenzt statt renoviert zu haben.“

Die Vox-Folge stellt Meinung gegen Meinung dar. Doch Martin erklärt im RZ-Gespräch, dass er und seine Familie mit der Sendung absolut zufrieden sind: „Wir haben unglaublich viele Mails und Anrufe bekommen. Die Leute halten uns für die Betrogenen und nicht die beiden. Es gab sogar einige, die berichten, dass Jörg und Fabio sie ebenfalls ausgenommen haben.“ Einer davon schreibt: „Die haben uns fast die Existenz gekostet und Dinge gemacht, die man sich gar nicht vorstellen kann. Übrigens, die haben außer uns noch vier andere über den Tisch gezogen...“ Das wusste das Ehepaar Fuchs schon vorher. Denn nach dem Krach und noch vor Ausstrahlen der Sendung hatten sie nicht nur einen Anwalt gegen das Duo auf der Kanareninsel eingeschaltet, sondern auch im Raum Wissen recherchiert: „Die haben viele Leute bei uns betrogen“, sagt Martin, „und die mussten den Westerwald auch verlassen, weil sie hier eine Menge Schulden haben – mir wurde gesagt, allein bei der Sparkasse Siegen in sechsstelliger Höhe...“

Fuchs betreibt in Niederhövels seinen Imbiss samt Gaststätte „Zum Fuchsbau“ und ist seit diesem Sommer auch Pächter des Kiosks im Freibad Dickendorf. „Die beiden wussten, dass ich der richtige bin, um einen guten Imbiss hochzuziehen“, meint er. „Sie haben meine Frau und mich nach Gran Canaria gelockt, weil sie in einem deutschen Imbiss eine gute Einahmequelle sehen.“

Auf dem Imbiss in der Passage in Playa Ingles stand bereits der Schriftzug „Zum Fuchsbau“, doch dann platzten die Träume des Ehepaars aus Niederhövels jäh.
Auf dem Imbiss in der Passage in Playa Ingles stand bereits der Schriftzug „Zum Fuchsbau“, doch dann platzten die Träume des Ehepaars aus Niederhövels jäh.
Foto: privat

Martin und Jasmin fanden die Idee verlockend, investierten viel Geld, bauten den Imbiss auf, schufteten wochenlang auf Gran Canaria. „Der Pachtvertrag mit den beiden, der hatte Zeit für uns, weil wir glaubten, dass wir Freunde sind. Sie sagten ja sogar zu uns, als wir auf der Insel ankamen: 'Endlich ist die Familie zusammen'. Als es aber auf die Eröffnung zuging und die beiden sich wegen dem Vertrag immer wieder herausredeten – da kam uns die Sache langsam komisch vor...“

Das Ende vom Lied klingt laut Fuchs so: Die beiden Ex-Wissener booteten ihre „Freunde“ aus dem Westerwald aus, eröffneten den Imbiss selber, den Martin und sein Sohn Sebastian im Herbst 2017 fertig renoviert, eingerichtet und ausgestattet hatten. „Sie haben jemanden angestellt, der jetzt da für sie arbeitet.“ In der Sendung von Vox wird berichtet, wie die Freundschaft der beiden Paare vor die Hunde geht: Anfangs begrüßen Jörg und Fabio die beiden herzlich, sichern ihnen jede Unterstützung zu – nur das Geschäftliche müssten Martin und Jasmin selber stemmen. Dann viel Arbeit, bei der man Martin, Jasmin (48) und Sohn Sebastian (22) in den Räumen in Gran Canaria sieht, die Martin als „Goldgrube“ bezeichnet – bis sie sich bei Renovierung und Umbau als regelrechte Geldfresser entpuppen. Und so entsteht der Streit.

Eines Tages war die Türe abgeschlossen, als sie mit dem Renovieren des Lokals weitermachen wollten.
Eines Tages war die Türe abgeschlossen, als sie mit dem Renovieren des Lokals weitermachen wollten.
Foto: privat

Unter anderem geht es um einen Darlehensvertrag mit einer Brauerei, den Jasmin unterschrieben habe, behaupten Fabio und Jörg – während sie schwört, nicht eine einzige Unterschrift geleistet zu haben. Vor laufender Kamera wird der Vertrag Martin und Jasmin gezeigt – beide sind sichtlich geschockt, sagen sofort, die Unterschrift ist gefälscht. Der Brauereivertreter, offenbar ein guter Bekannter von Jörg und Fabio, erklärt einen Tag später in die Kamera, mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie Jasmin den Vertrag unterzeichnet habe. Jörg und Fabio behaupten, dass sie auch den Pachtvertrag hätten, auf den Martin und Jasmin so lange warten mussten – doch als die Vox-Leute sagen, dann sollen sie ihn doch mal zeigen, weicht das Duo aus und zeigt sich extrem genervt. Martin und Jasmin haben die Unterschrift inzwischen von einem Frankfurter Schriftgutachter prüfen lassen. „Das Ergebnis hatten wir bei den Dreharbeiten noch nicht“, erklärt Martin, „doch da steht drin: Die Unterschrift wurde gefälscht.“

Martin, Jasmin sowie die Kinder Sebastian und Anna-Lisa (28) können immer noch nicht glauben, was da abgelaufen ist: „Wir wussten gar nicht, was los war. Je öfter wir nach dem Pachtvertrag fragten, desto barscher wurde der Ton von Jörg und Fabio. Und irgendwann kamen wir an den Imbiss und die Schlösser waren ausgetauscht. Dazu bekamen wir in einem Brief die Drohung, dass sie die Polizei holen würden, wenn wir versuchen würden, in den Laden zu gehen. Jörg schrieb mir, er würde jetzt mit mir Schlitten fahren, und der Rest würde über das Fernsehen kommen...“

Eigentlich wollte das Paar längst in Gran Canaria in seinem „Golden Moments“-Imbiss „Zum Fuchsbau“ arbeiten, als Partner von Fabio Conte-Klein und Jörg Klein (links und rechts).
Eigentlich wollte das Paar längst in Gran Canaria in seinem „Golden Moments“-Imbiss „Zum Fuchsbau“ arbeiten, als Partner von Fabio Conte-Klein und Jörg Klein (links und rechts).
Foto: Screenshot Facebook (10.08.2018)

Im „Golden Moments Imbiss“ steht seit Herbst 2017 die komplette Ausstattung, vom Geschirr über die Kühltheke bis zur Imbisszeile. „Wir haben da mindestens 15.000 Euro reingesteckt“, sagt Martin, „die sind weg. Und unser Schriftzug 'Zum Fuchsbau', den haben sie mit 'Imbiss – 4 Sterne' überklebt. Zudem haben wir über die bisher bezahlte Pacht von 3300 Euro nie eine Quittung bekommen. Und man kommt auf Gran Canaria juristisch auch nicht an die beiden ran. Die Uhren ticken da anders...“ Trotzdem hat das Paar Strafanzeige wegen Betrugs und Unterschriftenfälschung gestellt.

In der Vox-Folge sagen Jörg und Fabio, dass sie selber alles renoviert hätten, dass Martin und sein Sohn eine Baustelle hinterlassen hätten. „Das ist lächerlich“, erklärt Sebastian wütend, „man sieht doch in der Folge sogar, dass alles fertig war.“

Doch das Duo, das vor zehn Jahren von Wissen auf die Sonneninsel ausgewandert ist, hat einen anderen Betreiber angestellt, der im Imbiss arbeitet.
Doch das Duo, das vor zehn Jahren von Wissen auf die Sonneninsel ausgewandert ist, hat einen anderen Betreiber angestellt, der im Imbiss arbeitet.
Foto: privat

Nach der Erfahrung auf Gran Canaria fiel den Fuchsens wieder ein, dass viele Leute aus Wissen sie vor Jörg und Fabio gewarnt hatten: „Denen kannst Du nicht trauen, bekamen wir gesagt. Die ziehen Dich über den Tisch. Das wollten wir nicht glauben...“ Im Frühjahr nahm Martin wieder mit diesen Leuten Kontakt auf, lud sie zu einem Treffen in Niederhövels ein. „30 Leute meldeten sich“, erinnert sich Jasmin, „die noch Geld von den beiden zu bekommen und teils schon Titel gegen sie erstritten hatten. Das würden die auch vor Gericht aussagen.“ Der Fall „Golden Moments“ bekommt noch eine weiteren bösen Beigeschmack, wenn man weiß, dass Martin seit fast drei Jahren an der sehr seltenen und sehr schweren Augenerkrankung Retinitis Pigmentosa (RP) leidet – an der er in absehbarer Zeit erblinden wird. Da lediglich 30.000 Menschen in Deutschland darunter leiden, sagt Martin, kann die Pharmaindustrie nicht viel damit verdienen und forscht kaum nach Gegenmitteln. Auch bei der Rentenversicherung, bei Krankenkassen und Ärzten musste Fuchs mehr als einmal deprimierende Erfahrungen machen.

Dazu hatte er das Pech, 2017 Insolvenz anmelden zu müssen – auch weil er Pech mit einem Steuerberater hatte, sagt er. Daraus macht er kein Geheimnis, auch nicht in der Vox-Folge. Wegen seiner schon sehr eingeschränkten Sehfähigkeit bekam er indes eine „Freigabe“ beim Finanzamt, sodass er weiter arbeiten darf. „Typisch für Fabio und Jörg ist, dass sie zu uns sagten“, erinnert sich Martin, „dass ich von der Insolvenz nichts sagen sollte bei Vox, nach dem Motto: Die müssen ja nicht alles wissen. Ich habe es aber trotzdem erzählt, weil ich alle Karten auf dem Tisch legen wollte. Und später haben Fabio und Jörg überall rumerzählt, auch bei Vox, dass sie total enttäuscht von uns sind, denn sie hätten von der Insolvenz nichts gewusst...“

Auch von Martins Krankheit wusste das schwule Paar. „Es war ihnen bewusst, dass ich mir mit dem Projekt in Gran Canaria eine Sicherheit aufbauen wollte, auch für meine Familie. Trotzdem haben sie diese Sache nicht nur durchgezogen, sondern verwendeten die Krankheit sogar noch gegen mich.“ Sie hätten letztlich argumentiert, dass er seinen Job im „Golden Moments Imbiss“ früher oder später sowieso nicht mehr werde erledigen können: „Du wirst ja sowieso blind!“, hätten sie gesagt.

Jörg Klein und Fabio Conte-Klein haben sich trotz mehrfacher Mails seitens unserer Zeitung nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Von unserem Redakteur Peter Seel

Das Ergebnis des Schriftgutachtens zur Unterschrift unter dem Darlehensvertrag

Der Frankfurter Schriftgutachter Borwin Holsträter ist Mitglied der Europäischen Gesellschaft für Schriftpsychologie und Schriftexpertise sowie des Berufsverbands geprüfter Grafologen/Psychologen, einer Vereinigung praktisch-wissenschaftlich tätiger Grafologen, Schriftpsychologen und Schriftsachverständiger. In seinem zehnseitigen Gutachten, das er im Auftrag des Ehepaars Fuchs aus Nieder-hövels erstellt hat, kommt er zu folgendem Ergebnis: „Die beiden Unterschriften 'J. Fuchs' auf der ersten und zweiten Seite des Darlehensvertrages wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von Frau Jasmin Fuchs geschrieben. Diesem Untersuchungsergebnis liegt folgende Bewertungsskala zugrunde:

• Mit an Sicherheit grenzender

Wahrscheinlichkeit

• Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit

• Mit hoher Wahrscheinlichkeit

• Wahrscheinlich

• Möglich

• Nicht auszuschließen

• Nicht entscheidbar, nicht zu identifizieren (non liquet ).“

Altenkirchen Betzdorf
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