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Hamm

Es ist nie zu spät für einen Neubeginn: Mit fünf Kindern noch mal durchgestartet

Sonja Roos

Emilienne Markus ist in mehrfacher Hinsicht eine bemerkenswerte Frau: Nicht nur, dass die fünffache Mutter mit Ende Dreißig noch einmal eine Ausbildung begonnen hat – sie hat diese auch noch in Rekordzeit beendet.

Emilienne Markus an ihrem Arbeitsplatz im Hammer Rathaus. Die 39-Jährige hat gerade ihre Ausbildung mit Bravour hinter sich gebracht und konnte sogar die Lehrzeit auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Trotzdem stehen für die fünffache Mutter ihre Kinder immer an erster Stelle. Foto: Sonja Roos
Emilienne Markus an ihrem Arbeitsplatz im Hammer Rathaus. Die 39-Jährige hat gerade ihre Ausbildung mit Bravour hinter sich gebracht und konnte sogar die Lehrzeit auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Trotzdem stehen für die fünffache Mutter ihre Kinder immer an erster Stelle.
Foto: Sonja Roos

Trotzdem, und das spürt man sofort, liegen ihre Prioritäten ganz klar im Privaten. „Meine Kinder kommen immer an erster Stelle, ich würde alles für sie tun.“ Auch deshalb hat Emilienne Markus noch einmal einen Neuanfang gewagt. „Ich kann doch nicht nur zu Hause rumsitzen“, sagt sie lachend. Dass man als Mutter mit fünf Kindern alles andere als rumsitzt, kann sich jeder vorstellen. Trotzdem wollte die heute 39-Jährige ihren drei Söhnen und zwei Töchtern etwas Wichtiges mit auf den Weg geben: Nämlich, dass es nie zu spät ist für einen Neubeginn und dass man niemals aufgeben sollte. „Ich habe immer etwas nebenher gemacht, es war nur wichtig, dass sich die Arbeit mit der Familie vereinbaren ließ. Ich wollte nie etwas machen, das mich von meinen Kindern abhält.“ Dass sie sich eine große Familie wünscht, war schon früh klar für die gebürtige Kamerunerin. Sie selbst hat vier Geschwister.

Doch auch ihre Mutter war berufstätig und das war in ihrer alten Heimat völlig normal. Hier in Deutschland, so schildert Emilienne Markus ihre Erfahrung, hätten immer noch viele Mütter ein schlechtes Gewissen, weil sie arbeiten gingen. Dabei, so findet sie, sei es doch wichtig, dass die Kinder ein Vorbild hätten und auch verstehen, woher das Geld kommt. Und auch als Mutter sollte man sich selbst nicht vergessen, sagt sie. Natürlich, das gibt sie auch zu, bedarf es einer Menge Disziplin, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen. „Man muss viel organisieren, planen, aber es geht.“ Mann und Kinder müssen natürlich auch mitziehen, was in ihrem Fall gut klappte.

„Ich hätte das Ganze sicher nicht geschafft ohne den Rückhalt meiner Familie, die großartige Unterstützung meiner Kollegen, und auch die Schule hat toll mitgewirkt“, sagt sie rückblickend.

Ihre Kinder sind zwischen drei und 18 Jahren alt, die beiden Jüngsten gehen noch in den Kindergarten. Emilienne ist froh über die Betreuungsmöglichkeit, denn sie hat keine weitere Familie hier vor Ort. Die Zeit, die ihr quantitativ durch die Arbeit fehlt, holt sie in Qualität nach. „Wenn ich dann zu Hause bin und mich den Kindern widme, dann ganz. Dafür habe ich vielleicht weniger soziale Kontakte oder kann weniger nebenher machen, aber das ist es wert“, sagt sie bestimmt.

Ihr Job im Hammer Rathaus macht der lebenslustigen Frau großen Spaß. „Es ist einfach eine tolle Atmosphäre hier und ich bin wunderbar aufgenommen worden.“ Dass der Job einen ausfüllen soll, findet sie sehr wichtig, „denn man sollte sich schon wohl fühlen, wenn man dafür so viele Stunden von zu Hause fort ist.“ Sie hatte auch mit dem Gedanken gespielt, eine Ausbildung als Erzieherin zu beginnen, was zu ihrer Vita hervorragend gepasst hätte. Denn in Kamerun hatte sie nach einer Ausbildung zur Hotelfachfrau bereits einige Semester Erziehungswissenschaften studiert. Als sie 2000 von Kamerun nach Deutschland zum Studium kam, hatte sie jedoch zunächst eine andere Richtung eingeschlagen und wollte im Bereich Tourismus Fuß fassen.

Die Geburt des ersten Kindes machte das Studieren allerdings schwierig, da der Kleine mit einer Behinderung zur Welt kam. Emilienne ließ sich trotzdem nicht davon abhalten, ihren Weg zu gehen. Sie machte sich selbstständig in Bonn als Tagesmutter. Weil sie so gut zu tun hatte, suchten sie und ihre Familie dann schon bald nach größeren Räumlichkeiten, was sich aber in der Stadt schwierig gestaltete.

„Wir haben dann angefangen, in immer weiteren Kreisen zu suchen und so sind wir auf Hamm gekommen“, erzählt sie. Doch hier gab es für sie durch die gut ausgebaute frühkindliche Betreuung in den Kitas weniger zu tun, weshalb sie schnell begann, sich beruflich nach einer neuen Herausforderung umzusehen. Als dann das Angebot kam, im Hammer Rathaus eine Ausbildung zu beginnen, musste Emilienne nicht zweimal überlegen.

Die Umstellung, 2013 von der Stadt aufs Land zu ziehen, hat Emilienne Markus also nicht bereut. Ich mag es ruhig, es ist schön hier und wir sind gut aufgenommen worden.“ Zunächst habe sie Bedenken gehabt, ob sie als Familie mit so vielen Kindern als Exoten angesehen würden, „aber dann habe ich festgestellt, dass es hier viele große Familien gibt. Da waren wir mit fünf Kindern gar nichts so Besonderes.“

Besonders ist vielleicht wirklich nur der Umstand, mit wie viel Ruhe und Selbstverständnis die junge Mutter alles unter einen Hut bekommt. „Man muss natürlich bleiben, auf dem Boden, sich nicht verunsichern lassen und auf seinen Bauch hören.“ Das will sie auch anderen Müttern mit auf den Weg geben. Das, und eben niemals zu vergessen, dass es nie zu spät ist, neu anzufangen. Emilienne Markus ist dafür das beste Beispiel.

Sonja Roos

Altenkirchen Betzdorf
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