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Kreis Altenkirchen

Drohende Ärztenot im Kreis Altenkirchen: Das sind die Rezepte der Parteien

Es geht nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung. Zumindest auf diese gemeinsame Formel lässt sich die Einschätzung aller im Kreistag vertretenen Parteien bringen, wenn es darum geht, die medizinische Versorgung auf dem Land auch künftig zu gewährleisten. Doch welche Weichenstellung kann die Politik konkret vornehmen, um einer drohenden Ärztenot entgegenzuwirken? Hier fallen die Antworten zum Teil doch sehr unterschiedlich aus.

Ein Arzt untersucht ein Kind – wird das im Landkreis Altenkirchen künftig noch wohnortnah möglich sein? Die Meinungen der Parteien gehen da auseinander.  Foto: dpa
Ein Arzt untersucht ein Kind – wird das im Landkreis Altenkirchen künftig noch wohnortnah möglich sein? Die Meinungen der Parteien gehen da auseinander.
Foto: dpa

Für Tobias Gerhardus, Fraktionschef der CDU im Kreistag, hat Mainz die Situation viele Jahre unterschätzt und spät reagiert. „Voraussetzung für einen ausreichenden Ärztenachwuchs sind genug Studienplätze“, so die Kernthese des Christdemokraten. Doch leider sei die Landesregierung nicht bereit, die Plätze in Rheinland-Pfalz um „notwendige 10 Prozent“ anzuheben. Eine Idee, auch künftig junge Mediziner für den ländlichen Raum zu gewinnen, sieht Gerhardus in der Vergabe von Stipendien von kommunaler Seite. Auch zinsgünstige Kredite könnten ein weiterer Anreiz sein.

Andreas Hundhausen, Kreis- und Fraktionsvorsitzender der SPD, sieht die Stellschrauben für die Kommunalpolitik eher begrenzt. „Da geht es eher um die weichen Faktoren wie Kinderbetreuung, schnelles Internet oder Wohnqualität“, sagt er. Nur als „letztes Mittel für den Notfall“ sieht der Sozialdemokrat die Kommune als Akteur, etwa durch die Trägerschaft eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Eindeutig sieht Hundhausen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in der Pflicht. „Zu deren Kernaufgaben zählt die flächendeckende ärztliche Versorgung“, so Hundhausen.

In Medizinischen Versorgungszentren sieht Hubert Wagner von der FWG durchaus eine Chance, das drohende Problem in den Griff zu bekommen. Aber auch für ihn geht es nicht ohne die KV. Von ihnen verlangt er die Erleichterung der Zulassungsbedingungen, Abbau der überbordenden Bürokratie und eine aktive Unterstützung bei MVZ-Gründungen, um wieder mehr Attraktivität für den Arzt im ländlichen Raum zu schaffen.

Die Grünen-Politikerin Anna Neuhof spricht sich dafür aus, die Arbeit des kreisweiten Netzwerkes zu intensivieren. „Gemeinden, aber auch der Kreis müssen überlegen, selbst Mediziner oder auch Gemeindeschwestern einzustellen oder gegebenenfalls Zuschüsse zu Mieten und Praxiskosten zu übernehmen“, argumentiert sie. Doch die grundsätzlichen notwendigen Änderungen liegen für Neuhof in der Verantwortung der Länder und des Bundes, etwa einer bessere Bezahlung der Pflegeberufe.

Für Dr. Axel Bittersohl (FDP) ist der medizinische Kollaps fürs AK-Land nicht zu befürchten. Doch führe die vermutlich sinkende Zahl von niedergelassenen Ärzten und die steigende Zahl von teilzeitbeschäftigten weiblichen Medizinern zu einer Änderung in den Abläufen der Praxen. „Der Hausarzt alten Schlages, der bei Wind und Wetter und spät in der Nacht über den hohen Westerwald fährt, ist ausgestorben“, so der Liberale.

Udo Quarz von den Linken fordert Ausnahmen vom Numerus Clausus für die Abiturienten, die Medizin studieren wollen und sich verpflichten, im ländlichen Bereich zu arbeiten. Für ihn sollten alle Akteure, die sich mit der ärztlichen Versorgung beschäftigen, unter Federführung des Landkreises Altenkirchen koordiniert zusammenarbeiten.

Peter König von der Piratenpartei sieht das Problem in erster Linie auf den Schultern der Kassenpatienten. „Ärzte für Privatpatienten gibt es hier nach meiner Erfahrung genügend“, sagt er. Eine klare Forderung richtet er an die Bundesregierung: „Es müssen mehr Ärzte ausgebildet werden. Dafür sollte auch die Zugangsregelung zum Studium überprüft werden“, ist er auf der Linie einiger anderer.

Von unserem Redaktionsleiter Markus Kratzer

Fünf Fragen an sieben Parteien

Wie stellen sich die Parteien im Kreis Altenkirchen in Zukunft die ärztliche Versorgung vor Ort vor? Unter dieser Überschrift haben wir allen im Kreistag vertretenen Gruppierungen dieselben fünf Fragen gestellt. Die Antworten gehen, was nicht völlig überrascht, doch weit auseinander. Lesen Sie in dieser Ausgabe auf Seite 14, mit welchen Rezepten CDU, FDP und Grüne einem drohenden Ärztemangel auf dem Land entgegenwirken wollen.

In einem zweiten Teil kommen dann die SPD, die Linke, die FWG sowie die Piraten ausführlich zu Wort. kra

Altenkirchen Betzdorf
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