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Kreis Altenkirchen

Der Wolf am Stegskopf: Freude, aber auch Besorgnis

Daniel Weber

Die Nachricht von der ersten Sichtung eines Wolfes auf dem Stegskopf hat bei Naturschützern, Experten und Weidetierhaltern unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Während Weidetierhalter über die Rückkehr des Wolfes besorgt sind, heißt man bei den Umweltverbänden „Canis lupus“ willkommen.

Die Rückkehr des Wolfes löst im Westerwald unterschiedliche Reaktionen aus.  Foto: dpa
Die Rückkehr des Wolfes löst im Westerwald unterschiedliche Reaktionen aus.
Foto: dpa

Harry Neumann von der Naturschutzinitiative (NI) und Dr. Jürgen Ott vom Verein Pollichia: „Der ehemalige Truppenübungsplatz bietet für den Wolf einen hervorragenden Lebensraum. Der Wolf als Leitart zeigt, dass dieses Gebiet zu Recht als Nationales Naturerbe ausgewiesen wurde.“ Zugleich warnen die Naturschützer vor übereilten Reaktionen, erneut Bekämpfungen zu fordern oder dem Tier mit Fotokameras nachzustellen. Schließlich handele es sich bei den meisten gesichteten Wölfen „um durchziehende Tiere, die morgen wieder ganz woanders sein können“. Das weitgehend durch Betretungsverbote abgeschirmte Gebiet dürfte dem Wolf aber gefallen, so NI und Pollichia. Man hoffe auf ein gutes Wolfsmanagement mit effektivem Schutz der zur Pflege des Gebiets eingesetzten Schafe.

Ähnlich äußert sich die Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe, Sonja Schütz: „Wir fordern einen sachlichen Umgang mit dem Thema, ohne jedoch die Ängste und Sorgen der Tierhalter zu verharmlosen oder zu ignorieren. Wir müssen Weidetiere, da wo es notwendig erscheint, frühzeitig vor dem Wolf schützen.“ Forderungen nach einer Bejagung, wie zuletzt von einigen Politikern geäußert, seien nicht nur EU-rechtswidrig, sondern lösten auch keine Probleme. Sollte ein einzelner Wolf trotz Herdenschutzes Schäden verursachen, könne seine Entnahme erforderlich sein.

Auch Jonas Krause-Heiber vom Naturschutzbund (Nabu) Rhein-Westerwald freut sich über den Wolf auf dem Stegskopf. Dies zeige die biologische Bedeutung des ehemaligen Militärgeländes. „Mit dem Wolf kommt eine heimische Tierart, die durch den Menschen ausgerottet worden war, in ihr natürliches Verbreitungsgebiet zurück.“ Als streng geschützte Art sei der Wolf wichtiger Bestandteil der Biodiversität und erfülle als „Gesundheitspolizei des Waldes“ wertvolle ökologische Funktionen. Panikmache und die Verbreitung unwissenschaftlicher Halbwahrheiten – wie zuletzt im Kreis Neuwied – seien unangebracht, so Krause-Heiber: Seit der Rückkehr des ersten Wolfes nach Deutschland im Jahr 2000 habe es keine Situation gegeben, in der sich frei lebende Wölfe aggressiv gegenüber Menschen verhalten hätten. „Dass ein Zusammenleben funktioniert, zeigen unsere Nachbarländer. In Deutschland hat man den Umgang mit diesem ehemals ausgestorbenen Tier schlicht verlernt.“

Experten wie der Zoologe und Fachbuchautor Dr. Frank Wörner (Gebhardshain) und die Großkarnivorenbeauftragte des Landes, Birgit Hausherr (Niederfischbach), werben ebenfalls für einen angemessenen Umgang mit dem Rückkehrer. „Ja, der Wolf ist ein wehrhaftes Tier, ausgestattet mit einem kräftigen Gebiss“, sagt Wörner, „insofern kann man ihm keine generelle Unbedenklichkeit attestieren.“ Gleichwohl sei die Gefahr, dass Menschen angegriffen werden, minimal. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man auf dem Weg zur Arbeit erschossen wird, ist größer.“ Dass ein Wolf ausgerechnet auf dem Stegskopf gesichtet wird, kommt für Wörner nicht überraschend: „Das war nur eine Frage der Zeit.“

Noch ist allerdings unklar, ob der Wolf das Areal zu seinem Revier auserkoren hat oder bereits weitergewandert ist. Gerade junge Wolfsrüden legen oft Hunderte Kilometer zurück, um ein eigenes Rudel zu gründen. So könnte der Wolf vom Stegskopf, wie der „erste Westerwälder Wolf“, der 2012 bei Hartenfels erschossen wurde, aus dem französisch-italienischen Alpenraum stammen, aus der Lausitz oder auch aus einer norddeutschen Population. Vielleicht handelt es sich auch um das Tier, das kürzlich im Kreis Neuwied für Schlagzeilen gesorgt hatte. Gewissheit kann laut Birgit Hausherr nur ein DNA-Abgleich bringen – etwa anhand von Fellhaarresten, Kot oder eines gerissenen Beutetiers. Revierförster Christof Hast will deshalb nun weiter gezielt nach Spuren suchen.

Ein „wolfsfreier Kreis“ oder eine „Obergrenze“, wie zuletzt von Politikern gefordert, sei gar nicht möglich, sagt Wörner: „Dann müsste man den Kreis komplett umzäunen. Wir stehen vor der Alternative: Sind wir gegen den Wolf, dann müsste dies den Totalabschuss bedeuten, was nach EU-Tierschutzrecht gar nicht geht. Oder akzeptieren wir den Wolf, dann gilt es, die Weidetierhalter bestmöglich zu unterstützen.“

Von unserem Redakteur Daniel Weber

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