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Krunkel

Das Gruseln wohnt in Krunkel

Ein Sarg, aus dem Spinnweben quellen, ein blutiger Arm – und über allem wacht der Sensenmann. Was wie die Kulisse aus einem Horrorfilm klingt, ist in Krunkel Alltag.

Denn dort, wo mit morbidem Charme liebevoll und tagelang dekoriert wurde, leben die Buurmans, die beide eine große Leidenschaft für das schaurige Fest amerikanischer Tradition hegen. „Ich habe zehn Jahre lang in der amerikanischen Botschaft in Bonn gearbeitet, vielleicht kommt mein Spleen daher", mutmaßt Dagmar Buurman lachend.

In diesen zehn Jahren war es gang und gäbe, dass die Botschaftsangehörigen ihre Kultur auch in Deutschland zelebrierten. So kam die 46-Jährige auf den Geschmack. „Ich bin außerdem seit 30 Jahren beim Roten Kreuz, da hab ich auch immer viel mit Schminken, Blut und Verbänden für die Übungen zu tun gehabt", so die Gruselfreundin. Und dann kam eines zum anderen. Begonnen hatten sie und Ehemann Jacobus ganz harmlos mit einigen Zierkürbissen und Maispflanzen, die sie von einem befreundeten Bauern bekamen. „Im Jahr darauf habe ich dann schon mit dem Spinnenweben begonnen. Aus alten Schaumstoffresten, Seil und Kleister entstand ein riesiges Netz inklusive Spinne und einer umwickelten Leiche", sagt Jacobus Buurman stolz, der die ungewöhnliche Begeisterung seiner Frau zum Glück vollauf teilt. „Ich bin in einer Metzgerei aufgewachsen", sagt er augenzwinkernd, was auch die Bastelkette mit blutigen Fleischermessern und Beilen erklärt, die das Küchenfenster schmückt. Mit den Jahren kam immer mehr dazu, und das Haus mit der ungewöhnlichen Herbstdeko war schnell in aller Munde. „Mittlerweile kommen die Leute von überall her, um unser Haus zu sehen. Hier halten Fahrzeuge aus Mayen, Koblenz und Neuwied", sagt Dagmar Buurman. Auch Schulen und Kindergärten pilgern seit ein, zwei Jahren nach Krunkel zum Halloweenhaus. Das freut die Buurmans, schließlich braucht es fast eine ganze Woche, um alles aufzubauen.

Mit viel Liebe zum Detail ist das Ehepaar am Werk, da kann es auch schon mal passieren, dass sich Dagmar im Übereifer einen Bandscheibenvorfall holt – beim Sargzimmern, wie im Vorjahr. Verschont vom Gruselfieber blieb letztlich auch die sechjährige Tochter des Paares nicht. „Sie findet das super, wollte sich dieses Jahr sogar zum Erschrecken in den Sarg legen", lacht Mama Dagmar, die diesen Schockeffekt dann doch etwas übertrieben fand – zumindest für kleinere Kinder. Erwachsene und Teenager, die sich für unerschrocken halten, müssen dafür auch schon mal damit rechnen, dass an Halloween in der Garage plötzlich ein Blut beschmierter Mann mit Metzgerschürze die Kettensäge anschmeißt. „Vor allem die Teeniemädels rennen dann lachend und kreischend weg", freut sich die Gruselfachfrau. „Ich achte aber schon darauf, dass keine christlichen Symbole dabei sind, damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt", sagt Buurman, die weiß, dass ihr saisonales Hobby nicht nur Freunde findet. „Manche im Ort schütteln auch einfach den Kopf, aber viele finden es auch gut."

So gut, dass am 31. Oktober der Spuk in der Kirchstraße schon am frühen Nachmittag beginnt. „Letztes Jahr haben wir drei riesengroße Körbe Süßes verteilt an die Kinder", erzählen die Halloweenhausbewohner. Die kleinen Gäste auf Süßwarensammeltour ließen sich teilweise aus anderen Ortschaften von den Eltern mit dem Auto nach Krunkel kutschieren, nur um auch mal am Halloweenhaus gewesen zu sein. Für die Erwachsenen gibt es auch schon mal ein Gläschen Hochprozentiges mit so leckerem Namen wie „Draculas Blut" etwa. Auch in diesem Jahr rechnen die Buurmans wieder mit einem großen Auftrieb. Seitdem sie ihre Deko in der vergangenen Woche fertiggestellt haben, sind schon wieder etliche Schaulustige unterwegs gewesen – vor allem abends, wenn alles noch unheimlich beleuchtet ist. Und klar ist: Auch wiederkommen lohnt sich, denn am Ende der Fahnenstange sind die Buurmans mit ihren Ideen noch lange nicht. „Ich hätte gerne eine Nebelmaschine, aber das ist schon ein teurer Spaß", sagt Dagmar Buurman. Auch versuchte sie bei Ebay einen alten Pferdehänger zu ersteigern – für ihren selbst gezimmerten Sarg. „Das wäre schön, aber dieses Jahr hat es nicht geklappt", sagt sie bedauernd. Aber das kann ja noch kommen.

Bis dahin gibt es ohnehin schon genug zu sehen und zu entdecken – vor allem für Freunde des gepflegten Horrors. „Die einschlägigen Filme hab ich mir früher auch gerne angesehen, heute aber nicht mehr so", gibt Buurman zu. Einmal im Jahr hat sie ja auch genug Grusel im Garten. „Und", das räumt sie noch lachend ein, „ich habe eigentlich eine absolute Spinnenphobie. Aber es wird mit jedem Jahr und jeder neu dekorierten Spinne besser." Grusel als Therapie also. Eine Fahrt nach Krunkel scheint sich also in jedem Fall zu lohnen. Sonja Roos

Altenkirchen Betzdorf
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