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Colosseum: Ihre kraftvolle Musik bleibt ewig jung

Die britische Band, die Rock-Blues-Jazz-Geschichte geschrieben hat, wirkt nahezu unvergänglich – trotz Auflösung, Musikerwechsel, Weiterleben in Colosseum II, zweier Wiedervereinigungen sowie Tod und schwerer Krankheit von Mitgliedern. Im gut gefüllten Kulturwerk zeigte sich jetzt das Sextett als eine kompakte Einheit exzellenter Solisten.

Rund 400 begeisterte Zuhörer erlebten im Wissener Kulturwerk ein fantastisches Wiedersehen mit der britischen Band Colosseum. Die vor mehr als 45 Jahren gegründete Formation zog viele Fans aus der näheren und weiteren Umgebung an.  Foto: Michael Schaust
Rund 400 begeisterte Zuhörer erlebten im Wissener Kulturwerk ein fantastisches Wiedersehen mit der britischen Band Colosseum. Die vor mehr als 45 Jahren gegründete Formation zog viele Fans aus der näheren und weiteren Umgebung an.
Foto: Michael Schaust

Jon Hiseman, (Mitbe-)Gründer und Rückgrat der Formation, wacht über all den herrlichen, immer noch frischen Rock- und Ethnojazz, der in den 70er-Jahren seine beste und kreativste Zeit hatte. Der Drummer macht Druck, unspektakulär trotz des bombastisch wirkenden Drumturms, geradlinig vorwärtstreibend. Falls die anderen aus reiner Spiellaune die rhythmische Basis etwas zu vergessen scheinen, der 71-Jährige ist stets zur Stelle.

Zu hören bekommt das von Anfang an begeisterte Publikum Klassiker wie Kostenproben des neuen, ausgezeichneten Albums. "Morning story" von Jack Bruce gerät zu einer wunderbaren Würdigung des jüngst verstorbenen Weggefährten und Meisters. Bassist Mark Clarke und Shouter Chris Farlowe (1970 in die Band eingetreten) teilen sich den eindrucksvollen Gesang des Ex-Cream-Mitstreiters.

Zupackender Rock für alle Fans

Ebenfalls von der aktuellen Platte ist "The way you waved goodbye", gesegnet mit allen Colosseum-Ingredienzien sowie mit einer Spur mehr zupackendem Rock. Für die gehörige Portion Blues im Stilmix sorgt vor allem Farlowe, das R&B-Stehaufmännchen par excellence (in den 1990er-Jahren war er fast am Ende). "The Voice", der Unverwüstliche und Entertainer, wirkt manchmal, als ob er ein wenig fallsüchtig sei. Jeder Tanzbär bewegt sich eleganter als Chris. Doch wenn der 74-Jährige das Mikro in die Hand nimmt, ist alle Unsicherheit vergessen. So zelebriert der über ein gewaltiges Vier-Oktaven-Organ verfügende Mann den "Stormy monday blues" wie einst in jungen Jahren.

Nicht minder auf die Zwölftakter spezialisiert zeigt sich Dave Clempson, den Hiseman 1969 in die Band holte. "Clem" entlockt seinen Stahlsaiten magische Klänge in einer eigenständigen Mischung à la "Peter Green trifft B. B. King". Der 65-Jährige zaubert auf dem Griffbrett und gibt gleich den harten Rocker mit viel Wah-Wah auf Hendrix-Wegen.

Hammond-Organist setzt musikalische Glanzpunkte

Ein großväterlich-freundlich in die Runde blickender Dave Greenslade (von Anfang an dabei) ist auf seine Art nicht minder mit Verve bei der Sache. In der vielschichtigen "Valentyn suite", dem kolossalsten Colosseum-Werk (1969), setzt der Hammond-Organist eine der Hauptglanzpunkte in der völlig ungekünstelten Mixtur aus Blues, Jazz, Rock und Klassik. Barbara Thompson, seit 2004 für den unvergessenen wie legendären Dick Heckstall-Smith am Saxofon, brilliert mehr mit luftigen Arabesken als mit satten Bläsertönen. Die 71-jährige Ehefrau von Hiseman ist trotz Parkinsonerkrankung und Pausen voll präsent. Ihre Soli sind noch virtuoser als die von Clempson, der im 17-minütigen Werk prima Saiten-Prog-Rock abliefert. Die Suite hat nichts von ihrer Faszination verloren, ein unglaublicher Spannungsbogen und ein vorzügliches Zusammenspiel aller. Lyrische Melodiebögen, robuste Riffs, schnelle Breaks und Schlagzeugstakkati offenbaren, wie eine musikalische Utopie zum überirdischen Trost werden kann.

Nicht minder spektakulär ist der Schlusspunkt einer recht kurzen, aber mitreißenden Show. Hiseman baut eine Gewitterfront aus martialischen Schlägen auf, ohne überspannt zu klingen, er agiert kantig wie kraftstrotzend. Nach dem längeren Einzelgang gesellen sich die Mitstreiter wieder zu ihm auf die Bühne. "Lost Angeles", da sind auch Farlowes perfekter wie eigenwilliger Skatgesang und Clempsons Gitarrenfeuerwerk so präsent wie weiland beim Gig in Manchester 1971, verewigt auf der Doppel-LP "Colosseum Live", einer der besten Rock-Konzertscheiben aller Zeiten. "Time on our side" – Tourmotto und Titel der neuen Platte bringen es auf den Punkt: Diese Musik wirkt ewig jung, auch wenn die Künstler in die Jahre kommen. Michael Schaust

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