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Berufseinbrecher zog plündernd durchs AK-Land

Kreis Altenkirchen – Er war Berufseinbrecher. Er kam spätnachts und plünderte Wohnungen – ob dort jemand schlief, war ihm egal. Er machte 2011 und 2012 mehrere Beutezüge durch den Kreis Altenkirchen, schlug in über zehn Orten zu.

Er hebelte Türen auf, stieg in Fenster ein, angelte sich Türschlüssel durch Katzenklappen. Jetzt hat das Landgericht Koblenz den Rumänen (39) zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der frühere Bandenchef verkaufte seine Beute nach Rumänien. Er kam auf ein „Monatsgehalt" von bis zu 3000 Euro. Er stahl alles, was ihm in die Finger kam. Mal eine Schachtel Zigaretten oder einen 10-Euro-Schein, mal eine Kamera, ein iPhone oder einen Computer, eine Kettensäge, einen Motorradhelm oder eine Uhr aus Weißgold. Er legte ein volles Geständnis ab.

Wie dreist der Mann vorging, zeigt ein Fall in Herdorf: Es ist die Nacht auf den 15. März 2012, der 39-Jährige schleicht um ein Haus, bemerkt eine offene Kellertür, geht hinein, trifft in einem Zimmer auf einen schlafenden 85-Jährigen, stiehlt in Ruhe eine Kassette mit goldenen Ringen und Ketten – und verschwindet wieder.

Laut dem Urteil plünderte der Mann von November 2011 bis Juli 2012 in 54 Fällen Wohnungen, Häuser oder Autos. In weiteren 32 Fällen blieb es beim Versuch, das heißt: Er schaffte es nicht, eine Tür oder ein Fenster zu überwinden, oder fand keine Beute. Hier schlug er unter anderem zu: Hamm, Fürthen, Pracht, Roth, Oberirsen, Wissen, Mittelhof, Katzwinkel, Kirchen, Scheuerfeld, Wallmeroth, Grünebach und Herdorf. Das Gericht verurteilte den Mann wegen Bandendiebstahls, Wohnungseinbruchdiebstahls und Diebstahls. Er versetzte seine Opfer in große Angst. Aber ein Wort der Entschuldigung fand er im Prozess nicht.

Der 39-Jährige – hagere Figur, schwarze Lederjacke, erste graue Haare – schilderte vor Gericht sein Leben: Er wuchs in Rumänien auf, machte eine Schlosserlehre, hat fünf Kinder, drei leben in Pflegefamilien, zwei bei der Mutter. Er ist ein Berufseinbrecher – so nannten ihn die Staatsanwältin und sein Anwalt. Grund: Er lebte seit Langem von Einbrüchen, saß bereits in Rumänien mehrere Jahre hinter Gittern. Er kam nach Deutschland, weil er die Strafgesetze in seiner Heimat für zu streng hielt. Er wohnte zuletzt in Köln, verübte seine Taten aber auf dem Land. Nach seiner Erfahrung sind die Menschen dort unvorsichtiger, lassen öfter mal eine Tür offen.

Der Mann kam nachts, wenn die Menschen schliefen. Und er blieb gefasst, wenn jemand wach wurde. Ein Einbruch in Freirachdorf: Der Mann steigt in der Nacht zum 6. Juli 2012 über ein Kellerfenster in ein Haus ein. Er durchwühlt eine Tasche im Esszimmer, steckt 20 Euro ein. Plötzlich ruft eine Frau: „Guten Morgen!" Sie schlief nebenan auf dem Sofa, war aufgewacht, glaubte ihren Ehemann zu hören. Der Einbrecher reagiert schnell. Auch er ruft: „Guten Morgen!" Dann läuft er zurück in den Keller, packt noch ein Handy und eine Kamera ein – und flüchtet.

Wie kam die Polizei dem Einbrecher auf die Spur? Sie ortete die Handys, die er stahl. Und sie überwachte seine Telefonate. Es besteht der Verdacht, dass der Mann die Tatorte durch „Bettler" ausbaldowern ließ, die dort einige Wochen vor den Einbrüchen um eine Spende baten. Doch er bestreitet das.

Der Mann lebte mit bis zu 20 Rumänen in Köln in einer Wohnung. Zwei von ihnen saßen in Koblenz ebenso auf der Anklagebank. Sie hatten den 39-Jährigen mehrfach zu Tatorten gefahren. Im Juli 2012 schlugen die drei in Neuss zu – und wurden auf frischer Tat gefasst. Seither saßen sie hinter Gittern. Das Landgericht hat die zwei Komplizen wegen Beihilfe zum Bandendiebstahl zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Hartmut Wagner

Altenkirchen Betzdorf
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