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Kreis Altenkirchen

Bauckhage: "Ich hätte die Westerwald-Autobahn durchsetzen können"

„Ich hätte die Westerwaldautobahn mit Gewalt durchsetzen können. Heute ärgere ich mich, dass ich es damals nicht getan habe.“ Hans-Artur Bauckhage wirkt im RZ-Gespräch ebenso resolut wie nachdenklich. Der 69-jährige FDP-Politiker aus Daaden-Biersdorf war bis Mai 2006 stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz. Der verpasste Einzug der Liberalen in den Landtag 2011 beendete seine Karriere auf der Mainzer Politbühne.

Kreis Altenkirchen – „Ich hätte die Westerwaldautobahn mit Gewalt durchsetzen können. Heute ärgere ich mich, dass ich es damals nicht getan habe.“ Hans-Artur Bauckhage wirkt im RZ-Gespräch ebenso resolut wie nachdenklich. Der 69-jährige FDP-Politiker aus Daaden-Biersdorf war bis Mai 2006 stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz. Der verpasste Einzug der Liberalen in den Landtag 2011 beendete seine Karriere auf der Mainzer Politbühne.


„Ohne verkehrsmäßig gute Erschließung gibt es keine wirtschaftliche Entwicklung“, weiß er und nennt beispielhaft die A 3 mit ihren Industrie- und Gewerbegebieten bei Montabaur. „Wo schnelle Verkehrswege sind, herrscht Prosperität, siedeln sich Unternehmen an, sind Arbeitsplätze.“
Das „Damals“ mit der Westerwaldautobahn ist übrigens noch gar nicht so lange her. Es war die Zeit zwischen 2002 und 2005, als Manfred Stolpe (SPD) Bundesverkehrsminister war. „Ich hätte sie mit ihm platziert bekommen“, wiederholt Bauckhage. Die Trasse sollte in der Länge vom Dernbacher Dreieck (A 3/A 48) als Nord-Süd-Verbindung durch die Kreise Westerwald und Altenkirchen zur A 45 nach Freudenberg führen. Die genaue Route wäre in einem Korridor von 20 Kilometern verlaufen. „Mit der Autobahn hätten wir unsere verkehrlichen Nachteile lösen können“, betont der Biersdorfer.
Gescheitert sei der Versuch, die Westerwaldautobahn nach den 70er- und 80er-Jahren noch einmal wiederzubeleben, an mangelnder Unterstützung aus der Region und an den Widerständen von Umweltverbänden. Verbündete habe er nur in der Handwerkskammer gefunden, erinnert Bauckhage.
Die Industrie- und Handelskammer indes habe nichts gemacht, sich „hinter der Böschung versteckt“, ihn alleine gelassen, wohl auch, mutmaßt der Ex-Minister, weil die damalige IHK-Spitze in Koblenz seine Mitglieder im AK-Land um Zurückhaltung zugunsten einer Mittelrheinbrücke bat. „Wir haben Chancen liegen gelassen“, bedauert der 69-Jährige. Auch heute noch wäre eine Westerwaldautobahn der richtige Weg. Die Chancen dafür sieht der Liberale aus politischen und finanziellen Gründen als gering an.
„Mittel- und Oberkreis Altenkirchen samt nördlichen Westerwaldkreis sind die einzigen Regionen in Rheinland-Pfalz ohne direkte Autobahnanbindung“, stellt Bauckhage fest. Dass Unternehmen aus dem AK-Land jetzt in der Initiative „Anschluss Zukunft!“ einen schnelleren und mehrspurigen Ausbau der Hauptverkehrsachsen (B 8, B 62, B 414) propagieren, begrüßt er, obwohl „ich mir diese Unterstützung schon damals gewünscht hätte“. Um mit ihren Anliegen erfolgreich zu sein, rät er Wirtschaft, Kammern, Kreisen und Verbandsgemeinden zu Ge- und Entschlossenheit. Nur so könne man auf die Politik Druck ausüben.
Abseits der Westerwaldautobahn („die beste Lösung“) benötige der Kreis Altenkirchen den schnellen, am besten vierspurigen, aber mindestens dreispurigen Ausbau der Ost-West-Achse von der A  45 bei Herborn über die B 414 und B 8 zur A 565 nach Hennef sowie die Nord-Süd-Achse von der Hüttentalstraße zur B 62 samt Ortsumgehung Mudersbach nach Kirchen und Betzdorf. „Ich habe die Ortsumgehung Mudersbach in den Bundesverkehrswegeplan reingebracht, die Voraussetzungen geschaffen, favorisiere eine Trassenführung durch das Industriegebiet“, sagt Bauckhage.
Auch Maßnahmen an der B 414 wie derzeit in Kirburg stammten aus dieser und damit seiner Zeit. „Ich habe getan, was ich konnte“, erinnert er auch an den Betzdorfer Barbaratunnel. Bauckhage räumt ein: „Der Tunnel macht natürlich nur Sinn in Verbindung mit der Brüderle-Trasse und der Ortsumgehung Steineroth.“ Auf der 50 bis 60 Millionen Euro teuren Brüderle-Trasse würde die L 288 hinter Steineroth und Stromwerk unten ins Tal bei Alsdorf auf die B 62 geleitet. „Ich habe den Eindruck, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung daran kein Interesse hat“, kritisiert Bauckhage mit einem Wink Richtung Grüne.
Deshalb werden, so der Ex-Minister, „wir in zehn Jahren über die gleichen Probleme reden“, obwohl es, wie von der Wirtschaftsinitiative in der Kampagne gefordert, nur noch eine realistische Lösung gibt, den Kreis Altenkirchen in der verkehrlichen Infrastruktur und damit in seiner wirtschaftlichen Entwicklung nicht komplett abzuhängen: den schnellen Ausbau der Hauptverkehrsachsen. Stefan Nitz

Altenkirchen Betzdorf
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