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Kreis Altenkirchen

Auf Brand folgt flammendes Lob für die Wehr: Klaus Wolters aus Rettersen bedankt sich

Sie leisten einen unschätzbaren Dienst für die Allgemeinheit. Auch im Kreis Altenkirchen sind es unzählige Stunden ihrer Freizeit, die Feuerwehrleute für andere „opfern“.

Klaus Wolter zeigt auf die Ecke, in der eine unachtsam weggeworfene Zigarette den Brand auslöste.
Klaus Wolter zeigt auf die Ecke, in der eine unachtsam weggeworfene Zigarette den Brand auslöste.
Foto: Sonja Roos

Wenn dann ein Fall bekannt wird, wie der der mutmaßlichen Brandstiftung bei der Firma SSI Schäfer in Neunkirchen, und ein junger Feuerwehrmann als Tatverdächtiger festgenommen wird, machen sehr schnell Diffamierungen und „blöde Sprüche“ die Runde, wird ehrenamtliches Engagement vorschnell unter Generalverdacht gestellt.. Doch es geht auch anders – wie unsere Geschichte aus Rettersen zeigt.

Auf den ersten Blick sieht es bei Klaus Wolter aus, als würde er nur renovieren. Das Haus ist eingerüstet, vor der Tür steht ein Container, Helfer tragen Bauschutt heraus. Auf den zweiten Blick jedoch sieht man die verkohlte Ecke oben auf dem Balkon, das halbe Geländer ist weg, ebenso der Dachüberstand. Dort war vor etwas mehr als einer Woche ein Feuer ausgebrochen, nachdem Wolters Sohn vor dem Zubettgehen noch eine Zigarette geraucht und diese nicht richtig ausgedrückt hatte.

Klaus Wolter erinnert sich noch gut an den Abend. „Wir waren schon zu Bett gegangen, als mir plötzlich Rauchgeruch in die Nase stieg.“ Zunächst dachten er und seine Verlobte Michaela Oberste noch, dass der Nachbar vielleicht beim Kamin anstochen etwas übertrieben hat, doch im nächsten Moment wird an die Haustür des Paares gehämmert. „Ein Nachbar, der draußen eine rauchen wollte, hatte das Feuer bemerkt“, sagt Wolter. Er springt auf und läuft ins Wohnzimmer, von wo aus er den Feuerschein von oben bereits sieht. „Es ist kurios, aber wenn man selbst betroffen ist, merkt man erst einmal, wie schwer es ist, rationale Entscheidungen zu treffen.“ Wolter lief nach oben und versuchte das Feuer zunächst mit Wasser aus Behältern zu löschen. Dann kam ihm die Idee, den Gartenschlauch zu Hilfe zu nehmen. „So hatte ich den Brand bereits gelöscht, als die Feuerwehr eintraf“, erinnert er sich. Allerdings war der ganze Dachboden verraucht. „Das war wie eine weiße Wand, man hat nichts gesehen, konnte nicht atmen.“ Deshalb war auch nicht klar, ob noch irgendwo Brandnester vor sich hinschwelten.

Mehrere Wehrleute gingen dann mit Atemschutzmasken in diese „weiße Wand“, der zusätzlich alarmierte Löschzug Altenkirchen kam mit der Drehleiter zu Hilfe. Die Floriansjünger brauchten nur wenig Wasser. Sie schlugen einige Dachpfannen ab und konnten so letzten Brandnestern zu Leibe rücken. Klaus Wolter kennt viele der Wehrleute auch privat, mit einigen trifft er sich ab und zu auf ein Bier. Er bilanziert: „Es ist ein nicht beschreibbares Gefühl, bei einem Feuer- oder Rettungseinsatz in die Gesichter von Freunden und Bekannten zu schauen, während diese bereit sind, in ihrer Freizeit völlig unentgeltlich alles für einen zu geben.“

Auch die Nachbarn sind mehr als hilfsbereit, bringen Decken, heiße Getränke und bieten Klaus Wolter und Michaela Oberste für die Nacht ein Obdach. Die beiden sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Der Schaden am Haus ist zum Glück überschaubar, außer einer leichten Rauchvergiftung, die Klaus Wolter im Anschluss an die Löscharbeiten im Krankenhaus behandeln ließ, ist auch niemandem etwas passiert. „Das hätte alles viel schlimmer ausgehen können“, sagt Michaela Oberste. Doch während die beiden sich bereits an die Aufräum- und Reparaturarbeiten machen, lässt Klaus Wolter der Abend einfach nicht los. Fünf Tage später setzt er sich an den Rechner, um seinen Gefühlen in einem Post auf Facebook Ausdruck zu verleihen. Darin bedankt er sich noch einmal ausdrücklich für den Einsatz der Wehrleute und die tolle Hilfe aus dem Umfeld (siehe Auslagerung).

Ralf Schwarzbach, Wehrleiter der VG Altenkirchen, freut sich angesichts des öffentlichen Danks. „Man erfährt schon öfter einen gewissen Dank und Respekt nach einem Einsatz, aber so öffentlich, das ist doch eher selten.“ Er hatte Wolter einige Tage nach dem Brand getroffen, wo dieser ihm auch in Persona dankte und von seinem Post berichtete. Mittlerweile ist dieser mehrfach geteilt und geliked worden. Mit Recht, freuen sich Wolter und Oberste, denn die Wehrleute opfern ihre Freizeit und bringen sich zudem für ihr Ehrenamt nicht selten selbst in Gefahr. Ganz zu schweigen davon, dass auf die meisten am nächsten Tag ein ganz normaler Arbeitstag wartet (die RZ berichtete). Schwarzbach zollt aber auch Wolters Einsatz Respekt. „Die Löschversuche, die er bereits unternommen hatte, waren ein Segen.“ Trotzdem weist der erfahrene Brandbekämpfer noch einmal darauf hin, dass man in erster Linie dafür sorgen sollte, dass alle Menschen in Sicherheit sind und nur dann selbst löscht, wenn keine große Gefahr besteht. „Wenn man sich unsicher ist, sollte man lieber auf das Eintreffen der Feuerwehr warten“, sagt er. Und: „Jeder sollte nur in dem Maß löschen, wie er sich das zutraut.“

Auch wenn Klaus Wolter und Michaela Oberste mit wenig Schaden und einem Schrecken davon- gekommen sind, wird sie das Erlebte noch lange verfolgen. „Feuer, das ist so eine Urangst“, sagt sie. „Neulich habe ich den Kamin angemacht, das war schon einschneidend, in dem Moment kam alles wieder hoch.“ Fest steht für die beiden jedenfalls, dass sie die alten Rauchmelder gegen neue Funkmelder austauschen und diese auch bis unter das Dach legen. Und: „Ab sofort besteht bei uns absolutes Rauchverbot, drinnen wie draußen“, sagt Klaus Wolter.

Von unserer Redakteurin Sonja Roos

Der Facebook-Eintrag von Klaus Wolter:

Nachdem nun 5 Tage vergangen sind und das Erlebte noch immer sehr präsent ist, möchte ich mich im Namen meiner Familie herzlich bedanken:Zum einen bei unseren Nachbarn und Freunden, welche uns völlig unerwartet Obdach und Wäsche sowie Kleidung angeboten haben sowie tröstende Worte fanden und uns auch tatkräftig dabei unterstützten, als in der Nacht unser Haus brannte. Zum Zweiten der Verbandsgemeinde-Feuerwehr Altenkirchen mit ihren Löschzügen Mehren, Weyerbusch und Altenkirchen sowie den Kräften des DRK und der Polizei, die durch Ihr besonnenes Handeln maßgeblich dafür gesorgt haben, dass die Schäden an Gebäude und Hausrat so gering ausfielen, dass wir unser Heim noch bewohnen können und auch unser Betrieb weiter aufrecht erhalten werden kann.

Worte können meine Empfindungen kaum beschreiben. Deshalb allen Beteiligten nochmals ein herzliches Dankeschön.

Altenkirchen Betzdorf
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