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Betzdorf

Anwohner in Betzdorf: Keine Kita in Webers Wäldchen

Andreas Neuser

„Das darf und kann doch nicht sein.“ Das war eine der ersten Reaktionen der Anwohner von Webers Wäldchen im Bereich Molzberg als sie erfuhren, dass dort der Neubau einer Kindertagesstätte mit vier Gruppen angedacht ist.

Eine Kita in Webers Wäldchen bauen, das wird nicht nur von den Anwohnern abgelehnt. Sie kämpfen für den Erhalt dieser Naturoase im Bereich Molzberg in Betzdorf.
Eine Kita in Webers Wäldchen bauen, das wird nicht nur von den Anwohnern abgelehnt. Sie kämpfen für den Erhalt dieser Naturoase im Bereich Molzberg in Betzdorf.
Foto: Andreas Neuser

Derzeit ist die Kita mit zwei Gruppen im Gebäude der Martin-Luther-Grundschule untergebracht. Aber in der Stadt besteht mehr Bedarf für Kitaplätze. So muss die Kita dringend auf vier Gruppen erweitert werden. Laut Bürgermeister Bernd Brato ist das im Gebäude der Schule nicht möglich. So fiel der Blick auf das in der Nähe liegende Webers Wäldchen, das sich im Besitz der Stadt befindet. Brato betont aber auch, dass hier nicht alle Bäume fallen sollen. Konkrete Pläne und Entscheidungen gibt es noch nicht.

„Hier ist kein Platz für eine Kita“, sind sich die Anwohner aber alle einig. Dieser noch einzigartige Baumbestand (der Rest vom früher bewaldeten Molzberg) müsse erhalten bleiben. Binnen kürzester Zeit wurden so 170 Unterschriften gegen das Kita-Projekt an dem Standort gesammelt, erzählten gestern Nachmittag vor Ort die Initiatoren Beate Seelbach, Erwin Rickert und Volker Schönewolf.

Verdeutlicht wird aber auch, dass man nicht gegen eine neue Kita ist. „Aber nicht hier.“ Das Wäldchen sollte weiterhin zum Spielen von den Kinder genutzt werden.

Gerne hätten die Bürger die Unterschriften gleich gestern Bürgermeister Bernd Brato überreicht. Über den Termin hatten sie ihn auch informiert. Es gab aber keine Zusage. Sehr deutlich wird gemacht, dass dieses Stück Natur unbedingt erhalten werden muss. Das sei wichtig für das Mikroklima, die Tiere, die Frischluft, die Verbindung von Naturräumen und natürlich auch für die Kinder aus der Nachbarschaft. Denn die sind hier auf dem Spielplatz im Wäldchen gerne zu Gast. Ebenso wie die Kinder der Kita Kir(s)chkern aus der Gontermannstraße und die Kinder aus dem Friedenshort, erinnert Ernst-Gerhard Borowski.

Webers Wäldchen weckt bei vielen Anwohnern natürlich auch Erinnerungen an die eigene Kindheit. Dort hat man immer gespielt.

Unterstützung bekommen die Anwohner auch von Wolfgang Stock (Niederfischbach) von der BUND-Kreisgruppe. Stock erinnert daran, dass um jeden Baum gekämpft werden müssen. In Betzdorf und auch Kirchen seien bereits zu viele verschwunden. „Ein verantwortungsvoller und umweltbewusster Stadtbürgermeister sollte sich gegen die Planung aussprechen“, betont er. Auch aus baurechtlicher Sicht und von der Baumschutzsatzung her sieht er hier noch nicht unbedingt eine Kita stehen. Ob die untere Naturschutzbehörde beim Kreis da mitspielt, das bezweifelt er. „Das Wäldchen hier ist Bürgereigentum. Das mit der Kita geht hier nicht“, ermuntert er die Anwohner, weiter für ihr Wäldchen zu kämpfen. Sie sollten eine Interessengemeinschaft gründen.

Allgemein wird auch kritisiert, dass die Politik wenig Sensibilität für die Belange der Natur hat.

So geht der Appell aller Anwohner und von BUND-Mitglied Wolfgang Stock an die Stadtratsmitglieder, unbedingt nach einem alternativen Standort für die neue Kita zu suchen. Da gibt es auch gleich einen Vorschlag von Anne Rickert. Am bestehenden Standort in der Schule bestehe die Möglichkeit der Erweiterung. Ins Spiel gebracht werden hier die Räume der ehemaligen Hausmeisterwohnung, die derzeit vermietet sei. Dieser Bereich und auch der dazugehörige Garten würden genügend Platz für eine größere Kita bieten. Das sollte geprüft werden.

Von unserem Redakteur Andreas Neuser

Bündnisgrüne regen Schützenplatz als Kita-Standort an: Ausschuss soll beraten

Die Stadtratsfraktion der Betzdorfer Bündnisgrünen spricht sich auch deutlich gegen eine Kita im Wäldchen aus. Sie fordern, dass das Thema endlich einmal im Ausschuss beraten wird. Es werden auch gleich Alternativen angeboten. Der Schützenplatz als Kitastandort wird ebenso ins Spiel gebracht wie eine Kitagruppe als Waldkindergarten auf dem Molzberg. Bedauert wird, dass es bislang keine Sitzung im Betzdorfer Stadtrat oder den Ausschüssen gab, die das Thema aufgriffen. Die Fraktionen wurden lediglich gebeten worden, sich „Gedanken zu dem Thema zu machen“, heißt es in einer Mitteilung der Bündnisgrünen, die sich nun Gedanken gemacht haben:

Aufgrund der desolaten Finanzsituation der Stadt muss vorher geprüft werden, ob ein Neubau überhaupt sinnvoll ist. Die Möglichkeit, den Schulstandort Bertha-von-Suttner in der Schützenstraße als Kita umzubauen, muss geprüft werden. Damit wäre das Schulgebäude „Auf dem Bühl“ automatisch Sitz der Realschule plus.

Ein Neubau im Wäldchen an der Weberstraße kommt für uns nicht in Frage. Dieser Park mit schützenswerten Bäumen ist für die Menschen und Tiere auf elementarer Bedeutung.“ Als „Oase inmitten einer stark von Autos und Lkw frequentierten Stadt“, wird das Wäldchen bezeichnet. Ebenso sei es Spielplatz für die Kinder und Lebensraum für Vögel und Eichhörnchen. Die Bündnisgrünen verweisen ebenso auf die Baumschutzsatzung der Stadt.

Falls dennoch ein Neubau einer Kita erforderlich sei, würden die Bündnisgrünen gerne prüfen lassen, ob der städtische Schützenplatz dafür in Frage käme. „Eine vertragliche Änderung mit dem Schützenverein könnte dann erfolgreich sein, wenn man dem Schützenverein ein adäquates Angebot vorstellen würde, für das wir ebenfalls schon Ideen entwickelt haben.“

Wenn man bei der ursprünglichen Planung einer 3-Gruppen-Kita am Standort Martin-Luther-Grundschule bleiben würde, so eine weitere Idee, sollte man sich überlegen, ob man die 4. Gruppe als Waldkindergarten auf dem oberen Molzberg am Waldrand baut. In dem Falle würde man evtl. Fördergelder vom Land RLP bekommen. an

Altenkirchen Betzdorf
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