40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Altenkirchen/Betzdorf
  • » Anschläge in Brüssel hautnah erlebt: Alsdorfer und Betzdorfer schildern Erlebnisse
  • Aus unserem Archiv
    Betzdorf/Alsdorf

    Anschläge in Brüssel hautnah erlebt: Alsdorfer und Betzdorfer schildern Erlebnisse

    Martin Lichte aus Betzdorf und Malte Kilian aus Alsdorf erlebten die Terroranschläge in Brüssel hautnah. Vor allem den Anschlag auf die U-Bahn-Station mitten im Europaviertel.

    Martin Lichte aus Betzdorf leistet derzeit ein Praktikum in Brüssel im Europaviertel ab. Nach den Anschlägen will er sein Verhalten in der Stadt aber nicht ändern.
    Martin Lichte aus Betzdorf leistet derzeit ein Praktikum in Brüssel im Europaviertel ab. Nach den Anschlägen will er sein Verhalten in der Stadt aber nicht ändern.

    Beide arbeiten in der europäischen Hauptstadt. Beide betonen unabhängig voneinander, dass solche Anschläge gerade in Brüssel zu erwarten waren. Hier die persönlichen Eindrücke der beiden jungen Leute:

    Malte Kilian aus Alsdorf: „Zum Zeitpunkt der Explosionen in der U-Bahn war ich auf Höhe der Station Maelbeek. Ich kam gerade von einem Termin und war zu Fuß zurück zu meinem Arbeitsplatz bei Eutop.“ Hier ist er als Unternehmensberater tätig. Der 28-Jährige hörte einen dumpfen Schlag. „Im ersten Moment dachte ich, da sind Mülltonnen umgefallen.“ Doch dann kamen Menschen aus der U-Bahn gerannt. „Da ist was Schlimmes passiert“, ging es Kilian durch den Kopf. Und schnell war ihm beim Anblick der Verletzten auch klar, dass es ein weiterer Terroranschlag sein muss. Denn vom Anschlag auf den Flughafen hatte er bereits gehört. Was Kilian dann sah, „das waren viele unschöne Bilder“.

    Einen Tag nach dem Anschlag erzählt er am Telefon, dass er mit den Gedanken bei den Opfern der Anschläge sei. „Eine gewisse Angst ist nun schon da. Man geht bewusster und mit offeneren Augen durch die Stadt. Ich habe schon ein ungutes Gefühl“, beschreibt er das aktuelle Befinden. Man versuche aber auch, solche Gedanken zu verdrängen. Denn der Alltag geht weiter, und mit der U-Bahn muss man auch weiter fahren.

    Seit November, das war nach den Anschlägen in Paris, herrschte in Brüssel bereits ein Ausnahmezustand. „Irgendwann passiert hier etwas“, ging Kilian da schon öfters durch den Kopf. „Oft habe ich in der U-Bahn gestanden und gedacht, wie einfach ist es doch, hier eine Bombe zu zünden.“ Das waren nur Gedanken, die schnell verdrängt wurden. Seit Dienstag ist es Wirklichkeit.

    Kilian pendelt derzeit noch zwischen Brüssel und Alsdorf. Am Wochenende ist er meist in Alsdorf. Auf rheinland-pfälzischer Landesebene ist er noch Schatzmeister der Jungen Union. Er war auch einmal Vorsitzender der Jungen Union im Kreis Altenkirchen. Doch nach dem Studium der Politik und Volkswirtschaft zog es ihn beruflich nach Brüssel.

    Martin Lichte aus Betzdorf: Der 26-Jährige aus Betzdorf war noch in seiner Wohnung in der Nähe des Brüsseler Europaviertels. Er hörte viele Sirenen. Lichte dachte kurz, das hat sicher mit dem Anschlag auf den Flughafen zu tun. Doch das Geheul der Sirenen hörte nicht auf. Schnell war klar, hier war noch etwas passiert. Er machte sich auf den Weg zu seiner Arbeitsstelle, die auch im Europaviertel liegt. Es ist eine Kirchliche Kommission für Migranten. Hier absolviert er ein Praktikum. Die Kommission informiert die EU-Abgeordneten über Positionen der Kirche zur Migration.

    Eine Metrostation vor Maelbeek (dort explodierte die Bombe) sah er überall Polizei. Ihm wurde klar, da war ein Anschlag passiert. Schnell wollte er seine Eltern in Betzdorf per Handy informieren, dass er wohlauf sei. Doch das Handynetz in Brüssel war zusammengebrochen. So ging er zu Fuß weiter zu seiner Arbeitsstelle. Dort gab es Festnetzanschlüsse, die funktionierten. Die Eltern in Betzdorf wurden informiert. Im Büro kamen zum Glück alle Mitarbeiter zusammen. Niemand war verletzt, niemand erfuhr etwas von betroffenen Angehörigen. Ein Mitarbeiter, der in einer U-Bahn saß, die nach dem Anschlag mitten im Tunnel angehalten wurde, musste viele Meter durch den Tunnel gehen, um ans Tageslicht zu kommen. Gemeinsam informierte man sich dann im Internet drüber, was in Brüssel passiert war.

    Für Lichte und die anderen Büromitarbeiter kamen diese Anschläge „aber nicht aus dem Nichts“, wie der Betzdorfer erzählt. Man hatte schon damit gerechnet, dass in Brüssel einmal etwas passieren kann. Schließlich kamen einige der Pariser Attentäter aus Brüssel. Denn schon lange (seit November) waren auch Soldaten in der Stadt unterwegs. Neu seit Dienstag war, dass sie ihre Helme trugen.

    Im Büro saß man so relativ ruhig beisammen. Aufgeregter seien da die Anrufer von außerhalb gewesen. Denn diese hatten immer die schrecklichen Bilder im Fernsehen gesehen. Nach 17 Uhr verließ Lichte das Büro. Er ging zu Fuß zu seiner Wohnung. Dabei kam er auch durch einen Park. Der liegt 500 Meter von der U-Bahn-Station Maelbeek entfernt. „Hier joggten die Leute, andere waren mit der Familie unterwegs“, beobachtete Lichte. Doch eines war anders. Überall waren noch Sirenen von Polizeifahrzeugen zu hören. Hätte man das Sirenengeheul nicht gehabt und von den Anschlägen nichts gewusst, dann wäre das eigentlich von der Atmosphäre her im Park ein ganz normaler Feierabend bei Sonnenschein in Brüssel gewesen.

    Natürlich kommen nun immer wieder Gedanken, was wäre wenn. Aber so etwas verdränge man. „Sonst kann man ja nichts mehr machen.“ Lichte hofft, dass in den nächsten Tagen auch in Brüssel wieder normaler Alltag einkehrt. So sei es ja auch nach den Anschlägen in Paris gewesen. Die Gefahr eines Anschlags sei in jeder Großstadt präsent, findet der 26-Jährige aus Betzdorf.

    „Ich werde mein Verhalten auf jeden Fall nicht verändern“, betont Lichte. Er muss auch nicht mit der U-Bahn zur Arbeit fahren. Da kann er zu Fuß hingehen. Andreas Neuser

    Pannen und Probleme: Wie Belgien nach Terroristen fahndetPolizei jagt TerrorverdächtigeVölkermord: Straftatbestand im internationalen RechtPorträt: Serbenführer Karadzic ist sich keiner Schuld bewusstDie Terror-Zelle von Brüssel: Wer ist der fünfte Attentäter?weitere Links
    Altenkirchen Betzdorf
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
    Markus Kratzer (kra)
    Redaktionsleiter
    Tel 02681/9543-21
    E-Mail
    Volker Held (vh)
    stv. Redaktionsleiter
    VG Altenkirchen
    Tel 02681/9543-33
    E-Mail
    Elmar Hering (elm)
    Redakteur
    VG Wissen & Hamm
    Tel 02681/9543-13
    E-Mail
    Andreas Neuser (an)
    Redakteur
    VG Betzdorf, Gebhardshain
    Tel 02741/9200-68
    E-Mail
    Daniel Weber (daw)
    Redakteur  
    VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
    Tel 02741/9200-67
    E-Mail
    Peter Seel (sel)
    Redakteur VG Kirchen
    Tel 02741/9200-65
    E-Mail
    Sonja Roos (sr)
    Redakteurin VG Hamm
    Tel 02681/9543-19
    E-Mail
    Beate Christ (bc)
    Reporterin VG Flammersfeld
    Tel 0170/2110166
    E-Mail
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Regio-Reporterin
    Sabrina Rödder

    Regio-Reporterin

    Sabrina Rödder

    Mail | 02681/954 317

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Dienstag

    15°C - 14°C
    Mittwoch

    13°C - 17°C
    Donnerstag

    13°C - 17°C
    Freitag

    10°C - 14°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach