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Alsdorf

Alsdorfer besorgt: Wo finde ich jetzt einen Arzt?

Andreas Neuser

Viele Bürger in Alsdorf sind in großer Sorge: Bald haben sie keinen Hausarzt mehr. Denn Dr. Wolfgang Schumacher, einziger Arzt im Ort mit seinen rund 1500 Einwohnern, verabschiedet sich Ende Juni in den Ruhestand. Einen Nachfolger oder Nachfolgerin für die Praxis gibt es nicht. Folge: Die Alsdorfer, bzw. die Patienten von Dr. Schumacher müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. Doch das ist schwierig. Viele Arztpraxen nehmen keine neuen Patienten mehr auf, berichten Schumacher und auch Alsdorfs Ortsbürgermeister Rudolf Staudt. Dr. Schumacher tut es „in der Seele weh, dass es keinen Nachfolger für die Praxis gibt und die Patienten ohne Arzt dastehen“.

34 Jahre lang war Schumacher in Alsdorf als Hausarzt tätig. Über ein Jahr lang habe er nach einem Nachfolger gesucht, auch über die Kassenärztliche Vereinigung (KV). „Ohne Erfolg“, erzählt er. Schließlich hat er den Antrag zur Rückgabe des Arztsitzes ausgefüllt. Ende Juni ist definitiv Schluss. „Im Oktober werde ich 70 Jahre alt“, verdeutlicht Schumacher.

Damals, vor 34 Jahren, war er zunächst mit in der Praxis von Dr. Engelbert Hehn tätig. Nachdem Hehn 1989 in den Ruhestand gegangen war, führte Schumacher die Praxis alleine weiter: „Ab da war ich Einzelkämpfer.“

Es sei schlimm, wenn er nun höre, wie Patienten als Bittsteller bei anderen Praxen anklopfen, um dort weiter als Patient behandelt zu werden: Das sei keine Kritik an den Kollegen. Er kennt deren Überlastungen und die bereits vorhandene Anzahl an Patienten. Und für die KV sei der Bereich hier sogar noch mit Ärzten überversorgt, merkt er an und kritisiert diese Sichtweise. „Die KV blickt einfach nicht nach vorne.“

In den kommenden Jahren werden mehrere Ärzte in der Region in den Ruhestand gehen. Da müsse jetzt gehandelt werden. Eigentlich hätte da vorausschauend bereits vor Jahren etwas passieren müssen. Was tun? Zum einen, so der Hausarzt, müssten die Zugangsvoraussetzungen für eine Medizinstudium geändert werden. Personen mit einem Einserschnitt auf dem Abiturzeugnis seien nicht unbedingt die besten Ärzte. Hier müssten auch andere Zugangsvoraussetzungen gelten. So zum Beispiel die soziale Kompetenz der Bewerber.

Aber mit Blick auf den aktuellen und bald noch stärker anstehenden Ärztemangel bringt ein junger Mensch aus der Region, der jetzt sagt, dass er Medizin studieren und später hier tätig werden will, in den kommenden Jahren erst einmal keine Entlastung. Das Studium dauert sechs Jahre, die Weiterbildung, um als Hausarzt tätig zu werden, dauert noch einmal sechs Jahre. Und in den vergangenen Jahren seien die Medizinstudienplätze von 14.000 auf 10.000 Plätze abgebaut worden. Auch das sei ein Teil des Problems.

Alsdorfs Ortsbürgermeister Rudolf Staudt hatte sich über ein Internetportal um eine Nachfolge für die Arztpraxis bemüht. „Da gab es innerhalb eines Jahres noch nicht einmal eine Nachfrage“, bedauert er. Für den Ort sei nun wegen fehlender Arztpraxis ein Vorteil weg. Ebenso sei die Situation für die Patienten schwierig, wie er immer wieder hört. Für Betzdorfs Bürgermeister Bernd Brato trägt vor allem die KV Mitschuld an der Ärztemisere.

Auf Ebene der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain sind für den 23. Mai alle Ärzte (über 50 Personen) zu einem Treffen eingeladen, um die Problematik der Ärzteversorgung einmal zu besprechen, so Michael Becher, Wirtschaftsförderer im Rathaus Betzdorf. Unter den Eingeladenen befinden sich 22 Allgemeinmediziner. Becher nennt eine Zahl zur Versorgung: Ein Ausschuss auf Bundesebene legt fest, dass ein Hausarzt pro 1671 Menschen reicht. In der VG liegt der Schnitt bei 1181 Einwohnern pro Hausarzt.

Von unserem Redakteur Andreas Neuser

Altenkirchen Betzdorf
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