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    Abschied Wulff: Polizei nimmt Elkenrother Vuvuzela ab

    Wer die Übertragung des Großen Zapfenstreichs für Christian Wulff gesehen hat, hat auch die Vuvuzelas gehört. Cihan Boz hat man in Berlin nicht tröten hören – die Polizei hat 22 Vuvuzelas kassiert, darunter auch die des jungen Mannes, der von 1999 bis 2009 in Elkenroth wohnte, danach in Koblenz und seit einem Jahr in der Bundeshauptstadt lebt. „Sicherstellung Gefahrenabwehr“ steht auf der Bescheinigung der Behörde. Am Freitag erklärte die Polizei, man habe die Störung der Veranstaltung unterbinden wollen.

    Kreis Altenkirchen – Wer die Übertragung des Großen Zapfenstreichs für Christian Wulff gesehen hat, hat auch die Vuvuzelas gehört. Cihan Boz hat man in Berlin nicht tröten hören – die Polizei hat 22 Vuvuzelas kassiert, darunter auch die des jungen Mannes, der von 1999 bis 2009 in Elkenroth wohnte, danach in Koblenz und seit einem Jahr in der Bundeshauptstadt lebt. „Sicherstellung Gefahrenabwehr“ steht auf der Bescheinigung der Behörde. Am Freitag erklärte die Polizei, man habe die Störung der Veranstaltung unterbinden wollen.

     


    „Mein Finger zum Pfeifen konnten sie mir nicht nehmen“, sagt Boz. Nach rund 45 Minuten im Einsatzwagen der Polizei durfte der 26-Jährige wieder gegen den Zapfenstreich für Christian Wulff protestieren. Allerdings ohne seine Vuvuzela. Die hatte ihm die Polizei abgenommen.
    Boz ist Community-Manager bei einem Online-Shop und nicht der Typ, den man als „Krawallmacher“ bezeichnen würde. Wer ihn sieht, vermutet auch nicht, er könnte tröteschwingend zum Gewalttäter werden. „Das ist lächerlich.“ Er wollte einfach am Schloss Bellevue stehen – „stellvertretend für Tausende andere, die nicht hier sein können. Es geht darum, der politischen Elite zu zeigen, dass man nicht alles machen darf, was vielleicht rechtlich in Ordnung ist.“
    Es war die dritte Demo des 26-Jährigen. Er war auch für „Freiheit statt Angst“ auf die Straße gegangen und hatte Guttenberg den Schuh gezeigt. Also stand er auf der Wiese am Teehaus neben dem Park von Schloss Bellevue bereit, um Wulff mit der von einem Freund geliehenen Vuvuzela den Marsch zu blasen. Es waren noch 20 Minuten bis zum Beginn des Festakts, da musste er bereits das Feld räumen – oder die Vuvuzela rausrücken. Cihan Boz entschied sich für den Platzverweis und ging mit anderen Demonstranten zur anderen Spreeseite – begleitet von Polizisten. Dort angekommen, war es dann aber endgültig mit dem Tröten-Protest vorbei: „Die Polizei erklärte, sie werde die Vuvuzelas sicherstellen – ohne eine wirkliche Begründung dafür zu liefern.“
    Seinen Ausweis musste er abgeben, wurde dann mit drei anderen Vuvuzela-Spielern in einen Einsatzwagen gebeten. Alle Vorhänge geschlossen, 45 Minuten warten. Warten darauf, dass eine Beamtin mit einem Blatt Papier kommt, dem ausgefüllten Sicherstellungsbericht. Boz unterschreibt, legt nicht einmal Widerspruch ein: „Ich wollte nur endlich wieder raus und pfeifen.“ Er hat später im Bett selbst ein Pfeifen in den Ohren – „das Getrillere war ja genau so laut. Das macht die Sicherstellung der Vuvuzelas noch lächerlicher.“ Als er aus dem Wagen steigt, ist die Stimmung gereizt: Die Polizei zieht jetzt die Vuvuzela-Spieler aus der Menge, die weniger kooperativ waren. Später ist Cihan Boz auch in den ARD-Tagesthemen zu sehen. Aber noch während der Zapfenstreich läuft, meldet die ARD die Sicherstellung von Vuvuzelas – und die Verwunderung darüber setzt ein: Erste Forderungen an die Piratenpartei werden im Internet getwittert: Die Berliner Fraktion soll an den Berliner Innensenator eine Anfrage richten. Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen und Bürgerrechtsaktivist, nannte die Beschlagnahmung von Vuvuzelas „absurd“.
    Die Erklärung lieferte die Polizei in einer Pressemitteilung – und geht auf Gefahrenabwehr nicht mehr ein: „Um die andauernde akustische Störung der Festveranstaltung zu unterbinden, wurde von den Polizeibeamten ein Teil der Lärminstrumente sichergestellt“, heißt es. Fünf Personen seien vorübergehend von der Polizei festgenommen und 22 Vuvuzelas sowie andere Lärmutensilien sichergestellt worden. Gegen fünf Störer, die sich gegen die polizeilichen Maßnahmen wehrten, seien Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte und Körperverletzung eingeleitet worden. Tröten-Besitzer konnten ihre Musikinstrumente am Freitag von 7 Uhr an wieder abholen. Die von Cihan Boz wird die Polizei vernichten können. „Deshalb fahre ich da jetzt nicht hin.“
    Während der Fußball-WM waren Vuvuzelas bei vielen Public-Viewing-Veranstaltungen verboten worden: Das hatte etwa auch der damalige NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) empfohlen – gegen eine Benutzung in Menschenmengen spreche die „Gehörgefährdung für andere Besucher und das mögliche Übertönen von Notfalldurchsagen“. Notdurchsagen wurden am Donnerstagabend nicht übertönt ... Lars Wienand

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