40.000
Aus unserem Archiv
Kreis Altenkirchen

Ärztenot im ländlichen Raum: Gibt es bald mehr Studienplätze?

Die Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen, um der drohenden Ärztenot vor allem im ländlichen Raum entgegenzuwirken, hat sich wie ein roter Faden durch unsere Gesundheitsserie „Praxis AK-Land“ gezogen. Viele Experten, die wir haben zu Wort kommen lassen, haben den Ball dabei Richtung Mainz gespielt. Doch ist man seitens der Landesregierung wirklich willens, die Weichen in diese Richtung zu stellen? Der heimische CDU-Abgeordnete Peter Enders jedenfalls sieht positive Signale. „Man will sich bewegen“, gibt sich der Mediziner im Gespräch mit unserer Zeitung optimistisch.

Eine medizinische Vorlesung im Hörsaal einer Universität: Für den heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Peter Enders, selbst von Haus aus Mediziner, braucht Rheinland-Pfalz dringender ein größeres Angebot an Studienplätzen als ein Rezept gegen die drohende Ärztenot auf dem Land.  Symbolfoto: dpa
Eine medizinische Vorlesung im Hörsaal einer Universität: Für den heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Peter Enders, selbst von Haus aus Mediziner, braucht Rheinland-Pfalz dringender ein größeres Angebot an Studienplätzen als ein Rezept gegen die drohende Ärztenot auf dem Land. Symbol
Foto: dpa

Was Enders zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass das Thema Medizinstudienplätze in der Landtagssitzung vom 25. Januar sachlich und ohne parteipolitische Auseinandersetzung debattiert worden sei. „Ich glaube, auch die Landesregierung räumt mittlerweile ein, dass wir in Rheinland-Pfalz mehr Studienplätze für Humanmedizin brauchen“, so seine Einschätzung. Der CDU-Politiker verweist auf die Entwicklung in anderen Bundesländern: So seien in Nordrhein-Westfalen Fakultäten in Siegen und Bielefeld geplant, die Privatuniversität in Witten/Herdecke solle gestärkt werden. Der SPD-Parteitag in Niedersachsen habe beschlossen, bis zu 200 neue Studienplätze für eine bessere Versorgung auf dem Land zu schaffen. „Es ist fünf vor zwölf – uns läuft die Zeit weg“, drängt Peter Enders auf eine zeitnahe Lösung.

Da ein Aufstocken der Studienplätze aber frühestens im Doppelhaushalt 2019/2020 finanziell verankert werden kann, hält der Christdemokrat eine praktische Umsetzung eines solchen Schrittes frühestens ab dem Wintersemester 2019 für möglich. „Wenn man bedenkt, dass sich einem sechsjährigen Studium noch eine fünfjährige Facharztausbildung anschließt, kann man sich leicht ausmalen, wann eine solche Maßnahme greifen wird“, rechnet Enders vor. Dennoch sieht er keine Alternative, hofft darauf, dass das für die Zahl der Studienplätze zuständige Wissenschaftsministerium den Weg mit einschlägt. „Es geht um 10 Prozent mehr Plätze“, macht sich Enders eine Forderung der Ärztekammern aus Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland zu eigen. „Das ist eine Quote, die finanzierbar ist – auch wenn dadurch nicht alle Probleme gelöst werden können“, ist sich der Landtagsabgeordnete sicher.

Einen Grund dafür sieht er auch in einem Mentalitätswandel. „Viele Frauen wollen Familie und Beruf vereinbaren, und auch männliche Ärzte sind nicht mehr selbstverständlich dazu bereit, bis zu 80 Stunden in der Woche zu arbeiten“, argumentiert der CDU-Mann mit dem, was man neudeutsch als „Work-Life-Balance“ bezeichnet. Das heißt für ihn: Zwei frei werdende Arztstellen müssen künftig von drei Ärzten besetzt werden, um die medizinische Versorgung in einer Region auf gleichem personellen Niveau zu halten. Auch wenn Enders in der Schaffung neuer Studienplätze den Schlüssel dafür sieht, den ländlichen Raum nicht zum medizinischen Notstandsgebiet verkommen zu lassen, hält er doch auch noch begleitende Maßnahmen für unverzichtbar. So macht er sich etwa für Stipendien stark, die daran geknüpft sein könnten, dass sich Medizinstudenten später jenseits der Ballungszentren niederlassen. „Im Masterplan 2020 ist zwar eine Landarztquote verankert, allerdings nur fakultativ“, so Enders, der ein für ihn positives Beispiel anführt: „Die Bundeswehr hat es erfolgreich vorgemacht, wie ein solcher Schritt aussehen könnte und wie man Ärzte bindet.“

Ein wichtiger Punkt ist für den Christdemokraten auch noch eine stärkere Regionalisierung der Ausbildung. So begrüßt er Bemühungen an den Krankenhausstandorten Koblenz und Trier, klinische Studienkapazitäten zu schaffen. Heißt: Der nach dem Physikum (4. Semester) vorgesehene klinische Studienabschnitt könnte so nicht nur an den Universitätskliniken erfolgen, sondern breiter gestreut auch in Krankenhäusern mit habilitierten Ärzten. Doch auch die Kommunen vor Ort können seiner Meinung nach etwas tun, um medizinischen Nachwuchs nicht ziehen zu lassen. „Die Bürgermeister kennen doch die Medizinstudenten aus ihrer Gemeinde. Hier ist es wichtig, gemeinsam ins Gespräch zu kommen und Wertschätzung zu vermitteln“, verspricht sich Enders eine gesteigerte Motivation für die angehenden Mediziner, der Heimat beruflich vielleicht doch nicht den Rücken zu kehren.

Von unserem Redaktionsleiter Markus Kratzer

Altenkirchen Betzdorf
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Markus Kratzer (kra)
Redaktionsleiter
Tel 02681/9543-21
E-Mail
Volker Held (vh)
stv. Redaktionsleiter
VG Altenkirchen
Tel 02681/9543-33
E-Mail
Elmar Hering (elm)
Redakteur
VG Wissen & Hamm
Tel 02681/9543-13
E-Mail
Andreas Neuser (an)
Redakteur
VG Betzdorf, Gebhardshain
Tel 02741/9200-68
E-Mail
Daniel Weber (daw)
Redakteur  
VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
Tel 02741/9200-67
E-Mail
Peter Seel (sel)
Redakteur VG Kirchen
Tel 02741/9200-65
E-Mail
Sonja Roos (sr)
Redakteurin VG Hamm
Tel 02681/9543-19
E-Mail
Beate Christ (bc)
Reporterin VG Flammersfeld
Tel 0170/2110166
E-Mail
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Donnerstag

14°C - 23°C
Freitag

13°C - 26°C
Samstag

13°C - 29°C
Sonntag

14°C - 28°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach