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Friesenhagen

50. Erntedankumzug: Friesenhagen begeistert mit Jubiläumsfest

Holger Backhaus

Fast könnte man meinen, die Einwohner des Wildenburger Landes hätten einen ganz besonderen Draht zu ihrem lieben „Wettergott“. Während es in den vergangenen Tagen immer wieder kräftig regnete, so lugte pünktlich am Sonntagnachmittag zum Beginn des großen Jubiläumserntedankfestumzuges in Friesenhagen mehr und mehr die Sonne zwischen den Wolken hervor – und sorgte vielleicht sogar für einen neuen Besucherrekord.

Und das hatten sich die etwa 1600 Einwohner der nördlichsten Ortsgemeinde von Rheinland-Pfalz auch wahrlich verdient. Schon seit Tagen, ja Wochen war vom Enkel bis zur Urgroßmutter wieder alles auf den Beinen, um zum Gelingen des 50. Erntedankumzuges in Folge beizutragen, der sich seit dem Jahr 1968 ohne Unterbrechung alljährlich seinen Weg durch die Straßen von Friesenhagen bahnt. Bis zuletzt wurde hier und da gehämmert, gewerkelt und gesägt, bis schließlich die entstandenen Motivwagen noch bis ins kleinste Detail hinein – oftmals liebevoll mit Blumen geschmückt – beim Erntedank zum Einsatz kamen.

Allein die Zugaufstellung umfasste fast 60 Programmpunkte, gebildet von einigen Hundert Teilnehmern aus Fuß- und Reitergruppen, originellen Motivwagen und diversen Musikkapellen wie etwa dem Regimentsbläsercorps Neuss – Reuschenberg, der Concordia Friesenhagen, der Wöllmischen Musikanten, Klangwerk Morsbach, dem Spielmannszug Wenden, dem Musikverein Holpe oder aber dem Musikverein Lichtenberg der in diesem Jahr das Platzkonzert auf dem Festplatz gestaltete.

„Will der Bauer Getreide mähen, muss er im Frühjahr auch ganz fleißig säen“. Das war das lustige Motto der DJK Freitagsgruppe. Die „Bäuerinnen“ hatten leckere Schnittchen mitgebracht und waren Samenkörner in die Besucher.
„Will der Bauer Getreide mähen, muss er im Frühjahr auch ganz fleißig säen“. Das war das lustige Motto der DJK Freitagsgruppe. Die „Bäuerinnen“ hatten leckere Schnittchen mitgebracht und waren Samenkörner in die Besucher.
Foto: Markus Döring

Am Anfang des Festzuges durfte traditionell der prächtige Erntewagen bewundert werden, der diesmal von der Wildenburger Landjugend gestaltet wurde. Dazu gesellten sich die „Wasserstollen & Friends“ die schön verkleidet das Wappen des Wildenburger Landes am Körper sowie einer Erntekrone auf ihren Köpfen trugen. Dass auch in früheren Zeiten schon zwischen Arm und Reich unterschieden wurde, demonstrierte die Gruppe vom Bürgerverein Steeg, und ein paar „Alte Musiker“ erinnerten an frühere Festzelt-Zeiten.

Immer wieder werden aber auch gerne regionale Schwerpunkte von den Zugteilnehmern angeschnitten, die zum Teil für „Zündstoff“ sorgen oder zumindest nachdenklich stimmen. So griffen Kindergarten und Grundschule das Thema „Die Schule bleibt im Ort – für Nachwuchs ist gesorgt“ auf und die Reitergruppe Gösingen machte sich für den „Erhalt des Gösinger Weihers“ stark, da seit einiger Zeit von einer Renaturierung die Rede ist.

57 Zugnummern präsentierten sich den Besuchern des 50. Umzuges in Friesenhagen.

Von einer guten Korn- und Weizenernte berichtete die Landjugend Hilchenbach, und die Einwohner von Kuchenwald sorgten frühzeitig für das passende „Brennholz“ im kommenden Winter. Die Gruppe „Mausbach“ backte ihr Brot im alten Dorfbackes, und der Hof Erlenbruch verdeutlichte, wie aufwendig man in einer Gerberei Tierhäute zu Leder verarbeitet. Die Wohn- und Pflegeeinrichtung „Haus St. Klara“ Friesenhagen ließ die Gartenarbeit von ihren „Nonnen“ verrichten, und Pfarrer „Kneipp“ vom Hof Busenhagen erinnerte an einige Heilmittel, die es auch schon anno dazumal gab.

Einen „turbulenten Bereitschaftstag“ bei der Feuerwehr erlebten die Löschknechte Engelshäuschen und konnten dazu sicherlich auch gut die „Alte Spritze“ der Feuerwehrkameraden aus Angermund gebrauchen. Die „Dedemejer Makolwesjer“ aus Diedenberg machten auf den jüngsten „Eierskandal“ in den Supermärkten aufmerksam und genossen ihr leckeres Frühstücksei vom freilaufenden Huhn auf dem Land: „Mit verseuchten Eiern haben wir nichts zu tun, bei uns kommt alles vom glücklichen Huhn“, war auf ihrer Wagenaufschrift zu lesen.

Die historische Feuerwehr Angermund brachte ihre Löschspritze mit zum Jubiläumszug. Die Floriansjünger hatten sichtlich Spaß.
Die historische Feuerwehr Angermund brachte ihre Löschspritze mit zum Jubiläumszug. Die Floriansjünger hatten sichtlich Spaß.
Foto: Markus Döring

Erschien der Ideenreichtum der Friesenhagener Einwohner schon in den vergangenen Jahren aufgrund seiner Vielfältigkeit kaum noch zu toppen, so nahmen die breit gefächerten Themen zum Jubiläumsumzug kaum noch ein Ende. Die Gruppe Würfel waren als Shopping Queen unterwegs, und die Erntejugend Schmallenbach begab sich in den Zirkus. Wie ein Urlaub im Wildenburger Land ablaufen kann, zeigte die Straße aus Steegerhütte, und die „Jupiler“ führten einen Bändertanz auf, wie er in früheren Zeiten zum Brauchtum gehörte. „Bis 1960 holte man am ersten Sonntag im Mai auf der Wöllmich den Kuckuck herbei“, meinten die „Wöllmichen Kuckucks“ aus dem Ortsteil Wöllenbach und erinnerten an eine Zeit, als dort noch in einer ehemaligen Wirtschaft in den Mai hineingetanzt wurde. Die Dorfkinder aus Friesenhagen hatten originalgetreu den Bahnhof Wildenburg auf einem Motivwagen nachgebaut: „75 Jahre lang hielt der Zug in Wildenburg an. Heute geben wir bekannt, nächster Halt, Friesenhagen Erntedank!“ Die Erntegemeinschaft Sommerhof begab sich von ihrem Forsthaus auf den Hochsitz zur Pirsch: „Steht der Abzug richtig trocken, haut’s die Wildsau aus den Socken“.

Die Steeger Maijugend befand sich auf der Walz, und der Schulbezirk Neuhöhe demonstrierte mit Friesenhagens langjährigem ehemaligen Ortsbürgermeister Hermann Mockenhaupt an Bord, das Dreschen mit „Spitz-“ und „Fähmühle“. Am Schluss des langen Festzuges schickte die DJK Friesenhagen ihren „50 Jahre alten Weinstand“ auf die letzte Reise: „50 Jahr, der Weinstand war uns allen lieb und teuer – seht ihn noch mal zur Abschiedstour, im Dorf steht schon ein neuer!“

Von Holger Backhaus (Text) und Markus Döring (Fotos)

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