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Der kleine David aus Mülheim-Kärlich braucht Hilfe

Mülheim-Kärlich – Es war einen Tag nach Davids erstem Geburtstag. Niemand aus der Familie wird diesen Tag jemals vergessen. Der Junge spielt in seinem Laufstall, während seine Oma im Bad einen Waschlappen holt, um David den Mund abzuwischen. Eine Minute nur. Oder eine halbe. Wie auch immer schafft der Kleine es in dieser Zeit, eine drei Zentimeter lange Schraube aus dem Gestänge herauszufriemeln. Und er steckt sie sich in den Mund. Jetzt braucht David Hilfe. HELFT UNS LEBEN, die Hilfsaktion unserer Zeitung, unterstützt seine Familie.

Mülheim-Kärlich – Es war einen Tag nach Davids erstem Geburtstag. Niemand aus der Familie wird diesen Tag jemals vergessen. Der Junge spielt in seinem Laufstall, während seine Oma im Bad einen Waschlappen holt, um David den Mund abzuwischen. Eine Minute nur. Oder eine halbe. Wie auch immer schafft der Kleine es in dieser Zeit, eine drei Zentimeter lange Schraube aus dem Gestänge herauszufriemeln. Und er steckt sie sich in den Mund.

Bis der Rettungswagen und der Hubschrauber da sind, vergehen wertvolle Minuten. Zu viel Zeit, obwohl alle alles Menschenmögliche tun. David ist zu lange ohne Sauerstoff. Sein Gehirn wird nachhaltig geschädigt. Mehrmals bleibt sein Herz stehen. Aber er lebt. "Der Kleine ist ein Kämpfer", sagen die Ärzte.

Und nicht nur der Kleine: Auch das ganze Umfeld kämpft. "Wir sind zu einer großen Familie zusammengewachsen", sagt Davids "Omi" Marion Höhler-Kraus. Es ist eine Patchworkfamilie, in der David schon zuvor gelebt hat. Sein leiblicher Opa Jürgen Höhler ist in zweiter Ehe verheiratet, ebenso wie seine leibliche Oma. Beide Paare kümmern sich um den Enkel, dessen Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, ihn allein zu versorgen. Der knapp Zweijährige lebt bei Marion und Jürgen Höhler. Zweimal in der Woche übernachtet er bei seinen anderen Großeltern Monika und Holger Ansel, die ihn in dieser Zeit so richtig verwöhnen. Die beiden Omas haben ihn auch wochenweise abwechselnd in den Kliniken betreut. "Das ist unfassbar, was man da an Leid sieht", sagt Jürgen Höhler nachdenklich.

In insgesamt fünf Kliniken hat David nach dem Unfall acht Monate seines noch kurzen Lebens verbracht. Der hübsche dunkelhaarige Junge hat große Schmerzen, spastische Krämpfe quälen ihn. Die Ärzte wissen nicht weiter. Die einzige Lösung scheint eine Medikamentenpumpe zu sein, die unter der Bauchdecke implantiert wird und kontinuierlich Schmerzmittel abgibt. Aber eine solche Operation ist bisher nur bei Erwachsenen gemacht worden, nicht bei einem so kleinen Kind. Doch die Ärzte in einer bayerischen Klinik wagen es. Die handtellergroße Pumpe unter Davids Bauchhaut ist auch heute noch deutlich zu sehen. Aber sie ermöglicht ihm, ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Die Krampfanfälle werden etwas weniger.

Seit gut sechs Wochen nun ist David zu Hause bei seinen Großeltern in Mülheim-Kärlich. Im liebevoll eingerichteten Kinderzimmer steht das Pflegebett. Nachts muss der Kleine ein Korsett tragen, damit sich sein Körper durch die Spasmen nicht noch schlimmer verformt, außerdem Bein- und Armschienen. Außer an den Wochenenden wird die Familie vom Pflegedienst unterstützt, der von abends 21 bis morgens 7 Uhr und von 7 bis 13.30 Uhr da ist, bis die "Omi" von der Arbeit kommt. Die Frauen und Männer vom Stiftmobil gehören schon fast zur Familie, ohne sie ginge es gar nicht, sagen Marion und Jürgen Höhler unisono. "Sie sind unsere Engel. Denn der Junge muss nachts umgelagert werden, Flüssigkeit muss sondiert werden. Er wird oft wach und schreit."

Und schon so einfache Vorgänge wie Füttern dauern Stunden: David wird über eine Sonde ernährt. Die Nahrung darf ihm nicht zu schnell eingespritzt werden, sonst bricht er. "Ich habe eben zwei Stunden gebraucht", sagt Marion Höhler achselzuckend. "So ist es eben."

Für die Familie hat sich alles verändert. Oft ist sie am Rande ihrer Kräfte. Aber David in ein Heim zu geben, wie es viele Ärzte geraten haben, das kommt für sie absolut nicht infrage. "Unser Sonnenschein", sagt Marion Höhler. Beruhigend streichelt sie ihn, als Ergotherapeut Dirk Janzen den Jungen in seinem Stehgerät festschnallt. Das ist wichtig, damit die Muskulatur angeregt wird. Nach einer Weile aber hat David genug: Unwillig verzieht er das Gesicht. Dann weint er. "Ich weiß, das muss man machen, das ist wichtig", sagt sein Opa. "Aber ich kann das ganz schlecht aushalten. Er hat schon so viel gelitten in seinem kurzen Leben!"

Er schaukelt den Jungen sanft. Und der guckt ihn ruhig an, als wolle er fragen: Was ist denn los? Dabei wissen die Ärzte nicht einmal genau, ob David überhaupt etwas sieht. Laufen, sprechen, essen wird er wohl nie können. Dabei hatte er damals gerade angefangen, ein paar Schritte zu machen und ein bisschen zu brabbeln, als es passierte. Damals, einen Tag nach seinem ersten Geburtstag, als sich alles veränderte.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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