40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Waldbestattungen haben sich in Rheinland-Pfalz etabliert

dpa/lrs

Ein Toter muss nicht auf dem Friedhof bestattet werden. Wer will, der kann seine gestorbenen Angehörigen auch in der freien Natur beerdigen lassen. Bei einer Waldbestattung wird die biologisch abbaubare Urne mit der Asche des Verstorbenen an einem Baum oder Strauch im Wald vergraben – die Betreiber garantieren meist den Bestand des Waldes für 99 Jahre. Das Unternehmen «Friedwald» bietet zwei Wälder in Rheinland-Pfalz an, der Betreiber «Ruheforst» acht, wie eine dpa-Umfrage ergab. Ein Schild mit dem Namen des Toten kann zwar am Baum angebracht werden. Grabpflege dagegen ist nicht nötig, Grabschmuck wie Blumen oder Lichter sogar nicht erlaubt.

Hinweisschild zu einem «FriedWald».
Hinweisschild zu einem «FriedWald».
Foto: Marc Tirl/Archiv – DPA

«Für mich ist ein Friedwald oder ein Ruheforst ein Friedhof wie jeder andere», sagt der Vorsitzende des Bestatterverbands Rheinland-Pfalz, Detlef Rech. Wo die Bestattung stattfinde, sei eine Entscheidung der Angehörigen. «Jeder Friedhof hat einen Träger – ob das eine Kommune, eine Kirche oder ein Betreiber von Waldbestattungen ist, spielt für uns keine Rolle.» Im Beratungsgespräch weise er seine Kunden aber darauf hin, dass ein Grab im Wald gerade für ältere Angehörige nicht immer so einfach zu erreichen sei wie der städtische Friedhof. «Die Wege sind viel komplizierter.»

Die evangelische Kirche habe sich inzwischen mit den Waldbestattungen arrangiert, erklärt der Propst von Rheinhessen, Klaus-Volker Schütz. In den Anfangszeiten sei der Widerstand jedoch groß gewesen. «Die Wälder lagen weit weg von den Angehörigen und auch eine Kennzeichnung des Grabes mit dem Namen des Verstorbenen oder einem christlichen Symbol war nicht möglich», sagt Schütz. «Wir wollen die Toten nicht auslagern und Trauer nicht privatisieren.» Waldbestattungen seien eine clevere Geschäftsidee, mit denen die Betreiber viel Geld verdienen könnten. Heute verstehe die Kirche das Konzept jedoch besser. Auch ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen oder einem Bibelvers sei inzwischen möglich.

Grundsätzlich habe die Kirche Vorbehalte gegen gänzlich anonyme Bestattungsformen, erklärt der Sprecher des Bistums Mainz, Tobias Blum. «Die Bestattung ist nicht nur ein Abschiedsritual vom Verstorbenen, sondern eben auch ein Übergangsritual für die Hinterbliebenen.» Deswegen sei ein namentliches Grab als persönlicher Ort der Erinnerung eine wichtige Hilfe für Hinterbliebene.

Die Kirche stelle sich in jedem Fall – um der Menschen willen – dem Wandel in der Bestattungskultur, ohne jedoch das eigene Profil ihrer Bestattungs- und Trauerkultur zu verleugnen, sagte Blum. Sofern eine Urnenbestattung im Wald nicht aus Gründen gewählt werde, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, sei aus seelsorglichen Gründen ein kirchliches Begräbnis auch in einem solchen Fall möglich. Das gehe aus einem Text der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2005 hervor. Im Bistum Mainz gebe es keine eigenen diözesanen Richtlinien zu dieser Frage. Die konkrete Entscheidung trifft daher der angefragte Pfarrer.

Im Ruheforst Rheinhessen-Nahe bei BINGEN sind drei Jahre nach der Eröffnung rund die Hälfte der 7000 Urnenplätze vergeben, es gab bislang fast 350 Bestattungen. «Vielen gefällt die Atmosphäre in unserem Wald besser als auf einem Friedhof», erklärt Sprecherin Simone Naujack. Jeweils zwölf Urnen gruppierten sich um einen Baum. «Wir wählen nur die gesündesten Bäume aus, schließlich garantieren wir einen Platz für 99 Jahre», sagt Naujack. Der Platz an einem Gemeinschaftsbaum kostet ab 600 Euro. Wer einen kompletten Familienbaum mit allen zwölf Urnenplätzen möchte, zahlt ab 3400 Euro.

Der Betreiber «Friedwald» (Griesheim/Hessen) spricht ebenfalls von einer großen Nachfrage nach Bestattungen im Wald – Tendenz steigend. 47 Standorte bundesweit gehören zum Unternehmen, das 2001 im Reinhardswald bei Kassel seinen ersten Bestattungswald eröffnet hat, wie die Pressesprecherin der Friedwald GmbH, Corinna Brod, erzählt. Im 2008 eingeweihten Friedwald im pfälzischen DUDENHOFEN sind fast 950 Menschen beerdigt, in KIRCHHEIMBOLANDEN gab es seit der Eröffnung 2010 rund 300 Bestattungen.

Warum sich Menschen für eine Waldbestattung entscheiden? Die Gründe seien unterschiedlich, sagt Brod. Einige wollen ihren Angehörigen die Grabpflege ersparen, bei anderen spiele die Naturverbundenheit eine Rolle oder sie fänden den Wald als Ort der Trauer schöner als einen Friedhof. Wichtig sei es, dass Menschen diese Entscheidung gründlich überdenken und mit den Angehörigen sprechen, rät Brog. «Es kommt immer wieder vor, dass die Familie erst nach dem Tod überraschend mit diesem Wunsch des Verstorbenen konfrontiert werden».

Rechtlich dürfen Privatunternehmen in Deutschland nicht Träger eines Friedhofs sein – dies ist laut Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Kommunen, öffentlichen Einrichtungen sowie Kirchen und religiösen Gemeinden vorbehalten. Daher kooperieren Unternehmen meist mit den Kommunen, die in der Regel finanziell von der Zusammenarbeit profitieren.

Auch der Ruheforst Südpfälzer Bergland, der von der Gemeinde WILGARTSWIESEN betrieben wird, ist gefragt. Der Wald sei seit sechs Jahren in Betrieb und die Akzeptanz und Nachfrage steige stetig, sagt der Leiter, Förster Bernhard Klein. Ruheforste würden inzwischen als würdevolle Alternative zur klassischen Beisetzung auf einem Friedhof betrachtet. Viele Menschen schätzten die ruhige und erholsame Atmosphäre.

Finanzielle Aspekte spielten ebenfalls eine Rolle, sagt Klein. Anders als bei der Beisetzung auf einem Friedhof gebe es keine Folgekosten – weder für die Grabpflege, noch für einen Grabstein. Auch der demografische Wandel mache sich bemerkbar: Viele ältere Menschen treibe die Sorge um, wer sich später um ihr Grab kümmern werde. In einem Ruheforst sei dies nicht nötig.

Durch die lange Laufzeit für ein Grab von 99 Jahren werde eine große Fläche benötigt, sagte Klein. Der Standort in Wilgartswiesen umfasse 37 Hektar, davon würden derzeit 7,7 Hektar aktiv genutzt. An 600 ausgewählten Ruhebiotopen, vor allem Bäumen, gebe es jeweils zwölf Grabplätze. Rund die Hälfte davon sei belegt. In drei Jahren werde die derzeit genutzte Fläche voraussichtlich voll sein. Ein Einzelplatz kostet 520 Euro, ein Familienbiotop 3000 Euro.

Friedwald Gmbh

RuheForst Gmbh

Ruheforst Wilgartswiesen

dpa-Landesdienst
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Dienstag

19°C - 31°C
Mittwoch

17°C - 31°C
Donnerstag

16°C - 30°C
Freitag

11°C - 21°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!