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    Preußen und Hochzeiten: Die Burg Rheinstein

    Trechtingshausen (dpa/lrs) – «Tiroler Tenor kauft Burg Rheinstein zum Discountpreis» lautet 1975 eine der vielen Schlagzeilen über die Mittelrheinburg. Bis der Opernsänger Hermann Hecher das romantische Gemäuer nahe Bingen vor rund 35 Jahren übernahm, gab es eine Menge Wirbel. Land und Kreis unterstützen Hecher schließlich kräftig beim Kauf, damit Rheinstein nicht in die Hände von Hare-Krishna-Jüngern fällt. Die turbulente Vergangenheit ist inzwischen nur noch Thema in den zahlreichen Zeitungsartikeln, die auf der Prinzenetage im Flur hängen. Burgherren sind inzwischen Sohn und Enkel des Käufers, Marcus und Marco Hecher.

    Burgherr Markus Hecher auf Burg Rheinstein
    Nach der Restauration wird die Burg nun an Gäste vermietet. (Archiv)
    Foto: DPA

    Die ehemalige mittelalterliche Zollburg war in der Romantik 1823 als erste Burg im oberen Mittelrheintal von ihren Preußischen Besitzern wiederaufgebaut worden, erklärt der Landeskonservator Joachim Glatz in Mainz. «Quasi ein erstes Projekt der damaligen Denkmalpflege.» Die Preußen hätten darauf geachtet, den ursprünglichen Charakter der Burg zu bewahren und die Bausubstanz zu schonen. Andere Neubesitzer von Burgen im Rheintal nahmen damals weniger Rücksicht auf mittelalterliche Mauerreste.

    Rund 30 000 Besucher kommen inzwischen im Jahr auf die Burg Rheinstein, an einem Wochenendtag bis zu 400, berichtet Marcus Hecher. Etwa 490 Pärchen haben hier in den vergangenen 30 Jahren ihre Hochzeit gefeiert. Wer nicht den Abstecher vom Wanderweg hinter dem Anwesen nimmt, der muss vom Rheinufer aus die Kehren des 360 Meter langen Burgwegs herauflaufen. Eine Autozufahrt hat die Burg nicht – auch nicht für die Hechers. Lebensmittel können mit einer kleinen Schienenbahn den Hang heraufgezogen werden.

    Für Notfälle gibt es einen Mini-Traktor mit Anhänger, der den kurvigen Burgweg bewältigt. «Damit haben wir auch schon gehbehinderte Hochzeitsgäste zur Feier gefahren», sagt Marcus Hecher. Aber im Alltag, auf dem Schulweg oder zum abendlichen Kinobesuch muss die Familie den Weg hinab- und hinauflaufen – im Winter kann das eine ziemliche Rutschpartie werden.

    Seine Eltern haben dennoch bis zum Alter von 80 Jahren auf der Burg gelebt, erzählt Marcus Hecher. Seine Mutter wurde nach ihrem Tod in der Gruft unter der Burgkapelle begraben – neben drei Preußenprinzen. Sein Vater lebt inzwischen auf seinen Alterssitz in Österreich, besucht seine Burg aber regelmäßig.

    Als Hermann Hecher die Burg 1975 für 300 000 Mark von einer Preußenprinzessin übernahm, war das Anwesen heruntergewirtschaftet. Ein Betrüger habe die Vorbesitzerin getäuscht, wertvolle Möbel waren aus den Gemächern verschwunden. Einige hat Familie Hecher inzwischen wiedergefunden und zurückgekauft – unter anderem mit finanzieller Hilfe eines Fördervereins. «Das Eintrittsgeld von den Besuchern deckt lediglich die laufenden Kosten», berichtet Marcus Hecher.

    Bei größeren Arbeiten fließt auch Geld aus der Landesdenkmalpflege und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. So konnten inzwischen unter anderem die Illusionsmalereien in den Gemächern, Putzreste aus dem 14. Jahrhundert und eine wertvolle Sammlung von Buntfenstern renoviert werden.

    Damit der Familienbetrieb funktioniert, haben die Hechers die Bereiche abgesteckt: Vater Marcus kümmert sich ums Museum und die Historie, der 28 Jahre alte Hotelkaufmann Marco um die Gastronomie. 2010 hat in einem Anbau das Café und Restaurant «Der kleine Weinprinz» eröffnet. Nachmittags wird hier Kaffee und Kuchen serviert, im Sommer ist die Terrasse über dem burgeigenen Weinberg geöffnet – mit Blick übers Rheintal.

    Bei Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern ist Platz für bis zu 50 Gäste. Die können dann durch den Burgundergarten mit seiner 170 Jahre alten Rebe flanieren oder sich vor einem Plastikskelett im nachgestellten Verlies gruseln. Jüngstes Projekt der Hechers: Die Umgebung der Burg soll wieder zu einem wildromantischen Landschaftspark werden. Ganz nach dem Geschmack der Preußen.

    Burg Rheinstein

    Burgen im Mittelrheintal

    Landesdenkmalpflege

    dpa-Landesdienst
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