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Trier

«Mord-ohne-Leiche-Prozess»: Lebenslange Haft gefordert

Es gibt keine Leiche und keine Beweise: Trotzdem ist die Staatsanwaltschaft Trier von der Schuld eines 55-Jährigen überzeugt und fordert für ihn lebenslange Haft. Es habe sich bestätigt, dass der gebürtige Bonner im September 2007 seinen 69-jährigen Nachbarn in Oberlascheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) aus Hass und Habgier getötet habe, sagte Staatsanwalt Eric Samel am Donnerstag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht. Auch, wenn die Leiche des seit rund dreieinhalb Jahren vermissten Walter Klein nie gefunden wurde. Und auch, wenn es keine objektive Beweise für den Mord gebe.

Der Angeklagte hat von Anfang an alle Vorwürfe zurückgewiesen. Das Urteil soll an diesem Freitag gesprochen werden.

«Ich meine, die Spuren sind nicht unbedingt nötig, um dem Angeklagten die Tat nachzuweisen», sagte Samel. Es gebe stattdessen «eine lückenlose Indizienkette». Wie ein roter Faden ziehe sich ein unbändiger Hass auf den 69-Jährigen durch das Leben des 55-Jährigen. Der ältere Mann genoss lebenslanges Wohnrecht im Haus des Angeklagten – und seit 20 Jahren lagen die Wohnparteien im Streit. So hatte der 55-Jährige bereits 1988 auf seinen Nachbarn geschossen und war zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Im Jahr 2002 habe der Angeklagte einem eingemieteten Paar einen Mordauftrag erteilt, «um sich des ihm verhassten Walter Kleins zu entledigen», sagte Samel. 10 000 Euro habe er dafür geboten – die «Entsorgung» der Leiche habe er in Spanien selbst übernehmen wollen. Es gebe vier Zeugen, die den Vorwurf der versuchten Anstiftung zum Mord in dem viermonatigen Prozess bestätigt hätten. «Es gibt daran kein Zweifel.» Die Mieter hatten das Angebot aber abgelehnt und waren ausgezogen.

Als sich 2007 dann die Streitigkeiten erneut zuspitzen, «hat der Angeklagte die Gelegenheit genutzt, ein für alle Mal den verhassten Klein loszuwerden», sagte Samel. Wie dies geschah, sei unklar. Klar sei nach Zeugenaussagen aber, dass Klein sehr heimatverbunden gewesen sei – und das Anwesen nie freiwillig verlassen oder sein Wohnrecht aufgegeben hätte. Er sei zwar eigenartig, aber zuverlässig gewesen. Auch einen medizinischen Notfall schloss Samel aus.

Die ganze Geschichte sie «eine reine Erfindung», hatte der Angeklagte gesagt. Er habe den Rentner weder getötet noch einen Mordauftrag an Dritte vergeben. Er ging davon aus, dass sich sein Nachbar abgesetzt hat oder Opfer eines Unglücksfalls wurde. Die Verteidigung wollte daher auf Freispruch plädieren. «Es gibt überhaupt keine Beweise für die Vorwürfe», sagte Verteidiger Paul Greinert.

dpa-Landesdienst
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