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Oberrod

Ziegenglück mit einem Hauch Provence: Die kleine Fromagerie zwischen Nostalgie und Genuss

Sie heißen Emma, Theodora, Brunhilde, Lillibeth oder Justine. Diese wohlklingenden Namen gehören schneeweißen Ziegen, die im Westerwaldort Oberrod leben. In den kalten Februartagen dieses Jahres wurde in dem großen, wohltemperierten Ziegenstall eine Geburt nach der anderen gefeiert.

Die Gäste der kleinen Fromagerie können die Ziegen im Stall besuchen. Foto: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH
Die Gäste der kleinen Fromagerie können die Ziegen im Stall besuchen.
Foto: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

120 Muttertiere brachten 160 gesunde Lämmer auf die Welt. Für Claudia Schäfer-Trumm sind das Zeiten mit wenig Schlaf, aber auch die schönsten des Jahres. Sie kann nicht nur alle ihre Ziegen beim Namen nennen, sondern geht seit rund 18 Jahren mit ihnen durch dick und dünn. Damals gab es zunächst nur zwei Tiere: Anna und Paul. Dazu kamen viele Vorbehalte, die der Ziegenliebhaberin, die ihren eigenen Käse herstellen wollte, keine großen Erfolge vorhersagten. Im kalten Westerwald fühlten sich Ziegen im Allgemeinen nicht wohl.

Das urig eingerichtete Obergeschoss der kleinen Fromagerie. Foto: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH
Das urig eingerichtete Obergeschoss der kleinen Fromagerie.
Foto: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH

Doch es kam anders. Die Weiße Deutsche Edelziege kam gut mit dem Klima klar, und jedes Jahr wurden es mehr. Mittlerweile ist die kleine Fromagerie in Oberrod eine stattliche Ziegenfarm. Und sie hat französisches Flair. Das hängt mit einer weiteren Leidenschaft von Claudia Schäfer-Trumm für alles Mediterrane, Urige und der Provence zusammen. Dort wurde auch ihre Liebe zu den Ziegen und die Lust auf die Käseherstellung geweckt. In einem schönen Bruchsteinbau verkauft sie heute ihre selbst hergestellten Käsevariationen und bewirtet ihre Gäste im urig eingerichteten Obergeschoss bei der „Sinfonie der Sinne“ mit traditioneller Küche aus Frankreich und dem Westerwald. „Ich habe mir immer so ein Paradies der Köstlichkeiten gewünscht, wo Knoblauch und Würste von der Decke hängen“, schwärmt sie.

Seit Ende Februar ist die Käseproduktion in der kleinen Fromagerie wieder in vollem Gang. Zwischen Dezember und März genießen die Ziegen eine Ruhepause und werden nicht gemolken. Die Lämmer bleiben eine Woche lang bei ihren Müttern. Die weiblichen Nachkommen der Urmutter Anna, die 16 Jahre alt wurde, bleiben neben einigen weiteren auf jeden Fall in Oberrod. Die anderen werden lebend verkauft. „Ich habe schon 40 Maishähnchen für ein Essen geschlachtet, aber eine Ziege töten, das könnte ich nicht. Wer mir jahrelang zweimal täglich Milch liefert, kommt bei mir nicht in die Wurst. Nur, wer seine Tiere gut behandelt, bekommt auch Gutes zurück“, sagt Claudia Schäfer-Trumm. Ein bisschen anders verhält sich das bei den Zuchtböcken, die in absehbarer Zeit als leckere Salami von der Decke hängen. Gerade sind zwei stattliche Saane-Zuchtböcke aus der Schweiz in Oberrod eingetroffen. Die Rasse aus dem Saanertal im Berner Oberland gehört zu den erfolgreichsten Ziegenrassen der Welt, von der auch die Weiße Deutsche Edelziege abstammt. Neben einer sehr guten Milchleistung zeichnen sich die Ziegen durch ihre Kontaktfreude und Friedfertigkeit aus.

Zum ersten Mal in diesem Jahr können Besucher der kleinen Fromagerie die Ziegen nicht nur im Stall und auf der Weide besuchen, sondern auch mit ihnen rund um Oberrod, in die Wachholderheide, auf den Hausberg Knoten oder in Richtung Krombachtalsperre wandern und zwischendurch ein Picknick machen. Das ist Entschleunigung pur, denn es wird sicher keine flotte Wanderung, sondern eher eine Geduldsprobe, wenn die Ziegen auf dem Weg mal hier mal dort an Blättern, Gras und Blüten zupfen. Wenn der neue Ziegenstall fertig ist, wird es dort auch einen Platz fürs „Ziegenyoga“ geben. Dort kann man sich dann ins Heu legen oder setzen und mit den Ziegen „ins Gespräch kommen“.

Zweimal täglich werden die Ziegen gemolken. Das gibt rund 300 Liter Milch. Zehn Liter Ziegenmilch ergeben rund sieben bis acht Kilogramm Käse, der in der kleinen Fromagerie von Hand und in vielen Variationen hergestellt wird. Die Palette reicht von Frisch- und Weichkäse bis zum Camembert, den es als Rolle oder gefüllt mit Frischkäse oder mit Aprikosen und Mandeln, mit Lavendel, Rosmarin, Schnittlauch und Knoblauch oder mit geröstetem Sesam gibt. Ergänzt wird das Käseangebot aus dem eigenen Haus mit Delikatessen kleiner Manufakturen: Schokoküsse aus der Pfalz, Salzzitronen und Haselnusskuchen aus dem Piemont.

Bei einer zweistündigen Hofführung (ab zehn Personen) können die Besucher bei der anschließenden Verkostung einige Käsevariationen probieren. Freitags und samstags wird beim Sieben-Gänge-Menü „Sinfonie der Sinne“ (45 Euro) oder beim Fünf-Gänge-Menü „Traditionelle Küche“ mit Wanderung (50 Euro) aufgetischt. Die Termine für alle Veranstaltungen gibt es unter www.kleine-fromagerie.com. Die kleine Fromagerie hat täglich außer montags und sonntags von 10 bis 14 und von 16 bis 19 Uhr geöffnet.

Heidrun Braun

Informationen: Claudia Schäfer-Trumm, kleine Fromagerie, Obere Wiesenstraße 8, Oberrod, Tel. 02664/904 93, oder per E-Mail info@kleine-fromagerie.de

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