Archivierter Artikel vom 25.07.2021, 12:18 Uhr
Ruppach-Goldhausen

Zur Freude der Insekten: Neue Blühfläche in Ruppach-Goldhausen

In Ruppach-Goldhausen geschieht einiges, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Darauf weisen Ortsbürgermeister Klaus Henkes und der Erste Beigeordnete Achim Kunst in einer Pressemitteilung hin.

Begehung im Freizeitgelände Finkelkarst, wo Mitarbeiter des Bauhofs der Ortsgemeinde Ruppach-Goldhausen Saatgut des Imkervereins Hadamar-Dornburg ausgebracht haben.
Begehung im Freizeitgelände Finkelkarst, wo Mitarbeiter des Bauhofs der Ortsgemeinde Ruppach-Goldhausen Saatgut des Imkervereins Hadamar-Dornburg ausgebracht haben.
Foto: privat

„Nach der Obst- und Rapsblüte im Frühjahr ist vielerorts ab Anfang Juni nur noch wenig Nahrung für Insekten vorhanden“, verdeutlichen sie die schwierige Situation. „Allein die Insektenmenge ist verglichen mit Zählungen aus den 1970er-Jahren um 80 Prozent zurückgegangen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen sowie Wildkräutern, sondern unter anderem auch auf Vögel, die Insekten zur Aufzucht ihrer Brut benötigen. Bei der Veränderung der Kulturlandschaft und vielerorts sterilen Vorgärten ist das Anlegen von ein- und mehrjährigen Blühflächen und Blühstreifen eine von mehreren Möglichkeiten, die Situation für Blüten besuchende Insekten zu verbessern.“

Der Imkerverein Hadamar-Dornburg beschaffe seit 2017 jährlich Saatgut für fünf bis sieben Hektar Fläche, welches kostenlos oder gegen eine Spende abgegeben werde, berichten Henkes und Kunst weiter. Auch 2021 habe das Netzwerk Blühende Landschaft mit dem bundesweiten Projekt „BienenBlütenReich“ kostenlos ein- und mehrjähriges Saatgut zur Verfügung gestellt: „Unter anderem hat auch unser Imker vor Ort, Markus Noll, mehrjähriges Saatgut für 3000 Quadratmeter erhalten, das Mitarbeiter des Bauhofs der Ortsgemeinde Ruppach-Goldhausen auf öffentlichen Grünflächen, zum Beispiel im Freizeitgelände Finkelkarst, ausgebracht haben.“

Auf der dortigen Fläche blühen zeitlich versetzt rund 50 verschiedene Wild- und Kulturpflanzen, die von Anfang Juni bis in den Oktober hinein Nektar und Pollen liefern. Insbesondere die Menge und die Vielzahl der unbelasteten Pollen im August und September sind für die Aufzucht der Honigbienen, die die Bienenvölker über den Winter bringen, von entscheidender Bedeutung. Durch diesen zeitlichen Versatz der Blühperioden der einzelnen Pflanzen ändert sich das Aussehen der Blühfläche permanent. Zurzeit sticht das kräftige Blau der Kornblume hervor.

„Ein mehrfacher Besuch der Blühflächen, der alle Sinne anspricht, lohnt sich daher“, betonen Henkes und Kunst und fügen hinzu: „Die tierischen Besucher der Blühflächen, zu denen zum Beispiel Hummeln, Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge, Wespen und Käfer gehören, werden sich nach Art und Menge im Jahresverlauf ändern.“ Wenn die Pflanzen Samen gebildet haben, dienen sie den Vögeln als Nahrung, um sich ein Fettpolster für den Winter anzufressen. Insbesondere der Stieglitz ist ein oft gesehener Gast bei den Kornblumen.

Wildbienenhotels sind derzeit in Mode. „Die gut gemeinte Idee zeigt jedoch kaum Wirkung, wenn nicht ein entsprechendes Nahrungsangebot zur Verfügung steht“, wird in der Pressemitteilung betont. Manche Wildbienenarten brauchen innerhalb eines Radius von 150 Metern Nahrung und Habitat. Daher sollte man in den Gärten mehr auf Nektar und Pollen spendende Pflanzen und Sträucher in den Gärten achten. „In fast jedem Garten müssten sich ein bis zwei Quadratmeter Platz für Wildblumen finden“, sind sich Klaus Henkes und Achim Kunst sicher. „Je mehr dieser ,Trittsteine' geschaffen werden, desto besser die Überlebenschancen für Insekten und somit für den Erhalt der Nahrungskette.“

Die Verantwortlichen des Imkervereins Hadamar-Dornburg trafen sich vor Kurzem mit Mitgliedern des Ortsgemeinderats, dem Ortsbürgermeister und einigen interessierten Bürgern zu einer Begehung und Begutachtung der Blühflächen. Die Vertreter des Imkervereins waren positiv überrascht vom weitläufigen Freizeitgelände. „Wenn man sich vor Augen hält, dass sich bis Mitte der 1970er-Jahre hier noch einige aufgegebene Tongruben befanden, so wurde mit der Renaturierung nicht nur den Bürgern ein wertvolles Erholungsgebiet geschaffen, sondern vor allen Dingen den Tieren und Pflanzen neuer Lebensraum geschenkt“, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.