Archivierter Artikel vom 27.10.2019, 18:21 Uhr
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Rheingau-Taunus-Kreis

Tunnelbrand geübt: Nachtschicht auf der ICE-Strecke

Als gegen 2 Uhr (Winterzeit) die Übung in den letzten Zügen liegt, ist vielen Beteiligten die Erleichterung anzusehen – und die Erschöpfung. „Der Einsatz mit dem Langzeitatemschutz ist eine ganz andere Belastung“, erzählt Tobias Rehberg von der Freiwilligen Feuerwehr Oberjosbach, dem noch der Schweiß auf der Stirn steht, am Notausstieg 1. Die nun mögliche Länge des Einsatzes unter Atemschutz, der daraus entstehende Wärmestau in der Kleidung, all das sei eine neue Erfahrung. Sein Kamerad Tobias Fachinger von der Hallgarter Wehr hat ebenfalls eine neue, „schöne Erfahrung“ gemacht: Der 28-Jährige fungiert als eines der 23 Verletzungsopfer, aus seiner Wange ragt (halloweenpartyverdächtig) ein Glassplitter, aus der Wunde strömt Blut – täuschend echt, in Feuerwehrsprache „unfallrealistisch“ geschminkt von Experten des Deutschen Roten Kreuzes. Rehberg und Fachinger sind zwei von rund 450 Einsatzkräften, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag an der Großübung im Niedernhausener ICE-Tunnel teilnehmen. Die Übung „gemäß Rahmeneinsatzplan“ ist im Drei-Jahres-Turnus entlang der ICE-Strecke vorgeschrieben, um das Zusammenspiel verschiedener Fachdienste, Behörden und Organisationen sowie die Rettung der Zugpassagiere zu überprüfen. Bei der diesjährigen Übung im und unter Federführung des Rheingau-Taunus-Kreises soll zugleich der Einsatz besagter Langzeitatemschutzgeräte erprobt werden, die kürzlich angeschafft wurden. Sie verlängern die Einsatzzeit von sonst üblichen 30 Minuten auf vier bis sechs Stunden. Zwölf Exemplare sind jeweils bei den Wehren Idstein und Niedernhausen, Wiesbaden, Limburg, Main-Taunus und Frankfurt hinterlegt. Jede der Wehren, die im Einsatzverbundsystem zusammengeschlossen sind, stellt ein sogenanntes A-Team, das später mit den neuen Geräten in den 2765 Meter langen Tunnel vordringt.

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