Diez-Freiendiez

Streitfall Rudolf Dietz: Mundartdichter mit Nähe zum Nazi-Regime

Zu einem Vortrag unter dem Thema „Die verschiedenen Gesichter des Rudolf Dietz“ hatte der Ausschuss für Erinnerungskultur der Evangelischen Jakobusgemeinde Freiendiez eingeladen. Vor rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörern widmete sich Matthias Lang dem Volksschullehrer und Heimatdichter und beleuchtete die verschiedenen Seiten seines Wirkens.

Die einen bewundern die Mundartgedichte von Rudolf Dietz, die anderen kritisieren seine deutliche Nähe zum NS-Regime.  Foto: privat
Die einen bewundern die Mundartgedichte von Rudolf Dietz, die anderen kritisieren seine deutliche Nähe zum NS-Regime.
Foto: privat

Rudolf Dietz ist in der Diezer Region wenigstens aufgrund der Rudolf-Dietz-Straße bekannt. Bei vielen Menschen sind seine Mundartgedichte lebendig und beliebt, war er doch 15 Jahre als Volksschullehrer in Freiendiez tätig. Allerdings gibt es auch die andere Seite von Rudolf Dietz: Er war Mitglied der NSDAP. Die Straße wurde tatsächlich 1934 auf Antrag der Vertreter der Nationalsozialisten noch zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt. Einige seiner Gedichte zeigen eine aus heutiger Sicht sehr angreifbare Geisteshaltung.

Biografie präsentiert

Zunächst stellte Matthias Lang wichtige biografische Stationen von Dietz vor, vor allem seine Zeit als Lehrer in Freiendiez. Eberhard Held ergänzte den Vortrag mit einem Mundart-Gedicht.

Nach einer kurzen Pause wurde das andere Gesicht von Rudolf Dietz vorgestellt, nämlich das eines Anti-Demokraten und Antisemiten, der sich ohne Not den Nazis andiente. Eberhard Held las nun mehrere Mundart-Gedichte vor, in denen Menschen jüdischer Herkunft als lächerlich, verschlagen und betrügerisch dargestellt wurden. Das in Hochdeutsch gedichtete deutsche Reichslied wurde von Thomas Rösel vorgetragen, hier huldigt Rudolf Dietz Adolf Hitler und dem „neuen deutschen Geist“.

Nach Ende des Vortrags wurde intensiv über Rudolf Dietz und das von den Nationalsozialisten gestiftete ehrende Gedenken diskutiert. Während ein Zuhörer vorschlug, dem Straßenschild „Rudolf-Dietz-Straße“ in Freiendiez ein erklärendes Schild beizufügen, kritisierte ein anderer Zuhörer, dem Engagement des Rudolf Dietz für das NS-Regime sei im Vortrag zu viel Zeit gewidmet und seine Eigenschaft als Mundartdichter sei nicht ausreichend gewürdigt worden.

Für ausgewogene Darstellung gedankt

Andere Zuhörer würdigten die differenzierte und ergebnisoffene Qualität des Vortrags und hinterfragten, ob ein Straßenname heute noch vertretbar sei, schließlich könne man nicht den Mundartdichter Rudolf Dietz ehren, ohne den Nazi Rudolf Dietz zu ehren. Sie dankten für die ausgewogene Darstellung. So würde eine Auseinandersetzung ermöglicht, die nicht polarisiere. Matthias Lang betonte, das Ziel des Vortrags sei die Eröffnung einer Debatte um Rudolf Dietz und seine Ehrung mit der Benennung der Rudolf-Dietz-Straße in Freiendiez gewesen. Er sehe dieses Ziel angesichts der Diskussion als erfüllt an. red