Archivierter Artikel vom 30.01.2022, 12:05 Uhr
Rheingau-Taunus

Security-Mitarbeiter an illegalen Geschäften beteiligt: Impfpassfälscher im Rheingau-Taunus-Kreis aufgeflogen

Eine zunächst wegen des Verdachts des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln durchgeführte Durchsuchung einer Shisha-Bar in Rüdesheim hat die Ermittler auf die Spur von Impfpassfälschern geführt. Das teilt die Polizeidirektion im Rheingau-Taunus-Kreis mit.

Foto: dpa/Symbolfoto

Bereits am 19. Oktober vergangenen Jahres wurde demnach im Rahmen von Ermittlungen die Shisha-Bar eines 28-jährigen Mannes durchsucht, der im Verdacht steht, mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Dabei fanden die Ermittler unter dem Tresen mehrere Blankett-Impfausweise samt Impfchargensticker sowie offiziellem Stempelabdruck des Impfzentrums des Rheingau-Taunus-Kreises. Es ergab sich der Verdacht, dass in der Bar falsche Impfpässe an zahlungswillige „Kunden“ übergeben wurden, damit diese sich den Corona-Beschränkungen entziehen können.

Intensive Ermittlungsarbeit folgte. Durch die Auswertung des Mobiltelefons des 28-Jährigen konnte rekonstruiert werden, dass dieser die Ausweise über einen 32-Jährigen bezog. Im Rahmen einer weiteren Durchsuchung wurden bei dem 32-jährigen „Verkäufer“ aus Bad Schwalbach gut zwei Dutzend Impfausweise und fast 100 Impfchargenaufkleber zutage gefördert. Durch eine Handyauswertung bei ihm konnte in akribischer Kleinarbeit der Ablauf des „Impfpassgeschäfts“ rekonstruiert und weitere Tatverdächtige identifiziert werden.

Wie die Polizei mitteilt, besteht der Verdacht, dass der 32-Jährige als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes die Ausweise aus dem Impfzentrum entwendete, um sie gewinnträchtig weiterveräußern zu können. Dazu tat er sich mit drei Komplizen zusammen, die, wie der Beschuldigte selbst, als Securitykräfte im Impfzentrum des Rheingau-Taunus-Kreises in Eltville arbeiteten und dort in gewerbsmäßiger Art die Bestandteile von Impfnachweisen stahlen.

Die Gruppe stellte darüber hinaus negative Bescheinigungen über erwiesenermaßen nicht durchgeführte Corona-Schnelltests aus. Bei Durchsuchungen in der vergangenen Woche wurden weitere Blankett-Impfausweise, gefälschte Impfausweise, blanko Impfnachweisbögen mit QR-Code sowie mehrere Hundert Impfstoffchargenaufkleber sichergestellt. Die Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen dauern an.