Archivierter Artikel vom 05.05.2021, 08:47 Uhr
Villmar/Marburg

Nach Mutmach-Song für Tochter Norina: Blinder Musiker Jens Flach nimmt an Musikwettbewerb teil

Mit seinem für seine Tochter Norina geschriebenen Lied „Strong“ startet Jens Flach mit seiner Band „J-Flat Major“ bei der deutschen Vorentscheidungsshow für den „International Low Vision Song Contest“. An diesen Wettbewerb können nur Musikschaffende mit Seheinschränkung teilnehmen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Jens Flach mit seiner zehnjährigen Tochter.
Jens Flach mit seiner zehnjährigen Tochter.
Foto: Rolf-Peter Kahl

Vater und Tochter sind an Glaukom (Grüner Star) erkrankt. Der 40-jährige Jens Flach ist gebürtiger Limburger und in Villmar aufgewachsen. Zwischenzeitlich hat der Vater von drei Kindern seinen Lebensmittelpunkt nach Marburg verlegt, wo er an der Schule für Blinde und Sehbehinderte als Lehrer Englisch und Ethik unterrichtet. Die Schule hat er selbst seit 1996 wegen einer fortschreitenden Glaukomerkrankung besucht.

Seine Tochter Norina hat die Krankheit ebenfalls. Ein Auge von ihr wurde bislang drei Mal operiert, ist derzeit stabil und verfügt auch über eine fast normale Sehstärke. Ihr zweites Auge wurde jedoch schon 17 Mal operiert – mit keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Papa Jens – ein leidenschaftlicher Musiker – hat mit „Strong“ ein ganz persönliches Lied über den Augenklinikmarathon seiner zehnjährigen Tochter geschrieben.

Der Song ist seit Dezember 2020 auf den gängigen Streaming-Plattformen zu hören, und außerdem findet man ein professionell produziertes Musik-Video auf dem YouTube-Kanal der Band oder direkt auf www.j-flat-major.com

Dieses Jahr wird erstmals ein Song-Contest nach dem Vorbild des Eurovision Song-Contests durchgeführt, mit dem Unterschied, dass unter den Komponisten und Interpreten mindestens eine Person mit Sehbehinderung (Low-Vision) sein muss. Die Online-Show sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene (15 Länder haben zugesagt) wird auf Zoom organisiert und auf YouTube gestreamt.

In der Show wird mit allen Beteiligten ein kurzes Interview geführt und anschließend ihr jeweiliger Beitrag eingespielt, entweder als Video oder als Audio mit begleitenden Fotos. Nach der Präsentation aller Beiträge folgt ein Online-Voting, und der Siegerbeitrag wird geehrt.

Jens Flach, der eine ganze Fülle von Musikinstrumenten beherrscht, in Marburg mehrere Bandprojekte startete und in den vergangenen Jahren nicht nur in der Universitätsstadt, sondern mit „Warehouse” auch immer wieder in Weilburg, Villmar oder beim Diezer Altstadtfest aufgetreten ist, freut sich auf den Freitag, 7. Mai: „Das ist insgesamt eine tolle Sache und natürlich wär’s mir eine Ehre, Deutschland im Finale repräsentieren zu dürfen.“

Der Deutsche Vorentscheid startet am Freitag, 7. Mai, um 19 Uhr. Der Link zur Show wird rechtzeitig auf www.dbsv.org/ilsc bekannt gegeben.