Archivierter Artikel vom 25.05.2022, 15:44 Uhr
Limburg

Nach Kritik an Pfarrerbeförderung: Bistum Limburg wehrt sich gegen Vorwürfe an Bischof Bätzing

Bischof Georg Bätzing gilt als reformorientierter Kirchenmann, der sich auch in der Missbrauchsdebatte für Transparenz und kompromisslose Aufklärung starkgemacht hat. Jetzt bringt ihn der Fall eines Priesters in Erklärungsnöte, der vor gut 20 und 15 Jahren zwei Frauen sexuell belästigt haben soll. Darüber hat zuerst das Magazin Christ & Welt mit dem Beitrag „Katholisches MeToo“ berichtet. Das Bistum reagiert darauf nun mit einer Stellungnahme.

Bistum Limburg wehrt sich gegen Vorwürfe
Foto: dpa

Der Beitrag, so heißt es, erwecke den Eindruck, Bischof Dr. Georg Bätzing würde Betroffene nicht hören, sich auf die Seite von Tätern stellen und Beschuldigte befördern, statt zu sanktionieren. Diesem Eindruck müsse widersprochen werden. „Bischof Georg setzt sich entschieden dafür ein, dass es einen Kulturwandel in der Kirche gibt, Betroffene gehört, Missbrauch verhindert sowie Täter und Taten klar benannt werden“, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme des Bistumssprechers Stephan Schnelle.

Davon zeuge das Projekt „Betroffene hören – Missbrauch verhindern“ im Bistum Limburg. Bischof Georg habe der Umsetzung von mehr als 60 Maßnahmen, die systemische Fragen angehen und eine Kultur verändern wollen, beauftragt und einen entsprechenden bischöflichen Beauftragten dafür eingesetzt.

Hintergrund der aktuellen Berichterstattung von Christ & Welt ist die Belästigung von zwei Frauen durch einen Priester des Bistums Limburg in den Jahren 2000 und 2007. Eine der Frauen, eine Mitarbeiterin des Bistums, so macht das Bistum jetzt öffentlich, brachte 2007 dem Bistum gegenüber vor, dass sie der Priester unter anderem mit Kosenamen betitelt und ihr mit der Hand durch das Haar sowie über den Rücken gestrichen habe.

Das Bistum handelte nach eigener Darstellung umgehend. Der Pfarrer wurde mit den Vorwürfen konfrontiert und klar formuliert, dass ein solches Verhalten zu unterlassen ist. Im Jahr 2013 habe die Mitarbeiterin den Vorwurf bekannt gemacht, der Priester habe ihr im Jahr 2007 unter das T-Shirt an die Brust gefasst. Der Priester wurde auch mit diesem Vorwurf konfrontiert, bestritt dies jedoch, im Gegensatz zu den früheren Vorwürfen, dezidiert.

Georg Bätzing erfuhr nach Darstellung des Bistums erst einige Jahre nach seinem Wechsel ins Bistum Limburg vom Fehlverhalten des Priesters und den Vorwürfen. Daraufhin sprach er mit der Mitarbeiterin und mit dem Priester. Der Bischof konfrontierte ihn 2020 demnach auch mit einem neuen Vorwurf, der sich auf ein Fehlverhalten aus dem Jahr 2000 bezog und gegen den Priester ausgesprochen wurde. Laut „Christ & Welt“-Bericht soll es sich bei der Betroffenen um eine evangelische Pfarrerin handeln.

Bätzing machte laut Bistumsmitteilung unmissverständlich klar, dass er solches Verhalten missbillige. Er habe eine Monitio, eine Ermahnung in schriftlicher Form, ausgesprochen. Der Priester habe sich für sein Verhalten bei der betreffenden Person entschuldigt, um Verzeihung gebeten und glaubhaft Reue gezeigt. Er setze sich bereits seit Jahren intensiv mit seinem Fehlverhalten auseinander, heißt es in der Stellungnahme.

Nach einer erneuten Prüfung der Vorwürfe und weiteren Gesprächen habe Bischof Georg Bätzing den Priester zum Bezirksdekan einer der elf Bezirke der Diözese ernannt. „Die Betroffenheit und Empörung der Mitarbeiterin über diese Personalentscheidung sind verständlich“, schreibt das Bistum. Im persönlichen Gespräch mit der Mitarbeiterin habe Bätzing ihr diese Entscheidung zu vermitteln versucht und erklärt. Bei der Ernennung zum Bezirksdekan seien sowohl das förmlich missbilligte Fehlverhalten des Priesters und sein Umgang damit berücksichtigt worden wie auch der Umstand, dass die vorschlagsberechtigten Seelsorgerinnen und Seelsorger ein deutliches Votum für die Berufung dieses Priesters zum Ausdruck gebracht haben.

Bischof Georg sei vor diesem Hintergrund zu der Einschätzung gekommen, dass eine Berufung zum Bezirksdekan möglich ist. Der betroffenen Mitarbeiterin haben Bischof Georg und die Verantwortlichen im Bistum auch weiterhin Gesprächsbereitschaft signalisiert. red