Archivierter Artikel vom 23.10.2021, 07:00 Uhr
Aar-Einrich

Hilfe für Flüchtlinge aus Aar-Einrich: Situation bleibt angespannt

Seit rund einem Jahr unterstützt die lokale Initiative „Wir machen mit“ geflüchtete Menschen im Auffanglager „Moria 2“ auf der griechischen Insel Lesbos, nachdem der Mainzer Arzt Gerhard Trabert und die Reckenrother Aktivistin und Fotografin Alea Horst von den unmenschlichen Zuständen auf der Insel berichteten.

Fabiola Velasques bei der medizinischen Versorgung der flüchtenden Menschen auf der Insel Lesbos. Mit den Spenden, die „Wir machen mit“ übermittelt, wird diese wichtige Arbeit vor Ort gesichert.  Foto: Archiv Alea Horst
Fabiola Velasques bei der medizinischen Versorgung der flüchtenden Menschen auf der Insel Lesbos. Mit den Spenden, die „Wir machen mit“ übermittelt, wird diese wichtige Arbeit vor Ort gesichert.
Foto: Archiv Alea Horst

Die Initiative sammelt Spendengelder und finanziert damit die Arbeit der auf Lesbos lebenden Physiotherapeutin Fabiola Velasques, die dort seit Jahren ehrenamtlich kriegsversehrte oder behinderte Menschen versorgt und dabei von Gerhard Trabert und Alea Horst unterstützt wird.

„Wir machen mit“ generierte bisher mehr als 45.000 Euro an Spendengeldern, die über den Verein von Gerhard Trabert „Armut und Gesundheit“ nach Lesbos transferiert werden. Eines der Grundprinzipien der Initiative ist, dass jeder Cent der Spendengelder auch im unterstützten Projekt ankommt, und dass die Spender regelmäßig über die Verwendung der Gelder informiert werden.

Achim Lauer, Arzt und Initiator von „Wir machen mit“ aus Burgschwalbach, steht im regelmäßigen Kontakt mit Gerhard Trabert, um sich über die Arbeit vor Ort und die Verwendung der Finanzen zu informieren. So wurden rund 10.000 Euro für den Ausbau und die Einrichtung von Fabiola Velasques' neuem Behandlungszentrum benötigt, weitere 6500 Euro waren für Unterhalt und Versicherungen notwendig. Die Physiotherapeutin war gezwungen, ihre früheren Behandlungsräume in einem Container im Lager Kara Tepe aufzugeben und sich neue Räumlichkeiten zu suchen.

Monatlich 500 Euro waren für medizinische Hilfsmittel, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel erforderlich, die Anschaffung von Spiel- und Kreativ-Material für Kinder im Camp Moria schlugen mit 1500 Euro zubuche, für Einzelfallhilfen wurden weitere 1000 Euro benötigt. Weiterhin ließ Gerhard Trabert für mehrere amputierte Patienten Prothesen herstellen. Die Kosten hierfür lagen bei 11.000 Euro. Laut dem Mainzer Arzt wird für das kommende Jahr 2022 mit weiteren Kosten von rund 20.000 Euro gerechnet.

Dadurch, dass die Physiotherapeutin ihren Behandlungs-Container beim Umzug des Lagers aufgeben musste, konnte sie durch die von „Wir machen mit“ gesammelten Spenden einen Neuanfang in Angriff nehmen. Sie mietete neue Behandlungsräume in der Nähe des Camps an und richtete sie bedarfsgerecht ein. Für schwer kranke bzw. amputierte Patienten wurde unter anderem ein Shuttle-Service eingerichtet.

Während durch die Hilfe von „Wir machen mit“ in der Gesundheitsversorgung deutliche Fortschritte erzielt wurden, hat sich die Lage für die im Lager „Moria“ lebenden Flüchtlinge insgesamt nur geringfügig gebessert. „Zurzeit leben zwar deutlich weniger Asyl- suchende in dem Lager. Dadurch hat sich die räumliche Enge etwas entspannt, die Lebensbedingungen sind aber weiterhin sehr schlecht“, berichtet Achim Lauer über den aktuellen Stand.

„Die Menschen sind kaserniert und dürfen das Lager nur einmal pro Woche für einige Stunden verlassen. Insbesondere fehlt den Menschen eine Perspektive, viele stecken schon für viele Monate auf der Insel fest, ohne Hoffnung auf einen positiven Asylbescheid und die Weiterreise in ein europäisches Land, das bereit wäre, sie aufzunehmen“, schildert Achim Lauer die aktuelle Situation. Die Menschen lebten zum Teil unter Bedingungen, die schlechter seien als in ihrem Heimatland, von wo sie vor Krieg, Vertreibung und Hungersnot geflohen sind, in der Hoffnung, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Der Burgschwalbacher Arzt freut sich wie alle Mitstreiter über die Unterstützung durch die heimische Bevölkerung für „Wir machen mit“: „Wir alle hätten mit einem solchen Erfolg der Spendenaktion nicht gerechnet, wir sind unendlich dankbar für die Mithilfe von Einzelpersonen, Firmen, Vereinen, Schulen und kirchlichen Einrichtungen!“

„Wir machen mit“ setzt sich weiterhin für die Generierung von Spenden für die Fortsetzung des Projekts auf der Insel Lesbos ein. So ist Anfang Dezember ein Benefizkonzert im Dorfgemeinschaftshaus in Hahnstätten geplant, bei dem das Projekt und die Arbeit von Fabiola Velasques noch einmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt werden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wir-machen-mit.org

Ihnen fehlt es an einer Perspektive. Sie sitzen einfach fest.

Achim Lauer über die aussichtslose Situation der Menschen im Lager

Spendenkonto eingerichtet

Bei der Verbandsgemeinde Aar-Einrich ist ein Spendenkonto von „Wir-machen-mit“ eingerichtet: Naspa, IBAN DE 76 5105 0015 0604 0147 00, SWIFT-BIC: NASSDE55XXX. Der Verwendungszweck lautet „Spende Wir-machen-mit“.

Empfänger ist die VG Aar-Einrich.

Rhein-Lahn-Zeitung Diez
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