Archivierter Artikel vom 07.03.2021, 17:57 Uhr
Birlenbach

Große Nachfrage: Birlenbach plant Neubaugebiet

Was ist mit der ehemaligen Hausmülldeponie, alten Bergbaustollen und dem Umweltschutz – und fährt der Baustellenverkehr zukünftig durchs Wohngebiet? Diese und weitere Fragen stellen sich aktuell Anwohner des geplanten Birlenbacher Neubaugebiets „Auf die Schaumburger Straße II“. Nun werden im Rahmen des vereinfachten Verfahrens die Planungsunterlagen offengelegt und vier Wochen lang bei der Verwaltung und im Internet einsehbar sein. „Wenn es gut läuft, haben wir im Sommer einen Satzungsbeschluss“, umreißt Bürgermeister Georg Klein den möglichen Zeitplan. Damit wäre die Planungsphase beendet und man könnte mit der Realisierung beginnen. „Wenn es Einwände gibt, kann sich das Verfahren aber noch um ein Vierteljahr verschieben“, heißt es aus der Verwaltung.

Von Johannes Koenig
Am Ortsausgang in Richtung Balduinstein liegt das anvisierte neue Birlenbacher Baugebiet „Auf die Schaumburger Straße II“. Dort sollen bis zu 45 Bauplätze entstehen.  Foto: Johannes Koenig
Am Ortsausgang in Richtung Balduinstein liegt das anvisierte neue Birlenbacher Baugebiet „Auf die Schaumburger Straße II“. Dort sollen bis zu 45 Bauplätze entstehen.
Foto: Johannes Koenig

Bei dem neuen Baugebiet handelt es sich laut Planungsunterlagen um eine 3,6 Hektar große Fläche. Sie liegt am Dorfrand etwa in Höhe des Friedhofs auf der anderen Seite der Hauptstraße L 318. Von dieser stark befahrenen Verkehrsader wird sie durch ein Nachbargrundstück getrennt. „Damit sparen wir uns erst einmal den Bau einer Schallschutzwand“, erklärt Georg Klein. „Da wir im vereinfachten Verfahren unterwegs sind, durfte das Baugebiet erst einmal nicht ganz so groß werden.“ Das heißt, die freie Fläche an der Landesstraße wurde erst einmal bewusst ausgespart, könnte aber irgendwann mal beplant und bebaut werden. „Aktuell planen wir um die 45 Bauplätze. Der Bedarf ist da. Es gibt eine Warteliste mit über 70 Interessenten“, betont Klein. Momentan befinden sich auch noch nicht alle betroffenen Grundstücke im Besitz der Gemeinde. „Die Verhandlungen laufen aber gut.“

Das Projekt „Auf die Schaumburger Straße II“ hatte Georg Klein noch von seinem Vorgänger im Amt, Ex-Bürgermeister Dieter Hörle, geerbt. Es war dann auch der alte Gemeinderat, der den Standort für das Neubaugebiet ausgewählt hatte. „Zur Diskussion stand noch eine Fläche im Unterdorf“, so Klein, der mögliche Einwände gegen das Projekt offenbar recht gelassen sieht. Momentan fahre er auf Sicht – von einer Entscheidung zur nächsten. Er selbst wohne auch in der Waldstraße, sei also vom möglichen Baustellenverkehr ebenfalls betroffen. „Im Rahmen des vereinfachten Verfahrens mussten wir drei Gutachten einholen: zwei zur Lärmbelastung und eines zur alten Mülldeponie.“ Nun werden laut Klein auch andere Behörden hinzugezogen, die dann zum Beispiel frühere Bergbauaktivitäten recherchieren. „Gibt es von Behördenseiten ein Veto, ist der Ofen aus“, gibt sich der Bürgermeister pragmatisch. Dieser Pragmatismus gilt auch für den zu erwartenden Baustellenverkehr. „Grundsätzlich ist die Waldstraße dafür breit genug.“ Es werde momentan aber auch geprüft, ob der Verkehr nicht über den bestehenden Weg am Waldesrand geführt werden kann. Und wer bezahlt mögliche Straßenschäden? „Die Kosten werden dann auf den Quadratmeterpreis draufgeschlagen“, sagt Klein. Konkrete Informationen zur Höhe der Erschließungskosten und damit des Quadratmeterpreises hat er noch nicht. Dennoch soll es mit dem Projekt weitergehen. „Denn der Bedarf ist da.“ Innerhalb des Dorfes seien ihm zum Beispiel keine größeren Leerstände bekannt, die an Neuankömmlinge verkauft oder vermietet werden könnten. Angesichts der guten Verkehrsanbindung Birlenbachs bleibe die Nachfrage nach Wohnraum konstant hoch.

Fest eingeplant ist offenbar auch die Einrichtung eines gestuften Waldrandes. „Dort, wo jetzt Wald ist, werden keine Häuser stehen“, versichert Klein. Statt 20 Meter hohen Fichten soll es eine Übergangszone mit Sträuchern und kleineren Bäumen geben. „Das sieht erst einmal brutal aus, wenn Bäume gefällt beziehungsweise auf Stock gesetzt werden.“ Durch diese Aktion werde der Wirtschaftswald aber durch einen naturnahen Waldrand und vielfältigen Lebensraum ersetzt, so die Idee.

Von unserem Reporter

Johannes Koenig

Schneller am Ziel: Planung mit einem vereinfachten Verfahren

Um im Rahmen eines vereinfachten Verfahrens genehmigt werden zu können, musste das Birlenbacher Neubaugebiet laut den Planungsunterlagen verschiedene Bedingungen erfüllen. Dazu zählt zum Beispiel eine Größe von weniger als 10.000 Quadratmeter: Laut dem beauftragten Planungsbüro umfassen die Grundflächen für das geplante Wohngebiet 8613 Quadratmeter, fallen also unter den Grenzwert. Außerdem schließt sich das Gebiet an bereits vorhandene Birlenbacher Wohnbebauung an.

Hinzu kommt, dass im Ort selbst kaum Möglichkeiten zur Nachverdichtung bestehen, um den Bedarf zu decken. joa
Rhein-Lahn-Zeitung Diez
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