Archivierter Artikel vom 09.04.2021, 17:15 Uhr
Diez

Foodsharing kooperiert mit Unverpacktladen: So können Bürger in Diez etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun

Lose Liebe und foodsharing.de kooperieren nun offiziell. Seit Mittwoch gibt es einen öffentlichen „Fairteiler“, so nennen die Lebensmittelretter ein öffentliches Regal im Zentrum der Grafenstadt. Hier können alle Bürger nun helfen, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, indem sie einfach vorbeischauen und etwas mitnehmen. Jeder kann aber auch sich einbringen und etwas hineinlegen, was zu viel oder falsch gekauft wurde. Hauptsache wertvolle Ressourcen werden nicht weggeworfen.

Sie freuen sich über das neue Fairteiler-Regal im Diezer Unverpacktladen Lose Liebe: Anne Olschewski und Rebecca Lefèvre von foodsharing (stehend) mit Nathalie Sprengler und Chantal Burggraf von Lose Liebe (sitzend).
Sie freuen sich über das neue Fairteiler-Regal im Diezer Unverpacktladen Lose Liebe: Anne Olschewski und Rebecca Lefèvre von foodsharing (stehend) mit Nathalie Sprengler und Chantal Burggraf von Lose Liebe (sitzend).
Foto: privat

Das Ziel des nachhaltigen und wertvollen Umgangs mit Ressourcen ist das Fundament der beiden Jungunternehmerinnen Chantal Burggraf und Nathalie Sprenger. Unverpackt, müllvermeidend, wertvoll – das sind die Voraussetzungen, dass es ein Produkt in den Lose Liebe-Laden nach Diez schafft. Hier findet man Kräuter, Öle, Säfte, Haushaltsprodukte, Backwaren, aber besonders beliebt sind die Gummibärchen.

„Wir versuchen in erster Linie Müll zu vermeiden, aber wir verkaufen auch nur, wenn wir ziemlich sicher sein können, dass ethische Grundlagen erfüllt sind, die eigentlich Standard sein müssten: Kinderarbeit, Tierquälerei oder ressourcenschädigenden Anbau wie Monokulturen möchten wir nicht unterstützen. Außerdem geben wir auch Seminare und in unserem Blog viele Tipps, was jeder zu Hause einfach umsetzen kann.“, erklärt Sprenger.

Dass Kunden in Zukunft nur in den Laden kommen, um etwas zu retten und nicht unbedingt, um zu kaufen, finden die Inhaberinnen sehr sinnvoll und sind begeistert von der Kooperation. Es war den Beteiligten von Lose Liebe wie auch der Betriebsverantwortlichen von foodsharing.de, Rebecca Lefèvre, völlig klar, dass sie zusammenarbeiten wollten.

„Wir werden bestimmt noch einige gemeinsame Projekte auf die Beine stellen, denn auch bei der Lebensmittelverschwendung fängt die wichtigste Arbeit zu Hause und bei den Menschen an.“, erklärt Lefèvre.

Lose Liebe ist der erste Unverpacktladen in Diez. Er arbeitet nun mit foodsharing zusammen – eine Kooperation, die ausgebaut werden soll.
Lose Liebe ist der erste Unverpacktladen in Diez. Er arbeitet nun mit foodsharing zusammen – eine Kooperation, die ausgebaut werden soll.
Foto: privat

Laut Verbraucherzentrale ist die Wertschätzung für Lebensmittel bei vielen Menschen verloren gegangen. Zurückzuführen ist dies auf die ständige Verfügbarkeit aller Lebensmittel zu einem niedrigen Preis. Lebensmittel sind über Jahrzehnte immer billiger geworden. Die Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel lagen 1950 bei 50 Prozent des Haushaltseinkommens und aktuell bei nur noch gut zehn Prozent. Im Durchschnitt wirft heute jeder Bundesbürger im Jahr circa 75 Kilogramm Lebensmittel weg; zwei Drittel davon sind vermeidbarer Lebensmittelabfall (circa 50 Kilo).

Der Bezirk foodsharing.de Limburg, Diez und Umgebung sei sehr stark aufgestellt und kooperiert mit den meisten Lebensmittelanbietern in der Region. Im März haben 144 Ehrenamtliche insgesamt fast 1000 Abholungen umgesetzt. „Eine Abholung variiert von 10 Brötchen, die nicht verkauft wurden, bis hin zu Palletten.“, erklärt Anne Olschewski, Mitgründerin und Botschafterin des regionalen foodsharing Bezirks.

„Wir haben ein starkes Netzwerk aufgebaut und inzwischen kann uns auch die größte „Notabholung“ nicht mehr erschüttern. Wir sind den Unternehmern dankbar für die Zusammenarbeit und nehmen die Verantwortung für diese Lebensmittel sehr ernst. Dennoch wäre es natürlich am besten, wenn das Einkaufsverhalten sich insofern ändert, dass die Lebensmittelhändler nicht wütende Kunden haben, wenn abends nicht mehr 8 Apfelsorten angeboten werden. Erst wenn ‚ausverkauft!‘ wieder modern ist und foodsharing.de nicht mehr gebraucht wird, sind wir auf dem richtigen Weg.“

Tipps der Verbraucherzentrale zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendungen

Im Durchschnitt wirft heute jeder Bundesbürger im Jahr circa 75 Kilogramm Lebensmittel weg; zwei Drittel davon sind vermeidbarer Lebensmittelabfall (etwa 50 Kilo). Das rät die Verbraucherzentrale:

  • Vor dem Einkauf die Vorräte checken und bedarfsgerecht einkaufen.
  • Gemeinsam mit der Familie planen, um Wünsche und Abwesenheiten zu berücksichtigen.
  • Den Vorrat im Blick behalten, damit keine Lebensmittel in Vergessenheit geraten.
  • Kreativ die vorhandenen Lebensmittel in Speisen mit einplanen.
  • Wenn Paprika, eine Zucchini oder Obst eine Delle haben, dann sollten sie schnell verwertet werden, bevor das Obst/Gemüse zu schimmeln beginnt.
  • Überreifes Obst kann gut zu Kompott, Marmelade oder im Kuchen verarbeitet werden.
  • Kühlschrank und Vorratskammer regelmäßig reinigen.
  • Übrig gebliebene Speisen in geeigneten Behältern einfrieren oder in Gläsern kühl lagern und am nächsten Tag verzehren.
  • Frische und leicht verderbliche Lebensmittel wie Brot, Obst und Gemüse in bedarfsgerechten Mengen kaufen.
  • Spontankäufe sowie den Großeinkauf von Sonderangeboten möglichst vermeiden- außer man weiß, dass man die verbilligten Produkte in der nächsten Zeit aufbrauchen wird.
  • Auch Lebensmittel kaufen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist.
  • Den Supermarkt und die Bäckerei wissen lassen, dass man es akzeptiert, am Abend keine riesige Auswahl mehr an Brot oder Gemüse zu bekommen.
  • Obst und Gemüse auch mal in einem Hofladen in der Nähe kaufen.
  • Im Restaurant die Speisen einpacken lassen, die man nicht ganz geschafft hat, um sie später zu genießen.
  • Auch in der Mensa (Schule, Uni, Betriebskantine) lassen sich Lebensmittelabfälle vermeiden, wenn man bei wenig Hunger nach einer kleineren Portion fragt.
  • Brot vom Vortag gibt es manchmal etwas günstiger – das ist meist besser bekömmlich und günstiger.
Rhein-Lahn-Zeitung Diez
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