Eppenrod

Domizil für die Kleinen: Waldgruppe mit Tiny-House in Eppenrod ist heiß begehrt

Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen steigt auch in der ländlichen Region, das wohnortnahe Angebot wird knapper. Wie eine Gemeinde mit einem engagierten Ortsbürgermeister und anderen anpackenden Ehrenamtlichen Abhilfe schaffen kann, zeigt das Beispiel des evangelischen Kindergartens Eppenrod/Isselbach.

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Freuen sich über die in Rekordzeit verwirklichte Waldgruppe des evangelischen Kindergartens Eppenrod/Isselbach: Ortsbürgermeister Oliver Lankes und Kita-Leiterin Hannelore Backhaus. Viel ehrenamtliches Engagement steckt in dem innovativen Tiny-House, das derzeit elf Waldkinder jeden Tag besuchen.
Freuen sich über die in Rekordzeit verwirklichte Waldgruppe des evangelischen Kindergartens Eppenrod/Isselbach: Ortsbürgermeister Oliver Lankes und Kita-Leiterin Hannelore Backhaus. Viel ehrenamtliches Engagement steckt in dem innovativen Tiny-House, das derzeit elf Waldkinder jeden Tag besuchen.
Foto: Dekanat Nassauer Land

Dort entstand in wenigen Monaten eine Waldgruppe, die in dieser Form in der Region noch einzigartig ist. Denn die elf Kinder, die ihr derzeit angehören, strömen nicht nur jeden Tag von der Einrichtung in die Natur aus. Sie haben am Sportplatz des Ortes auch ein eigenes modernes Domizil.

Für bis zu 40 Kinder ist die zweigruppige Kindertagesstätte aktuell ausgelegt, die von den Kindern der Gemeinden Eppenrod und Isselbach besucht wird. Die unerwartet hohe Anmeldezahl von 56 Kindern fürs Jahr 2022/23 machte umgehendes Handeln erforderlich. „Ursprünglich wollten wir über einen Architektenwettbewerb das vorhandene Gebäude im Ort erweitern“, erinnert sich Ortsbürgermeister Oliver Lankes. Nach einem Ortstermin, zu dem er alle verantwortlichen Fachbehörden von Kreis, Land und bis zur Unfallkasse einlud, wurde dieser Plan allerdings verworfen.

Umbau wäre aufwendig geworden

Das 28 Jahre alte Gebäude mit seiner sternförmigen Raumanordnung umbauen zu wollen, hätte einen immensen Aufwand zur Folge gehabt, vom Erhalt des laufenden Betriebs während der Bauphase ganz zu schweigen. „Die Idee zu einer Waldgruppe kam von der Unfallkasse“, berichtet Lankes von einhelliger Zustimmung und Begeisterung für die zukunftsträchtige Lösung, auch in der Elternschaft.

Das für die Waldgruppe errichtete Gebäude schafft bis zu 20 zusätzliche Plätze für die Einrichtung. Die Kinder sollen dort nach Möglichkeit drei Jahre lang betreut werden. Zudem sind Waldgruppen auch pädagogisch sinnvoll und für die Gesundheit der Kinder von Vorteil. „Aber wir wollen ehrlich sein: Natürlich ging es dem Gemeinderat auch um die Wirtschaftlichkeit“, so Lankes. Statt geschätzter Umbaukosten von mehr als einer halben Million Euro beläuft sich die Investition für die Waldgruppe auf 215.000 Euro. Beim Land und Kreis wurden entsprechende Fördermittel beantragt.

„Ursprünglich wollten wir über einen Architektenwettbewerb das vorhandene Gebäude im Ort erweitern.“ Oliver Lankes, Ortsbürgermeister von Eppenrod

Das Anfang 2022 geführte Gespräch mit allen Verantwortungsträgern zahlte sich nicht nur dadurch aus, dass dabei eine solch zeitgemäße und zukunftsträchtige Lösung gefunden wurde. „Wir konnten auch gleich klären, was es an Genehmigungen und Formalitäten bedarf, um einen Acht-Stunden-Betrieb hier draußen zu ermöglichen.“ Unzählige Telefonate und Absprachen mit Behörden blieben Lankes trotzdem nicht erspart. Umso erfreuter zeigt er auf das 9,40 Meter lange und drei Meter breite mobile Holzhaus, das jetzt neben dem Sportplatz und der Grillhütte steht und bereits jeden Tag von elf Kindern begeistert angenommen wird.

Der Erste Beigeordnete Stefan Mäncher erstellte die notwendigen Zeichnungen für die beiden Gebäude, das auf die Anforderungen der Behörden abgestimmt nach erfolgter Ausschreibung von der Firma Holzbau Kappler in Gackenbach-Dies angefertigt wurde. Im vergangenen September gingen die Arbeiten los, Mitte Dezember wurde das 8,5 Tonnen schwere und mobile Holzhaus aufgebaut. Mit einem Tieflader kann das Tiny-House auch bei Bedarf umgesetzt werden. Sehr dankbar ist Lankes für die beratende Unterstützung von Kreis- und Landesjugendamt und der beteiligten Behörden sowie vor allem für die tatkräftige Hilfe aus der Gemeinde, das Projekt für die Kinder mit ehrenamtlichem Einsatz zu verwirklichen.

Wasserleitung bei Schneefall gebaut

An sechs Wochenenden wurde von Mitgliedern des Gemeinderates und weiteren Helfern geschuftet, um die notwendige Infrastruktur herzustellen. „Ich weiß noch, wie wir bei ordentlichem Schneefall die Wasserleitung verlegt haben“, schmunzelt der Ortschef, als er zusammen mit der Leiterin der Kita, Hannelore Backhaus, die Inneneinrichtung zeigt. Eine Küche, eine Toilette, eine energetisch moderne Heiztechnik und natürlich schöne Holzbänke und -tische für die Kinder nebst einer Schlafecke im oberen Bereich sind ideale Aufenthaltsbedingungen zum Spielen, Essen, Malen und Basteln.

„Aber die Kinder zieht's viel lieber ins Freie zum Entdecken und Spielen“, sagt Backhaus, „das ist ja auch viel spannender.“ Sachwissen, Konzentration, Teamfähigkeit, Feinmotorik, Ausdauer, Fantasie und Kreativität sind pädagogische Leitziele, die in der Waldgruppe ebenso gefördert werden wie im Gebäude in der Ortsmitte. „Die Kinder hier haben riesigen Spaß“, ist sie vom Engagement der Gemeinde begeistert.

Im Frühjahr soll noch ein WC- und Abstellraum errichtet und eine Solaranlage installiert werden. Und auch eine würdige Einweihungsfeier ist vorgesehen. red

Archivierter Artikel vom 25.01.2023, 17:36 Uhr