Archivierter Artikel vom 23.07.2021, 18:52 Uhr
VG Rüdesheim

1 Euro pro Bewohner an die Flutopfer: Idee des Rüdesheimer Bürgermeisters kommt an

32 Dörfer und rund 28.800 Einwohner groß ist die Verbandsgemeinde Rüdesheim. Gäbe jedes Dorf 1 Euro pro Einwohner käme ein stolzer Spendenbetrag für die Flutgebiete zusammen, schlug VG-Bürgermeister Markus Lüttger (CDU) am Freitag vor: „Ich merke von Stunde zu Stunde mehr, wie groß die Not bei unseren Freunden in der Eifel ist. Ich dachte, es tut keiner Gemeinde weh, wenn sie 1 Euro pro Einwohner spendet.“

Altenahr hat die Flut schwer getroffen. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern. Die VG-Bürgermeister des Kreises Bad Kreuznach wollen eine Patenschaft für diese Verbandsgemeinde ins Leben rufen.   Foto: Boris Roessler, dpa
Altenahr hat die Flut schwer getroffen. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern. Die VG-Bürgermeister des Kreises Bad Kreuznach wollen eine Patenschaft für diese Verbandsgemeinde ins Leben rufen.
Foto: Boris Roessler, dpa

Damit nicht genug: Diese Idee könnte auf ganz RLP übertragen werden, dann wären es schon 4 Millionen Euro, so Lüttger weiter. Neben den Dörfern könnte auch jede VG als übergeordnete Verwaltungseinheit in den 24 rheinland-pfälzischen Kreisen 1 Euro pro Einwohner geben, ergänzt er seinen Vorschlag und bekräftigt: „Ich bin dazu bereit!“

Vor allem die Stromversorgung in den Flutgebieten des Ahrtals ist existenziell. Hier einer von vier neuen Generatoren (Stückpreis: 8000 Euro) am Diens-tag in der DLZ Rüdesheim. Sie gingen genauso ins Flutgebiet wie Wasserfässer und leistungsstarke Pumpen.  Foto: Stefan Munzlinger
Vor allem die Stromversorgung in den Flutgebieten des Ahrtals ist existenziell. Hier einer von vier neuen Generatoren (Stückpreis: 8000 Euro) am Diens-tag in der DLZ Rüdesheim. Sie gingen genauso ins Flutgebiet wie Wasserfässer und leistungsstarke Pumpen.
Foto: Stefan Munzlinger

Hintergrund seiner Initiative: Täglich stehe er in Kontakt mit Bürgermeister-Kollegin Cornelia Weigand (parteilos) in Altenahr. Bei den derzeit wichtigsten Dingen, die zugleich Mangelware sind, habe er schon helfen können. Beispiel: Zwischenzeitlich seien 70 Dixi-Toiletten aus der VG Rüdesheim dorthin unterwegs, „unsere Wehren bringen starke Pumpen und vor allem Man-Power vor Ort“. Final werde es aber an Geld fehlen. Daher seine 1-Euro-Idee. VG-Kämmerer Bernd Jung werde nach der Freigabe die Umbuchung vornehmen, kündigt der VG-Bürgermeister an: „Die Zusagen unserer Gemeinden kommen superschnell zurück.“ Die VG werde sich, wie gesagt, in ähnlicher Höhe beteiligen.

Wichtig: „Ich bitte von vielen gut gemeinten Einzelaktionen derzeit Abstand zu nehmen oder sie mit uns zu koordinieren.“ Am Beispiel eines Kindergartens wisse er, dass der Wiederaufbau mindestens ein Jahr dauern werde. Jetzige Materialhilfen wären also verfrüht.

Beißt sich die Lüttger-Initiative mit laufenden Aktionen auf Landesebene? Keineswegs. Die Landesregierung habe einige Spendenaktionen gestartet, informiert Pressesprecher Timo Haungs vom Innenministerium am Freitagmorgen auf unsere Nachfrage und ergänzt: „Selbstverständlich steht es den Kommunen frei, eigene Spendenaufrufe zu machen.“ Außerdem verweist er auf Landeshilfen und Spendenaktionen, die auf der Website https://add.rlp.de/de/themen/ hochwasserkatastrophe-hotlines-und-spendenkonten/ zu finden sind. Sie nenne auch Spendenhotlines und kommunale Initiativen. Unterdessen wird das Spendenkonto der Verbandsgemeinde Rüdesheim weiter gefüllt: Am Dienstagmittag waren es noch 40.000 Euro, am gestrigen Freitagmorgen 70.000 Euro und kurz später schon 90.000 Euro. Lüttgers Erklärung: „Julia Klöckner hat eine Großspende vermittelt.“ mz

Koordination ist alles: Auf der Webseite Ahrhelp.com kann jeder Privathelfer schauen, wer am Folgetag wo an der Ahr Hilfe braucht. Hier stellen die Flutopfer ihre Bitten um Hilfe ein. Wer dort nachschaut und den Einsatz vor seiner Abfahrt mit den betroffenen Familien abspricht, kann auch auf eigene Faust durchaus sinnvoll helfen.

Sparkassen und Urano helfen Menschen in den Flutgebieten

Solidaraktion der rheinland-pfälzischen Sparkassenfamilie: 1 Million Euro stellen sie für Opfer zur Verfügung. Stück für Stück werde das wahre Ausmaß erkenn- und begreifbar, schreibt die SP Rhein-Nahe am Freitag.

„Wir fühlen mit den Menschen und nehmen Anteil an ihrem Schicksal.“ Diese Anteilnahme zeige sich in der großen Hilfs- und Spendenbereitschaft aus dem ganzen Land. Mit dem Betrag würden gemeinnützige Projekte unterstützt.

10 000 Euro steuert das Bad Kreuz-nacher IT-Unternehmen Urano bei. Der Betrag werde über das DRK in den betroffenen Regionen eingesetzt. „Die Menschen haben alles verloren. Gemäß unserem Leitspruch ,Aus der Region für die Region' wollen wir unkompliziert unterstützen“, sagt Urano-Gründer Andreas Krafft. „Dafür haben unsere Mitarbeitenden mit ihren Familien und Freunden binnen weniger Tage mehrere Tausend Euro gesammelt“, ergänzt Urano-Operating Officer Sebastian Schmalenbach stolz. mz

Auskunft und Unterstützung für Betroffene der Hochwasserkatastrophe
Infonummer für Angehörige von Vermissten, Hinweise und Fragen: 0800 65 65 65 1
Kostenlose Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9 - 17 Uhr): 0800 001 0218
Hinweisportal der Polizei Rheinland-Pfalz: rlp.hinweisportal.de
Die Polizei bittet, den Notruf 112 beziehungsweise 110 nur in dringenden Fällen anrufen.
Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz
Oeffentlicher Anzeiger
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