Koblenz/St

Urteil: Wohnanlage für Behinderte darf im Wohngebiet gebaut werden

Sebastian- Nachbarn müssen den "Anblick und die Lebensäußerungen" von Behinderten hinnehmen: Das geht aus dem Urteil zur Behindertenwohnanlage in St. Sebastian hervor, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Gegner des Projekts sind damit vor dem Verwaltungsgericht gescheitert

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Die Einrichtung in St. Sebastian ist lange fertiggestellt, der Streit um die Behindertenwohnanlage hält aber an. Archivfoto: Volker Schmidt
Die Einrichtung in St. Sebastian ist lange fertiggestellt, der Streit um die Behindertenwohnanlage hält aber an. Archiv
Foto: Volker Schmidt

Eine Wohnanlage für Behinderte darf in einem allgemeinen Wohngebiet gebaut werden, die Rechte der Anwohner werden dadurch nicht verletzt. Das Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz ist am Mittwoch veröffentlicht worden, es setzt ein Ausrufezeichen in dem Streit um das Behinderten-Wohnprojekt "Rheindörfer Platz" in St. Sebastian.

Ein Foto aus dem Juni 2013: Die Bauarbeiten für die Behindertenwohnanlage in St. Sebatsian laufen.
Ein Foto aus dem Juni 2013: Die Bauarbeiten für die Behindertenwohnanlage in St. Sebatsian laufen.
Foto: kde

In der Mitteilung zum Urteil heißt es ausdrücklich, Nachbarn müssten den "Anblick und die Lebensäußerungen" von Behinderten hinnehmen. Anwohner hatten sich über das Vorhaben empört, ihre Argumentation hatte aber selbst auch Empörung ausgelöst.

Eine Hausbesitzerin in Kaltenengers (Kreis Mayen-Koblenz) hatte sich gerichtlich gegen die Baugenehmigungen für die drei Wohnhäuser für Behinderten-Wohngemeinschaften und ein Servicegebäude mit Bistro und Kurzzeitpflege in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gewehrt. Mehrere Anlieger der Nelkenstraße und des Tulpenweges in Kaltenengers hatten sich gegen den Bau im direkt angrenzenden Nachbarort geweht. Sie brachten vor allem das Argument, dass die Anlage in Wahrheit ein Heim sei – und da gelten besondere Bestimmungen.

Das Gericht wies die Klage der Frau ab. Gegen das Urteil ist Berufung beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz möglich. Zu einem Tag der offenen Baustelle hatte sich ein Nachbar eingefunden, um sich die Rohbauten einmal zeigen zu lassen. 24 schwerst mehrfach behinderte Menschen können in den drei Wohngebäuden am Rheindörfer Platz in Wohngemeinschaften leben. Im vierten Haus sind acht Plätze für Kurzzeitpflege, die Verwaltung, eine ergotherapeutische Praxis und ein Bistro untergebracht.

Zwischenzeitlich hat sich eine "Initiative für den Erhalt und die Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität im Wohngebiet" gegründet, die über Themen rund um die Bauten der Kettiger Förder- und Wohnstätten gGmbH (FWS) "sehr kritisch" berichten will.