Archivierter Artikel vom 09.02.2021, 04:15 Uhr

Kanarische Inseln

Sieben Tipps für einen Urlaub auf Lanzarote

Erloschene Vulkane, Weinparzellen unter Asche, kleine Strände und ein Abstieg in die Unterwelt: Die Kanaren-Insel Lanzarote begeistert auf unterschiedlichste Weise. Eine Reise in sieben Höhepunkten.

Mirador del Río
Der Aussichtspunkt Mirador del Río bietet eine hervorragende Sicht auf die See und die benachbarten, kleinen Inseln.
Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn

Arrecife (dpa/tmn) – Lanzarote ist das Aschenputtel der Kanaren, ein vulkanisches Freilichtmuseum. Wegen der Corona-Krise sieht die Insel derzeit kaum Touristen, doch ihre Sehenswürdigkeiten bleiben und warten auf neue Besucher. Sieben Höhepunkte:

Marina Rubicón
An der Marina Rubicón können es sich Reisende in kleinen Restaurants gemütlich machen – in Corona-Zeiten geht es hier ausgesprochen gemütlich zu.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

1. Unterwelt mit Spiegelsee

La Geria
Im Weinanbaugebiet von La Geria werden die Reben auf Vulkanasche angepflanzt und mit kleinen Mauern aus Lavagestein vor Wind geschützt.
Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Corona wütete auch auf Lanzarote – vor 18.000 Jahren. Damals brach nämlich der Vulkan Corona aus und formte einen kilometerlangen Lavatunnel. Den Abschnitt nahe der Küste, in dem die Röhre eingebrochen war, verwandelte der Künstler César Manrique (1919-1992) in die Kunst- und Kulturstätte Jameos del Agua samt unterirdischem Auditorium und Restaurant. Besonders atmosphärisch: In einem glasklaren Salzwassersee spiegeln sich die Felsen, unterlegt von Lichteffekten und dramatischen Klängen vom Band.

Mancha Blanca
Kulturstopp: die weinende Maria im Inselheiligtum von Mancha Blanca.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Vor Corona kamen im Sommer rund 3000 Besucher pro Tag, wie der Leiter der Stätte, Jesús Fontes Niz, berichtet. Derzeit seien es oft nur 100. Fontes Niz kannte Manrique persönlich und war dabei, als dieser sich einmal als Protest gegen den ungebremsten Hotelboom im Süden der Insel an einen Pfahl kettete. Der Künstler habe auch auf die Arbeiter gehört, die Verbesserungsvorschläge hatten. Woher er das weiß? Sein Vater habe unter Manrique als Steinmetz gearbeitet.

Dailos Perdomo
Koch Dailos Perdomo zaubert an der Marina Rubicón leckere Gerichte.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

2. Panorama-Blick auf „die Achte“

Jesús Fontes Niz
Jesús Fontes Niz ist Leiter der Kunst- und Kulturstätte Jameos del Agua.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Die Kanaren gelten als Archipel der sieben Inseln. „Die Achte“, La Graciosa, führt ein dünn besiedeltes Schattendasein und liegt Lanzarotes nördlicher Steilküste zu Füßen. Spektakulär ist das Panorama von Manriques Aussichtspunkt Mirador del Río, der 400 Meter über dem Meer doppelstufig in die Fels getrieben wurde.

Playa de la Cera
Badespaß: Die Playa de la Cera ist ein kleiner, aber umso schönerer Strand.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Der Blick fällt auf die Küstenebene und die Meerenge zwischen beiden Inseln, auf die weite See und sogar auf zwei weitere unbewohnte Eilande, Montaña Clara und Alegranza. Da verschlägt es einem in den windgepeitschten Höhen den Atem. Tipp: Dieselben Panoramen sind an der Straße südlich des Aussichtspunkts kostenlos.

Wohnsitz von  César Manrique
In Haría lebte César Manrique die letzten Jahre seines Lebens – bis zu einem tragischen Autounfall.
Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn

3. Dorfstimmung in Haría

Jameos del Agua
Fast wie eine Sinnestäuschung: der Spiegelsee von Jameos del Agua.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Sein museales Wohnhaus und sein Grab befinden sich hier – doch César Manrique tritt in Haría in den Hintergrund. Die stärksten Eindrücke liefert der Alltag: kalkweiße Häuser mit Türen und Fensterläden in Grün, Blumentöpfe neben den Eingängen, kunstvolle Kamintürme.

Mancha Blanca
Zeit für eine spirituelle Einkehr: das Inselheiligtum in Mancha Blanca.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Die Wäsche trocknet auf Dachterrassen. Opuntien lappen über Mauern, Bougainvilleen sprießen im Blütenrausch. Nahe dem Rathaus liegen die Café- und Kneipentreffs der Einheimischen. In Haría fühlt man sich Lichtjahre entfernt von den zubetonierten Touristenhochburgen Costa Teguise, Puerto del Carmen und Playa Blanca. Das Dorf punktet mit Bescheidenheit, nicht jede Fassade ist blütenweiß herausgeputzt.

Ignacio Romero
Ignacio Romero kennt sich als Weinbauer und Wanderführer im Tal La Geria aus.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

4. Traumstrand Playa de la Cera

Bettina Bork
Auswanderin: Bettina Bork lebt schon lange auf Lanzarote.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Das Vorspiel ist rumplig. Autos wirbeln Staubfahnen auf der Piste auf, die östlich von Playa Blanca ins Naturschutzgebiet Los Ajaches abzweigt. Ziel sind diverse Parkplätze, von dort legt man den übrigen Weg zum Wasser zu Fuß zurück. Traumhaft ist ein nicht beschilderter Mini-Strand in Halbmondform, kaum hundert Schritt breit, eingefasst zwischen Klippen, frei von Schatten, Highlife und Infrastruktur: die Playa de la Cera. Der Sand: makellos. Das Wasser: kristallklar. Der Einstieg: ohne Gefahr. Schöner könnte das Urlaubsgefühl kaum sein.

Vulkan Montaña Colorada
Lanzarote aktiv: Eine Wanderung führt um den Vulkan Montaña Colorada, den Farbigen Berg.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

5. Gaumenfreuden im Weintal La Geria

Guide Armando Socas
Abstand halten: Guide Armando Socas neben einem Geysir im Nationalpark Timanfaya.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Das Drama begann im September 1730, als sich die Erde öffnete und jahrelang rauchte und bebte. Vulkanausbrüche bedeckten ein Viertel der Insel mit Lava, rissen Dörfer und Täler ins Verderben. Lanzarote bekam ein anderes, ein raues Gesicht.

Los Hervideros
Naturphänomen Los Hervideros: Durch das Felsloch fällt der Blick aufs Meer.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Nach der Katastrophe suchten Menschen im Tal La Geria unter den Schichten der Vulkanasche den fruchtbaren Grund von einst. Und fanden ihn. „Den meisten Erfolg beim neuen Anbau hatten Weintrauben“, erzählt Naturführer und Biologe Ignacio Romero. So ist es bis heute geblieben. Die Rebstöcke wurzeln in metertiefen Riesenkuhlen inmitten von Asche. „Dank ihrer Mikroporen hält die Asche die Feuchtigkeit im Boden, das muss man sich wie einen Deckel vorstellen.“ Oben am Rand schützen Mäuerchen vor Ascheverwehungen.

Lanzarote
Lanzarote ist eine spannende Insel – und bietet jede Menge Erlebnisse für einen ausgedehnten Urlaub.
Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-infografik GmbH/dpa-Themendi/dpa

Die Weine sind wie flüssige Abbilder der Vulkaninsel, einzigartig im Geschmack, vor allem der weiße Malvasier.

Nationalpark Timanfaya
Unterwegs in den Feuerbergen des Nationalparks Timanfaya – Lanzarote ist eine Insel der Mondlandschaften.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

6. Im Bann der Feuerberge

Eine Fahrt durch die vulkanischen Feuerberge, das Herzstück des Nationalparks Timanfaya, ist ein Muss – obwohl es einzig auf einer organisierten Bustour hindurch geht, was in Corona-Zeiten sicher nicht mehr zeitgemäß ist. Die halbstündige Runde, die bei Manriques diabolisch deplatziertem Restaurant „Der Teufel“ startet, ist alternativlos und erlaubt keinen Ausstieg.

Zurück an der frischen Luft demonstriert Führer Armando Socas, wie Strauchwerk in einer heißen Erdspalte entflammt und ein Geysir aufsteigt. Dazu kippt er eine Eimerladung Wasser in ein Rohr, das vertikal im Boden steckt. Mutter Erde antwortet mit einem bestialischen Knall und dem Ausstoß einer Fontäne.

7. Kostenloser Vulkanlehrpfad

Der „Farbige Berg“, die Montaña Colorada, entstand während der finalen Eruptionsphasen 1736 und macht seinem Namen alle Ehre. Der Vulkan buckelt sich in Braun-, Grau- und Kupfertönen auf. Rundherum führt ein Wanderweg, der gleichzeitig ein kostenloser Vulkanlehrpfad ist. Schautafeln erklären an fünfzehn Stationen – darunter auf Deutsch – die Zeit der Ausbrüche, den Fluss der Lavaströme, Flechten und Pyroklasten sowie den schwarzen Nachbarberg Montaña Negra.

Die Montaña Colorada liegt im Vulkannaturpark, der Startpunkt der Tour an einem nicht beschilderten Parkplatz vier Kilometer südlich von Mancha Blanca. Die Wanderung dauert etwa eine Stunde. Obwohl der Schwierigkeitsgrad niedrig und der Weg gut ausgebaut ist, braucht man stabiles Schuhwerk – bitte keine Flipflops.

© dpa-infocom, dpa:210208-99-354001/4

Infos zu Jameos del Agua

Infos zum Mirador del Río

Infos zu Haría

Infos zum Nationalpark Timanfaya

Informationen zu Lanzarotes Kulturstätten

Reise- und Sicherheitshinweise für Spanien

Tourismusportal von Lanzarote

Lanzarote

Klima und Reisezeit: Lanzarote ist ein Ganzjahresziel und zu jeder Jahreszeit beliebt. Im Sommer kann es allerdings heiß werden.

Einreise und Corona-Lage: Für Spanien besteht eine Reisewarnung. Reisen nach Lanzarote sind mit einem negativen Corona-PCR-Test möglich, Flugverbindungen und Hotelangebote eingeschränkt, aber recht viele Restaurants und Bars auf der Insel geöffnet. Es gilt eine Maskenpflicht auch im Freien. Und man muss nachweisen können, eine offizielle touristische Einrichtung gebucht zu haben.

Informationen: www.turismolanzarote.com/de