Ort des warmen Wassers

Heiße Quellen und ein Bad in der Hölle: Eintauchen in Island

Schon die Wikinger wussten die Wirkung der heißen Quellen Islands zu schätzen. Allein in Reykjavík gibt es rund ein Dutzend Bäder, eines sogar direkt am Polarmeer. Und dazu einige schicke Alternativen.

Geosea
Eher zufällig stieß man in Geosea bei Bohrungen auf das heiße Meerwasser. Es enthält besonders viele Mineralien.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Reykjavík (dpa/tmn) – Die ersten paar Schritte in den Nordatlantik brauchen viel Überwindung. Das Meerwasser hat zwölf Grad. Trotzdem finden in schöner Regelmäßigkeit Schwimmerinnen und Schwimmer den Weg über den aufgeschütteten Sand ins Wasser – bekleidet mit Badeanzug und Badekappe plus Handschuhen und Schwimmschlappen aus Neopren.

Geosea in Husavik
Im Geosea in Husavik, ganz im Norden Islands, baden Besucherinnen und Besucher in dampfend warmem Salzwasser.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Wenn man einmal drin sei, merke man die Temperatur nicht mehr, sagt eine Isländerin, die in der Bucht von Nauthólsvík jeden zweiten Tag ins Meer steigt. Was gar nicht so schlimm ist, wie es klingt, denn hier wird von Erdwärme erwärmtes Wasser zugeleitet. Außerdem befindet sich an Ort und Stelle ein langgezogenes Betonbecken, dessen Wasser sogar auf 39 Grad kommt – den Thermalquellen sei Dank.

Schwimmbad Sundhollin
Das Schwimmbad Sundhollin, mitten in Reykjavík.
Foto: Visit Iceland/dpa-tmn

Das ist das Ritual vieler Isländer: Schwimmen, entspannen, das kalte und das warme Wasser genießen. Schwimmbäder gibt es in fast jedem Ort auf der Insel, und sei er noch so klein. Rund 150 sollen es im ganzen Land sein und das bei etwa 350.000 Einwohnern.

Tauchen in der Silfra-Spalte
Irre kalt, aber für Schnorchelfreunde auch irre spannend: Ein Tauchgang in der Silfra-Spalte.
Foto: Dive.is/dpa-tmn

Die Bäder heißen auf Isländisch „sundlaug“. Sie sind das ganze Jahr über geöffnet, auch im Winter. Und genau dann – bei Dunkelheit und inmitten von Schnee und Eis – entfalten sie ihren besonderen Reiz.

Tauchen in der Silfra-Spalte
Ein dicker Anzug schützt Taucherinnen und Taucher gegen die niedrigen Temperaturen im Wasser der Silfra-Spalte.
Foto: Dive.is/dpa-tmn

Die Auswahl ist groß

Strandbad Nauthólsvík
Im Strandbad Nauthólsvík mit seinen zwei heißen Becken und dem weiten Meer ist der Eintritt zwischen Mitte Mai und Mitte August frei.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Die Bäder in Reykjavík sind vielfältig und auch für Touristen ein Erlebnis. Sundhöllin zum Beispiel, erbaut 1937, liegt nur ein paar Straßen nördlich der Flaniermeile Laugavegur. Wie in allen Bädern der Hauptstadt haben die Pools von morgens 6.30 Uhr bis abends 22.30 Uhr geöffnet. Entworfen hat das Bad der bekannte Architekt Gudjón Samúelsson (1887-1950). Er schuf auch die benachbarte Kirche Hallgrímskirkja, das wohl markanteste Bauwerk der Stadt.

Dagny Pétursdóttir
Dagny Pétursdóttir ist Chefin der Sky Lagoon in Kársnes.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Sundhöllin verfügt über Schwimmerbecken draußen und drinnen, 25 Meter lang und angenehme 28 Grad warm. Außerdem gibt es verschiedene warme Becken, eine Sauna, ein Dampfbad und ein kleines eiskaltes Becken.

Silfra
In Silfra können Touristen zwischen tektonischen Platten schnorcheln. Achtung, das Wasser ist nur zwei Grad kalt.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Klébergslaug liegt nördlich der Hauptstadt direkt an der Ring Road, die einmal um die Insel führt, und wie Nauthólsvík direkt am Meer.

Sigrídur Vala Finnsdóttir
Sigrídur Vala Finnsdóttir, genannt Sigga, führt kleine Gruppen zum Schnorcheln zwischen den Kontinentalplatten.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

50-Meter-Becken finden Urlauber in Ásvallalaug und Laugardaslaug, zwei der größten Bäder in Island. Álftaneslaug wiederum hat das einzige Becken mit einer Welle. Reich an Mineralien und daher für Menschen mit Hautproblemen empfehlenswert ist Seltjarnarneslaug.

Silfraund
Schnorcheln zwischen tektonischen Platten in Silfra: Hier ist das Wasser das ganze Jahr über nur zwei Grad kalt.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Vorher bitte duschen – ohne Kleidung

Sky Lagoon
In der Sky Lagoon können Besucherinnen und Besucher neben vielen Spa-Angeboten auch in einem 75 Meter breiten Infinity Pool herumplanschen.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Grundsätzlich haben die Bäder in Island nur wenig chemische Zusätze. Dafür wird von allen Schwimmenden verlangt, dass sie sich vor Betreten der Becken mit Seife und ohne Badebekleidung duschen.

Mývatn Nature Baths
Wohlig warm: Im Mývatn Nature Baths dampft natürliches, mineralhaltiges Wasser.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Manchen Touristen kostet das einige Überwindung, für die Isländer ist das kein Problem. Schon als Kinder gehen sie mit der Familie in die Bäder, Schwimmen ist Pflichtdisziplin im Sportunterricht. An den meisten Vormittagen sind Teile der Becken in den Bädern Reykjavík gesperrt, Schülerinnen und Schüler ziehen dann dort ihre Bahnen.

Eintritt zahlen müssen nur Menschen zwischen 6 und 66 Jahren. Vom 67. Geburtstag an haben Senioren freien Eintritt, ebenso Kinder bis einschließlich fünf. Im Strandbad Nauthólsvík mit seinen zwei heißen Becken und dem weiten Meer entfallen zwischen Mitte Mai und Mitte August die Eintrittsgebühren – rechtzeitig zur Mitternachtssonne.

Im Gegensatz zum vergleichsweise teuren Leben auf der Insel im Nordatlantik ist das Schwimmen zu einem echten Spottpreis zu haben. Erwachsene zahlen für den Eintritt 1060 isländische Kronen, rund sieben Euro. Die Zehnerkarte kostet im Vergleich dazu nur knapp 5000 Kronen (rund 33 Euro) und hat sich damit schnell rentiert.

Schnorcheln zwischen den tektonischen Platten

Das Schwimmen gehört zur Kultur der Isländer wie kaum etwas anderes. Statt in ein Café oder eine Kneipe zu gehen, diskutieren die Inselbewohner die Geschehnisse des Alltags und in der Welt im warmen Wasser. Und das ist schon ungewöhnlich genug.

„Isländer sind nicht dafür bekannt, sehr gesprächig zu sein“, sagt Sigrídur Vala Finnsdóttir. „Aber das warme Wasser scheint sie doch zu sozialen Wesen zu machen.“ Sigga – so ihr Spitzname – arbeitet für Dive.is und leitet kleine Gruppen durch einen Zufluss zum Thingvellirsee im gleichnamigen Nationalpark.

Dort wartet das wohl ungewöhnlichste und kälteste Schwimmerlebnis in Island: In der Silfra-Spalte, einer tektonischen Verwerfung zwischen der Nordamerikanischen und Eurasischen Platte, hat das glasklare Wasser das ganze Jahr über exakt zwei Grad Celsius. Um nicht nach wenigen Minuten zu unterkühlen, braucht es Kleidung und Ausrüstung, die richtig warm hält. „Das Wasser kommt vom Gletscher und läuft erst einmal über Jahrhunderte durch den Lavastein“, erklärt Sigga.

Die große Liebe zum Wasser

Im Thingvellir-Nationalpark hielten die Isländer vor mehr als 1000 Jahren ihr erstes Parlament ab. Ob sie ins kalte Wasser von Silfra gingen, ist nicht überliefert. Dass sie ins warme Wasser gestiegen seien, davon berichteten schon die Sagen, sagt Dagny Pétursdóttir. Sie ist die Chefin der Sky Lagoon in Kársnes.

Minimalistisch ist das Gebäude, das am Ende einer langen Straße durch ein Industriegebiet liegt. Ein Traditionshandwerker der Insel wurde damit beauftragt, die Außenwand aus Gras und Torf zu bauen. Genau so, wie die Isländer einst ihre Häuser bauten. Innen ist das Gebäude stylish dunkel gehalten. Wer aus den Umkleiden ins warme Wasser geht, ist umgeben von dunkelgrauen Lavafelsen. Erst nach ein paar Kurven gibt der breite Infinity Pool den Blick auf den Nordatlantik frei.

Ein Bad in der Hölle

Kleinere und größere Bäder, öffentlich oder privat betrieben – oder einfach warme Flüsse oder Tümpel in der Natur: Das wohltuende Wasser können Einheimische und Touristen jederzeit genießen, so wie einst die Wikinger. Sogar an einem Ort namens Hölle, auf isländisch: Viti.

Im Hochland der Insel entstand ein kleiner Krater in einem großen, der sich mit mineralstoffhaltigem Wasser gefüllt hat. Milchig ist es und rund 25 Grad warm. Hinauf geht es über einen steilen, oft matschigen Pfad, der einige Anstrengung erfordert. Doch danach können Besucher sagen, dass sie im größten natürlichen Pool der Insel geschwommen sind – die Hölle hat rund 150 Meter Durchmesser.

© dpa-infocom, dpa:211029-99-789037/2

Strandbad Nautholsvik

Schwimmbad Seltjarneslaug

Schwimmbad Sundhöllin

Schwimmbad Klebergslaug

Tour Operator Dive.is

Sky Lagoon

Registrierungsformular für die Einreise

Reise- und Sicherheitshinweise für Island

Visit Iceland

Island

Klima und Reisezeit: Kühle Sommer und vergleichsweise milde Winter prägen das Klima in Island. Im Sommer liegen die Höchstwerte bei etwa 15 bis 20 Grad, es ist fast rund um die Uhr hell. Die warmen Bäder entfalten gerade in der kalten Jahreszeit einen besonderen Reiz.

Einreise und Corona-Lage: Alle Reisenden müssen bei der Ankunft einen negativen Corona-Test vorweisen. Geimpften und schon länger Genesenen reicht ein Antigen-Schnelltest, Ungeimpfte brauchen einen PCR-Test. Kinder, die 2005 oder später geboren wurden, sind davon ausgenommen. Wer innerhalb der letzten sechs Monate an Covid erkrankt war, muss wiederum einen entsprechenden positiven PCR-Test vorlegen. Alle Einreisenden müssen ein Registrierungsformular ausfüllen.

Informationen: https://de.visiticeland.com