Ägypten ohne Massen

Faijum und seine imposanten Pyramiden

Ägypten hat mehr zu bieten als die großen Pyramiden von Kairo. Die Oase Faijum ist zwar wenig spektakulär – ihr Umland mit alten Fossilien und eindrucksvollen Bauwerken dafür umso mehr.

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Grabmal von Sesostris II.
Mehr Hügel als typische Pyramide: Das Grabmal von Sesostris II. bei al-Lahun besteht zu Teilen aus Schlammziegeln. Die Witterung hat sie mit der Zeit zerstört.
Foto: Simone A. Mayer/dpa-tmn

Faijum (dpa/tmn). Eine Fahrt nach Faijum ist vor allem eine Reise raus aus dem lauten und schmutzigen Kairo. Im Umfeld der Oase liegen sehenswerte Pyramiden, die man ohne Touristenmassen besichtigen kann – anders als in Gizeh.

Pyramide von Hawara
Auf den ersten Blick enttäuscht die Pyramide von Hawara, weil der Komplex teilweise eingestürzt ist.
Foto: Simone A. Mayer/dpa-tmn

In die mehr als 4500 Jahre alte Pyramide von Meidum führt ein 40 Meter langer, schräger Schacht. Aufrecht stehen kann man nicht. Wächter und Reiseführer bleiben draußen. Das Gefühl, wie Indiana Jones einen geheimen Schatz zu suchen, wird mit jedem Schritt größer.

Wüstenbecken Wadi El Hitan
Das heutige Wüstenbecken Wadi El Hitan war einst ein Meer – und die Knochen seiner Bewohner wurden im Sand konserviert. Die Witterung gibt die Ur-Wale nun nach und nach frei.
Foto: Simone A. Mayer/dpa

Irgendwann ist es völlig ruhig, ganz unten in der Kammer. Sie wurde nie verwendet. Man könnte auch in einer Felsenhöhle stehen, in der nun Fledermäuse geblendet vom Kamerablitz umherflattern. Der Schreck ist groß, das Herz schlägt. Jetzt aber schnell wieder raus.

Sandsteinfelsen
Wo heute Wüste ist, war einst ein Meer: goldgelbe Sandsteinfelsen und endlose Dünen bestimmen inzwischen das Wüstenbecken Wadi El-Hitan.
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Pharao Snofru war nicht zufrieden

Kutsche
Mit der Kutsche durch die Stadt Faijum: Der Landwirt Mohamed ist auch Reiseführer.
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Der abenteuerliche Besuch lohnt sich, vor allem aus geschichtlicher Perspektive: Pharao Snofru (ca 2600 v. Chr.) war kein geringerer als der Vater des berühmten Cheops. Er entwickelte mit der Pyramide Meidum die damals noch gängigen Stufenpyramiden weiter. Allerdings war er mit Meidum nicht zufrieden und verwendete den Bau wohl nie als Grabmal. Der Pharao errichtete einfach noch zwei weitere Pyramiden.

Pyramide al-Lahun
Die Pyramide al-Lahun betritt man durch eine Luke außerhalb des Baus. Von dort führt ein langer Gang zur Grabkammer.
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Meidum liegt etwas abseits der Oase Faijum. In dem Becken rund herum finden sich weitere, absolut sehenswerte Grabmäler der Pharaonen. Ein Abstecher wert ist zum Beispiel die Pyramide von Hawara von Pharao Amenemhet III. (ca. 1800 v. Chr.). Auf den ersten Blick enttäuscht sie etwas, weil der Komplex teilweise eingestürzt ist und seine ursprüngliche Höhe von 58 Metern verloren hat. Dabei ist die Hawara-Pyramide eine der jüngsten Ägyptens, erbaut viele Jahrzehnte nach der von Meidum und den Großen bei Kairo.

Schlammziegeln
Späte Pyramiden wie die von al-Lahun wurden mit Schlammziegeln statt großen Kalksteinquadern gebaut. Das hat sie witterungsanfällig gemacht.
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„Hier siehst du, was sie falsch gemacht haben“, erklärt Reiseführer Mohamed Saad Khedr. Hawara wurde aus kleinen, gut tragbaren Lehmziegeln gefertigt. „Aber viele Ziegel zerfielen mit der Zeit, und die Pyramide ist stellenweise eingebrochen.“ Auch kann man die Grabkammer nicht besichtigen. Sie steht unter Wasser.

Skelett eines Basilosaurus isis
Im Museum von Wadi El-Hitan sind besondere Fossilien aus dem ehemaligen Meer zu sehen – etwa das laut Museumsangaben größte intakt gefundene Skelett eines Basilosaurus isis. Der Ur-Wal ist ausgestorbe
Foto: dpa

Faijum lebt mit und am Wasser

Faijum
Die Großstadt Faijum in der gleichnamigen Oase hat rund 500.000 Einwohner.
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Der Nil ist die Lebensader der Oase Faijum. Sie ist durchzogen von saftiggrünen Feldern voller Futterklee, Dattelpalmen, Obst und Gemüse. Landwirtschaft ist hier oft noch Handarbeit: Mit Pflug und Esel schiebt so mancher Fellache hier sein Gerät über die Felder.

Grabkammer
Das Innere der Pyramide al-Lahun und auch die Grabkammer sind erst seit kurzem für die Öffentlichkeit zugänglich.
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Die Landschaft durchziehen unzählige Kanäle und kleine künstliche Seen. An die grüne Oase grenzt im Nordwesten außerdem der 230 Quadratkilometer große Qarun-See. Das Ziel ist bei Ägyptern beliebt für Wochenendtrips. Hier finden sich Hotels in allen Preisklassen für Reisende, die etwas länger in der Gegend bleiben wollen.

Ein Esel in der Oase Faijum
Die Oase Faijum ist der Obst- und Gemüsegarten der Metropolregion Kairo.
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Faijum ist eine sehr arme und sehr konservative Region. Touristen werden auf der Straße trotz der kulturellen Unterschiede freundlich gegrüßt. Viele Reiseagenturen bieten Tagesausflüge in die Region im Rahmen ihrer Ägypten-Rundreisen an. Wobei der Stopp in der Oase sich oft auf die gleichnamige Hauptstadt Faijum beschränkt und dort nur der Suk und unspektakuläre Wasserräder besichtigt werden. Wer Zeit hat, sollte die Stadt trotzdem zu Fuß oder mit einer Pferdekutsche besichtigen. Allein schon, um den Kontrast wahrzunehmen.

Wadi El Hitan
Wer zum Wadi El Hitan fährt, ist stundenlang unterwegs – sieht aber faszinierende Wüstenlandschaften, die gar nicht so trocken sind, wie man immer annimmt.
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Spuren von Urwalen im Wüstensand

Knickpyramide von Pharao Snofru
Die berühmte Knickpyramide von Pharao Snofru war sein zweiter Streich: Da er den Winkel der Wände aber zu steil gewählt hat, musste sie oben abgeflacht werden – der Knick entstand. Sie ist seit kurzem
Foto: dpa

Das Ausflugsziel des Folgetags führt tief hinein in die Vergangenheit Ägyptens, die weit über die Zeit der Pharaonen hinausgeht. Wo heute Wüste ist, war einst ein Meer: In der sengenden Mittagssonne steht man im Wüstenbecken Wadi El Hitan (Tal der Wale) mit seinen orangeroten und goldgelben Sandsteinfelsen – und endlosen Dünen.

Im Sand liegen bis heute unzählige versteinerte Fossilien von Archaeoceti, den Vorfahren der Wale. Im gut gemachten und noch recht neuen Museum des Unesco-Weltnaturerbes kann man einige von ihnen sehen – und auf einem der ausgezeichneten Spazierwege durch die Wüste selbst entdecken. Für die Fahrt nimmt man sich am besten einen Fahrer mit Geländewagen und Vierradantrieb. Ein See nach dem anderen reiht sich auf der ersten Etappe aneinander. Man sieht: Das Wüstenland Ägypten hat ganz schön viel Wasser.

Premiere nach 4000 Jahren Dämmerschlaf

Wer den Tagesausflug und die vielen Stunden im Auto scheut, findet genug zu tun für einen weiteren Tag im direkten Umfeld der Oase. Etwa die Besichtigung des Grabmals al-Lahun von Pharao Sesostris II. (ca. 1800 v. Chr.). Es handelt sich ebenfalls um eine Pyramide aus Schlammziegeln, der die Zeit zugesetzt hat. Ihr etwa 30 Meter tiefer Schacht und der eindrucksvolle Gang zur Grabkammer sind erst seit Juli 2019 für die Öffentlichkeit zugänglich – und das erstmals überhaupt nach gut 4000 Jahren. Zum Standardprogramm rund um die Oase gehört außerdem die Rote Pyramide im Gebiet Dahschur.

Die benachbarte Knick-Pyramide ist seit Mitte 2019 nach mehr als 50 Jahren Restaurierung wieder geöffnet. Der Weg zur Grabkammer ist einer der imposantesten in Ägypten, kann aber Muskelkater in den Beinen bescheren. Und auch hier unten sollte man die Fledermäuse erschrecken.

Info-Kasten: Faijum-Becken

Anreise: Faijum ist von Kairo aus gut mit einem Fahrzeug erreichbar. Deutsche und auch lokale Reiseagenturen bieten vor allem Tagesausflüge an. Mehrtägige Touren auf Anfrage.

Übernachtung: Viele Touristen wohnen am Qarun-See oder zum Beispiel im Künstlerdorf Tunis, wo es Hotels aller Preisklassen gibt.

Ägyptens Tourismusbehörde zum Qarun-See

Ägyptens Tourismusbehörde zum Wadi El Hitan

Unesco zum Weltkulturerbe Wadi El Hitan

Informationen zum Museum von Wadi El Hitan