Archivierter Artikel vom 05.05.2020, 04:25 Uhr

Spanische Mustangs am Strand

Die Outer Banks in North Carolina

Die Outer Banks in North Carolina galten als Friedhof des Atlantiks. Hier bewiesen die Gebrüder Wright, dass der Mensch fliegen kann. Bis heute haben sich Inseln und Bewohner ihren Charme erhalten.

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Wildpferde auf den Outer Banks
Im offenen Hummer auf der Suche nach Wildpferden: Auf den Outer Banks leben wilde Mustangs.
Foto: Ryan Donnell/VisitNC.com/dpa-tmn

Corolla (dpa/tmn). Verreisen geht wegen der Corona-Pandemie erstmal für unbestimmte Zeit nicht – doch es spricht ja nichts dagegen, sich schon jetzt ein paar Gedanken über den nächsten Urlaub zu machen. Wie wäre es zum Beispiel mal mit einer Tour über die Outer Banks in North Carolina?

Bodie Island Lighthouse
Die Outer Banks haben natürlich auch pittoreske Leuchttürme zu bieten – hier das Bodie Island Lighthouse.
Foto: VisitNC.com/dpa-tmn

Sorgfältig navigiert Tom Baker den offenen Bus durch die Dünen nördlich von Corolla. Immer wieder muss er ordentlich Gas geben, um im weichen Sand über die Hügel auf den nördlichen Outer Banks in North Carolina zu kommen. Tom ist auf einer Mission. Er sucht die Wildpferde, die hier hinter den Dünen und am Strand leben.

Angeln am Roanoke River
Fischer am Roanoke River: Auf den Outer Banks und an der Küste North Carolinas bekommen Reisende viel leckeres Seafood.
Foto: VisitNC.com/dpa-tmn

Die Outer Banks sind eine Reihe von Barriere-Inseln vor der Küste von North Carolina im Atlantik. Sie reichen von Corolla an der Grenze zu Virginia bis nach Cape Lookout im Süden.

Wright Brothers Memorial
Büste von Orville Wright beim Wright Brothers Memorial – die beiden Brüder verfolgten ihren Traum vom Fliegen.
Foto: VisitNC.com/dpa-tmn

Tom Baker ist der Typ Haudegen. Solange er in dem windigen Wetter nach den Pferden sucht, erzählt er über sie. Spanische Mustangs seien das, reinrassig. Eigentlich noch so, wie sie vor 500 Jahren von einer gestrandeten spanischen Galeere schwammen und sich hier in den Dünen ansiedelten. Das Schiff ereilte das Schicksal vieler Boote, die hier anlanden wollten: „Man nennt die Outer Banks den Friedhof des Atlantiks, weil es zahlreiche unterirdische Sandbänke gibt, auf die immer wieder Schiffe aufgelaufen sind“, erzählt Baker.

Wright Brothers National Memorial
Wright Brothers National Memorial in Kill Devil Hills: Die beiden Brüder wählen die Outer Banks wegen dem starken Wind für ihre Flugversuche.
Foto: Chris Council and Emily Chaplin/VisitNC.com/dpa-tmn

„Das Gebiet hier oben gehört den Mustangs“, sagt Baker. Straßen gibt es nicht, außer vereinzelten Häusern wurde nichts gebaut. Das Problem bei dieser Tour am frühen Morgen: Der Wind kommt von Nordost – und wenn er aus dieser Richtung kommt, ist er steif und kalt. „Die Pferde verstecken sich – unter den stacheligen Büschen und Bäumchen, windgeschützt in den Gärten der Häuser.“

Uli Bennewitz
Auswanderer Uli Bennewitz hat in North Carolina eine Brauerei gegründet – und braut nach deutschem Reinheitsgebot.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Ein charmanter Maulesel

Tom Baker
Unterwegs im offenen Hummer-Bus: Outer-Banks-Kenner Tom Baker.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Plötzlich herrscht Aufregung im Hummer: Ein Passagier hat etwas gesehen. „Das ist Raymond“, sagt Baker erleichtert. Kein Mustang, ein Maulesel. „Aber er denkt, er ist ein Pferd – und schart die Ladies um sich.“ Tatsächlich haben sich mit Raymond noch drei Mustang-Damen hinter einem Haus versteckt, die er schließlich zum Strand treibt. „Man sieht die Pferde oft am Strand und sogar im Wasser“, erzählt Tom. „Dort kühlen sie sich an heißen Tagen im Meer ab.“

Nags Head
Bunte Strandhäuser in Nags Head auf den Outer Banks – der Ort ist bei Touristen sehr beliebt.
Foto: VisitNC.com/dpa-tmn

Den Wind mögen die Tiere nicht so gerne, wobei dieser auf den Inseln eine Konstante ist – und der Hauptgrund, aus dem die Brüder Wilbur und Orville Wright 1902 nach Kill Devil Hills aufbrachen.

Cape Hatteras Light Station
Leuchttürme (hier Cape Hatteras Light Station) sind auf den Outer Banks die längste Zeit extrem wichtig gewesen – die Gewässer vor der Küste sind gefährlich.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Die beiden besaßen einen Fahrradladen in Ohio, und sie waren fasziniert von dem, was Otto Lilienthal in Deutschland ausprobierte: fliegen. Sie rechneten und probierten, bauten Teile und rechneten weiter. Schließlich machten sie sich auf die Suche nach einem Ort, an dem es windig ist, mit viel weichem Sand.

«Inn at Rodanthe»
Das «Inn at Rodanthe» war Schauplatz in der Literaturverfilmung «Nights in Rodanthe» – eine Adaption des Romans von Nicholas Sparks.
Foto: VisitNC.com/dpa-tmn

Flugversuche am Strand

Mikro-Brauereien in North Carolina
North Carolina gehört heute zu den Staaten, die die meisten Mikro-Brauereien haben.
Foto: VisitNC.com/dpa-tmn

Die Brüder entschieden sich für Kill Devil Hills. Sie begaben sich auf die lange Reise aus dem Mittleren Westen in die Südstaaten. Orville und Wilbur waren besessen von dem Gedanken, dass der Mensch fliegen kann, und richteten sich am Strand ein.

Chicamacomico Lifesaving Station
Chicamacomico Lifesaving Station: Die erste US Coast Guard Station des Bundesstaates wurde auf den Outer Banks errichtet – in Rodanthe auf Hatteras Island.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Am 17. Dezember 1903 gelangen ihnen schließlich vier Flüge. Der längste davon überwand eine Strecke von 852 Fuß, knapp 300 Meter, in 59 Sekunden. Damit war der Versuch geglückt, sogar ein Foto hatte ein Helfer geschossen. Doch die Zeitungen, an die sie ihre Sensation telegrafierten, sprangen nicht auf die Geschichte an.

Wilde Mustangs
Wilde Mustangs am Strand: Die Tiere kann man auf den Outer Banks an vielen Stellen sehen.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

So vergingen noch einige Jahre, bis die Fliegerei weiterentwickelt wurde und zum modernen Verkehrsmittel avancierte – ganz so, wie es die Brüder immer geahnt hatten.

„First in Flight“ steht noch heute auf den Nummernschildern der Autos, die in North Carolina zugelassen sind. In dem Bundesstaat in der Ostküste der USA wurde nicht nur zum ersten Mal geflogen. Es gibt auch noch ein paar andere „Firsts“.

Bier nach deutschem Reinheitsgebot

Uli Bennewitz hat seine Premiere selbst in die Wege geleitet. Der Landwirt aus Bad Feilnbach ging in den 1970er-Jahren in die USA. Damals kaufte und verwaltete Land in North Carolina. Irgendwann standen ein paar Hektar in Manteo zum Verkauf. „Prima, da mache ich eine Brauerei auf“, dachte der Bayer sich. Das Problem: In North Carolina, einem Staat mitten im sogenannten Bible Belt, war es damals verboten, Alkohol direkt an Konsumenten zu verkaufen.

Die Politiker allerdings fanden die Idee gut, vor Ort ein Bier nach deutschem Reinheitsgebot zu bekommen und änderten kurzerhand das Gesetz. „Heute gehört der Staat zu denen, die die meisten Mikro-Brauereien haben“, sagt Bennewitz.

Inzwischen sind die Brauerei und die Gaststätte, die er Weeping Radish (weinender Rettich) genannt hat, nach Grandy umgezogen. In Manteo hatte er immer wieder expandiert, schließlich war zu wenig Platz da. „Ich muss immer wieder die Geschichte erzählen, wie wir im Biergarten den Radi mit Salz essen und am liebsten das salzige Wasser auftunken, das rausläuft“, sagt Bennewitz mit einem Grinsen.

Regionale Küche liefern die Fischer, die entlang der Küste der Outer Banks und weiter im Süden ihren Fang an Land bringen. In vielen kleinen Orten kann man die Shrimps, Krabben und Fische direkt vom Fischer kaufen. Oder sich die Meeresfrüchte gleich in einem kleinen, einfachen Restaurant zubereiten lassen.

Eine Gegend wie aus einem Roman

Mustangs, ein Stelzenhaus in Rodanthe, die unberührte Natur auf den südlichen Outer Banks, Fischer und andere besondere Menschen in North Carolina – ganz fremd kommt dem Besucher das alles nicht vor. Zumindest jenen nicht, die sich für die Schmonzetten von Nicholas Sparks begeistern können. Der Autor lebt seit Jahrzehnten in dem Staat – viele seiner Romanverfilmungen spielen dort.

© dpa-infocom, dpa:200504-99-934107/3

Tourismus-Webseite von North Carolina

Brauerei Weeping Radish

Die Outer Banks in North Carolina

Klima und Reisezeit: North Carolina hat warme Sommer und kurze, milde Winter. Der Atlantik sorgt für angenehmes Klima auf den Outer Banks, im Sommer weht immer ein kühlender Wind. Die Hauptreisezeit ist zwischen Memorial Day (letzter Montag im Mai) und Labor Day (1. Montag im September). Im Rest des Jahres geht es deutlich ruhiger zu, nicht alle Restaurants, Touranbieter und Geschäfte sind geöffnet.

Anreise: Der Flughafen Raleigh/Durham ist mit Umsteigen erreichbar, bis zu den Outer Banks sind es von dort etwa vier Stunden mit dem Auto. Alternativ per Direktflug in die Hauptstadt Washington und dann mit einem Mietwagen in etwa fünf Stunden zu den Inseln.

Informationen: Visit North Carolina, c/o Lieb Management, Bavariaring 38, 80336 München (Tel.: 089/68 90 63 860, E-Mail: northcarolina@lieb-management.de, www.visitnc.com).