Archivierter Artikel vom 15.08.2019, 05:50 Uhr

Azoren-Insel

Auf eine Tasse Tee nach São Miguel

Vulkanische Krater, tiefe Lagunen und zerklüftete Küsten sind die Markenzeichen der Azoreninsel São Miguel. Das immergrüne Eiland ist aber auch einer der wenigen Orte Europas, an denen Tee angebaut wird.

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Grüne Lagune am Sete Cidades
Die blaue und die grüne Lagune am Vulkan Sete Cidades zählen zu den Naturwundern Portugals. Sie sind nur durch eine Brücke voneinander getrennt.
Foto: Ute Müller/dpa-tmn

Ponta Delgada (dpa/tmn) – Wenn Wolken an der Nordküste von São Miguel aufziehen, dann freut sich Madalena Motta. Die 46-Jährige leitet in fünfter Generation die Teeplantage „Chá de Gorreana“, und die Erntezeit hat gerade begonnen.

Carina Costa
Carina Costa ist die Tochter des berühmten Gärtners Fernando Costa im Park Terra Nostra.
Foto: Ute Müller/dpa-tmn

„Auf das Wetter ist hier Verlass, der Nebel und der häufige Regen sorgen dafür, dass auf unseren Highlands hervorragender Tee gedeiht“, sagt Motta. Sie ist stolz, dass São Miguel einer der sehr wenigen Orte in Europa ist, wo Tee angebaut wird, das milde Azorenklima macht es möglich. Ihr Ururgroβvater gründete die Firma bereits im Jahr 1883, als der Export von Orangen nach Europa ins Stocken geriet und man nach Alternativen Ausschau halten musste.

Hortensien
Hortensien blühen an vielen Stellen auf São Miguel.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Tee wird auch nach Nordamerika exportiert

Im Parque Terra Nostra
Im Parque Terra Nostra zeigt sich eindrucksvoll die üppige, grüne Vegetation der Insel.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Viele der Touristen, die heute hierher kommen, sind Amerikaner, oftmals Nachfahren von azorischen Auswanderern, die im 19. Jahrhundert in die USA gingen. „Wir fühlen uns enger mit Boston verbunden als mit Lissabon“, sagt Motta, die ihren Tee auch in Nordamerika vertreibt.

Lagoa do Fogo
Rund um die Lagoa do Fogo (Feuerlagune), wechseln sich üppige Natur und karge Vulkanlandschaften ab.
Foto: Ute Müller/dpa-tmn

Wie die gesamte Inselgruppe ist auch São Miguel vulkanischen Ursprungs, und die Wanderwege, die zu den Kratern hochführen, bieten spektakuläre Ausblicke. Der Riesenvulkan Sete Cidades (Sieben Städte) beherbergt die Zwillingslagunen Lagoa Verde und Lagoa Azul, eines der sieben Naturwunder Portugals, die nur durch eine Brücke voneinander getrennt sind. Vom Aussichtspunkt Mirador do Rei sieht man eine Lagune grün schimmern und die andere blau.

Japanische Zeder
Das milde und feuchte Klima begünstigt das Wachstum von Pflanzen wie der Japanische Zeder. An manchen Stellen fühlen sich Besucher wie in einem Urwald.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Furnas liegt mitten im Krater

Auf dem Vulkan  Sete Cidades
Auf dem Rücken des Riesenvulkans Sete Cidades – übersetzt Sieben Städte – schlängelt sich ein beeindruckender Wanderweg entlang.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Nicht weniger beeindruckend ist das Vulkansystem Furnas, das auf der Ostseite der Insel liegt. Zwar gab es in historischen Zeiten keinen Ausbruch mehr, aber dass der Vulkan aktiv ist, merkt man sobald man in den gleichnamigen Kurort gelangt, der wegen seiner Heilquellen bekannt ist. Das kleine Städtchen ist mitten in den Krater eingebettet.

Schwefelhaltiges Wasser im Thermalbad
Schwefel färbt das Wasser im Thermalbad im Park des Hotels Terra Nostra in Furnas gelb.
Foto: azoresguide.net/Açores Natureza Viva – dpa

Ein betuchter Amerikaner baute sich hier sein eigenes Thermalbad und legte den Grundstein für einen der bekanntesten botanischen Gärten Europas. Der Park gehört heute zum Hotel „Terra Nostra“, für dessen Gäste die Heilquellen und der Park auch die ganze Nacht offen stehen.

Madalena Motta
Madalena Motta leitet in fünfter Generation die Teeplantage «Chá de Gorreana».
Foto: Ute Müller/dpa-tmn

Park beherbergt zahllose exotische Pflanzen

Parque Terra Nostra
Im Parque Terra Nostra gedeihen Pflanzen aus aller Welt, wie dieser australische Wollemia Nobilis Baum.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Der Garten wirkt wie eine verwunschene Oase. „Ich habe fünf Jahre gebraucht, um alle Pflanzen zu klassifizieren“, sagt Carina Costa (33), die Tochter des Chefgärtners Fernando Costa. Dessen besonderer Stolz ist ein Areal voller Palmfarne. Hier gedeiht auch die immergrüne australische Wollemia Nobilis, der wohl seltenste Baum der Welt. „Diese Bäume sind so eigenartig, dass viele Besucher sich an Jurassic Park erinnert fühlen“, sagt Carina und lacht.

Die Feuerlagune
An manchen Stellen hat man eine beeindruckende Aussicht auf die Lagoa do Fogo (Feuerlagune).
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Üppige Natur und karge Vulkanlandschaften wechseln sich an vielen Orten der Insel ab, etwa rund um die Lagoa do Fogo (Feuerlagune), die im Krater des gleichnamigen Vulkankomplexes liegt. Die Lavaberge reichen bis zu 947 Meter hoch, doch sie sind oft verhüllt von Wolken.

Wilder Ingwer
Auch wilder Ingwer gedeiht im Klima der Azoren prächtig.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Wetter ändert sich mehrmals am Tag

Chá de Gorreana
Auf einem Rundweg können Besucher die ganze Teeplantage «Chá de Gorreana» erkunden.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

In der Tat kann sich das Wetter auf den Azoren mehrmals am Tag ändern. „Das berühmte Azorenhoch bleibt immer nur einen Tag bei uns, bevor es nach Europa weiterzieht“, erklärt Eduardo Castello (32), der in der Hauptsaison von Mai bis Oktober als Guide arbeitet.

Furnas
Furnas liegt mitten im Krater. An vielen Stellen steigt heißer Dampf aus der Erde.
Foto: Roman Martin/dpa-tmn

Doch die vielen Niederschläge erweisen sich als Segen für die Flora. Auf der Insel wuchert alles, was in den vergangenen Jahrhunderten eingeführt wurde, egal von welchem Kontinent der Erde. Das gilt für die malayische Zehrwurz ebenso wie für die japanischen Hortensien oder den wilden Ingwer, der im Himalaya heimisch ist.

Die einzige Bedrohung sind der Mensch und sein Drang zur intensiven Landwirtschaft. Vor dem EU-Beitritt wurden im groβen Stil Wiesen und Wälder in Weideflächen umgewandelt, um die Milchwirtschaft zu fördern. Auch Mottas Vater sollte damals auf Druck der Behörden aus der Teefabrik einen landwirtschaftlichen Betrieb machen. Dass er standhaft blieb, hat sich als richtig erwiesen. Heute floriert das Unternehmen.

Auf dem Rundweg um die Teeplantage laufen schon am Morgen viele Touristen. Zwei Stunden braucht man, um alle Hänge zu erkunden, das Meer stets im Blick. Motta lacht: „Das macht den Leuten nichts aus, sie wissen ja, dass auf unserer Insel viel gewandert wird“.

Die Azoren

Anreise: Azores Airlines fliegt von Frankfurt/Main und München aus nach São Miguel, Ryanair von Hahn im Hunsrück aus. TAP Air Portugal bietet täglich Flüge nach Ponta Delgada mit Zwischenstopp in Lissabon an. Die Flugzeit beträgt jeweils gut vier Stunden. Zwischen den Inseln gibt es entweder Flug- oder Fährverbindungen.

Reisezeit: Hauptsaison ist der Sommer, die heißesten Monate sind August und September. Für diejenigen, die die Inseln beim Wandern oder Radfahren entdecken wollen, bieten sich das Frühjahr und der Frühsommer an, wenn es kühler, aber angenehm ist.

Unterkunft: Die meisten Hotels bietet die Inselhauptstadt Ponta Delgada. Zu den individuelleren Alternativen zählen Landhäuser und Gutshöfe.

Informationen: Portugiesisches Fremdenverkehrsamt, Zimmerstraße 56, 10117 Berlin, Tel.: 030/25410671, E-Mail: info.germany@turismodeportugal.pt, http://www.visit-azoren.de