Archivierter Artikel vom 13.08.2020, 04:50 Uhr

Krakau ohne Krakauer

Polens fleischlose Küche entdecken

Bei Krakau denken viele an Wurst. Und bei polnischer Küche an Fleisch. Dabei hat gerade Krakau auch für Vegetarier und Veganer einiges zu bieten. Ein kulinarischer Streifzug.

Lesezeit: 4 Minuten
Restaurants in Krakau
Kazimierz ist Krakaus angesagtes Viertel – hier finden Besucher jede Menge Restaurants.
Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt/dpa-tmn

Krakau (dpa/tmn). „Sylwia, wo kann man hier eine Krakauer essen?“ Fast jede Gruppe, die Kunsthistorikerin Sylwia Jeruzal durch Krakau (Krakow) führt, stellt diese Frage. Und stets muss sie ihre Gäste enttäuschen. Nein, Krakauer gibt es in Krakau nicht.

Restaurant «Klimaty Poludnia»
Schlicht und schmackhaft: Pierogi in Buttersauce im Restaurant «Klimaty Poludnia».
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Jedenfalls nicht in der Form, die der deutsche Wurstfreund kennt. In Krakau versteht man unter einer Krakauer eher einen Aufschnitt, überwiegend aus Schweinefleisch, erklärt Jeruzal.

Polnische Brotkringel
Die typischen Brotkringel (Obwarzanek) sind ein guter Snack für unterwegs während des Sightseeings.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Nun muss ein Gast deshalb nicht darben – und in Krakau schon gar nicht. Die Stadt hat gastronomisch mehr zu bieten als viele andere in Polen, auch ist die Restaurantdichte höher als andernorts. Krakau ist ein kulinarischer Schmelztiegel mit einem reichen gastronomischen Erbe. Und mit einem Umland, das frische Zutaten liefert.

Restaurant «Madras»
«Madras» am Platz der Ghettohelden: Warum nicht mal Indisch in Polen essen?.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Wer mit Sylwia Jeruzal durch Krakau streift, der registriert neben fast jeder touristischen Attraktion eine Einkehrmöglichkeit. Auch für all jene, die auf Fleisch gut verzichten können.

Restaurant «Szara Ges»
Restaurant «Szara Ges»: Die Speisekarte bietet viele Geflügelgerichte.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Wein oder Wodka

Restaurant «Szara Ges»
Wer kein Fleisch isst, kann im «Szara Ges» auch Fisch wählen.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Das Pod Baranem ist eines der renommiertesten Lokale Krakaus und keine fünf Fußminuten von Königsschloss und Kathedrale auf dem Wawel entfernt. Auf der Karte finden sich neben Klassikern wie Krautwickel (Golabki) und Sauerteigsuppe (Zurek) fünf vegetarische Gerichte. Bei der Getränkewahl begegnen die Kellner jeder Entscheidungsschwäche souverän: „Weißwein? Rotwein? Oder gleich Wodka?“

Restaurant «Szara Ges»
Willkommen: Das «Szara Ges» ist in Krakau die erste Adresse in Sachen moderne polnische Küche.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Letzterer wird auch im Starka gern getrunken, zum Beispiel nach einer Gulaschsuppe im Brotlaib. Neben bewährter polnischer Küche bietet das beliebte Restaurant in Kazimierz, dem ehemaligen jüdischen Viertel, auch Alternativen – einen vegetarischen Krautwickel etwa oder einen mit Nüssen panierten Camembert.

Nachtisch im im «Szara Ges»
Nachtisch-Höhepunkt im «Szara Ges»: ein weißes Schokoladenei, gefüllt mit Mango-Mousse, auf einem Nest aus dunklen Schokoflocken und Zuckerwatte.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Schlemmen in Kazimierz

Restaurant «Pod Baranem»
Kellner im «Pod Baranem» – es ist eines der renommiertesten Lokale Krakaus.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Das Herz von Kazimierz schlägt am Nowy-Platz. Morgens wird hier mit Obst, Gemüse, Trödel und Tand gehandelt, tagsüber bekommt man seinen Brotkringel (Obwarzanek) oder geräucherten Hartkäse aus Schafsmilch (Oscypek). Abends steuern vor allem junge Leute die Rotunde in der Mitte des Platzes an. Der denkmalgeschützte Bau war früher eine koschere Schlachterei. Heute werden hier aus einem guten Dutzend Luken lange Weißbrotstangen gereicht. Die Zapiekanki werden mit einer Pilzpaste bestrichen, mit viel Käse bedeckt und im Ofen überbacken – eine Art polnisches Baguette und oft auch vegetarisch.

Bar im «Szara Ges»
Speis und auch reichlich Trank bietet das «Szara Ges» – die Weinkarte ist groß.
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Dass eine neue Sensibilität in Sachen Ernährung eingekehrt ist, merkt man vor allem in der Altstadt und in Kazimierz. Ein Grund sind sicher die vielen Studenten in Krakau. Selbst in einem einfachen Lokal wie dem Madras Bistro am Platz der Ghettohelden, den man auf dem Weg zum Schindler-Museum passiert, wird man vom Koch gefragt, ob er denn beim Reisgericht wohl auch ein Ei in die Pfanne hauen darf. Die meisten der 14 Gerichte auf der Karte sind ohne Fleisch.

Hauptplatz in Krakau
Unterwegs in Krakau – hier der Hauptplatz mit den Tuchhallen und der Marienkirche.
Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Veganer Szenetreff

Burg Wawel
Herrschaftlich: Die Burg Wawel über der Weichsel ist eine der großen Touristenattraktionen in Krakau.
Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Das wohl bekannteste Restaurant, an dem in Krakau kaum ein Vegetarier und erst recht kein Veganer vorbeikommt, ist das Veganic. Es liegt etwa zehn Fußminuten vom Hauptmarkt entfernt auf dem Gelände einer ehemaligen Zigarrenfabrik. Designer und Kulturschaffende sorgen hier für neues Leben in alten Werkshallen.

Restaurant «Starka»
Es geht auch ohne Fleisch in Krakau: leckere vegetarische Krautwickel im «Starka».
Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Immer noch in die Kategorie Geheimtipp fällt das Klimaty Poludnia. Hier dippt der Gast seine vegetarischen Pierogi in eine leckere Buttersoße. Das Haus liegt etwas versteckt in einem Hinterhof.

Über eine große Weinkarte verfügt das Szara Ges direkt am Hauptmarkt. Die „Graue Gans“ ist erste Adresse in Sachen moderne polnische Küche. Zwar haben es Vegetarier nicht leicht bei einer Karte, deren Schwerpunkt auf Geflügel liegt. Doch der Nachtisch ist ein Erlebnis: ein weißes Schokoladenei, gefüllt mit Mango-Mousse, auf einem Nest aus dunklen Schokoflocken und Zuckerwatte.

© dpa-infocom, dpa:200812-99-143655/2

Restaurant Pod Baranem

Restaurant Starka

Madras Bistro

Restaurant Veganic

Restaurant Klimaty Poludnia

Restaurant Szara Ges

Polnisches Fremdenverkehrsamt

Reise- und Sicherheitshinweise für Polen

Krakau

Anreise: Der Flughafen in Krakow-Balice liegt etwa 12 Kilometer westlich vom Zentrum. Direktflüge gibt es überlicherweise von verschiedenen deutschen Städten aus – aufgrund der Corona-Pandemie sollten Reisende prüfen, ob Verbindungen gestrichen wurden. Mit der Bahn sind es etwa von Berlin knapp zehn Stunden bis nach Krakau.

Corona-Lage: Die Einreise aus Deutschland ist seit 13. Juni wieder ohne Einschränkungen möglich. Ein negativer Covid-19-Test ist nicht erforderlich. Das öffentliche Leben in Polen ist zwar eingeschränkt, aber Restaurants, Bars und Cafés haben geöffnet. Aktuelle Infos bieten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.

Informationen: Polnisches Fremdenverkehrsamt, Hohenzollerndamm 151, 14199 Berlin (Tel.: 030/21 00 920, E-Mail: info.de@polen.travel, www.polen.travel/de).