Archivierter Artikel vom 23.07.2020, 04:55 Uhr

Trauben und Spiele

Nemea belebt griechische Weintradition

Griechischer Wein wurde schon im deutschen Schlager besungen. Doch Winzer in Griechenland blicken auf eine lange Tradition zurück. Vor allem heimische Sorten sind wieder gefragt – auch im Ausland.

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Nemea liegt westlich von Athen
Nemea liegt zwei Stunden westlich von Athen – dort gibt es viele Weinberge und Winzer.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Athen (dpa/tmn). Wein aus Frankreich, Italien und sogar aus Chile findet man recht einfach in deutschen Supermarktregalen. Wein aus Griechenland? Das ist schon schwieriger. Doch es gibt ihn.

Panos Kiriazis
Panos Kiriazis betreibt im Athener In-Viertel Plaka die Weinbar Vintage.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Mehr als 1000 Weingüter produzieren in Griechenland Wein – von der mazedonischen Grenze im Norden bis zur Insel Kreta im Süden.

Anne Kokotou
Anne Kokotou hat nördlich von Athen das Anwesen Ktima G. Kokotou etabliert – dort wachsen auch griechische Sorten.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Oft und gerne verwenden sie heimische Trauben – Rote Sorten etwa Agiorgitiko und Xinomavro sowie Weiße etwa Assyrtiko, Moschofilero oder Savatiano. „Etwa 300 verschiedene Rebsorten gibt es in Griechenland“, sagt Panos Kiriazis. Er betreibt im Athener In-Viertel Plaka die Weinbar Vintage.

Eigenes Mikroklima
Jeder Weinberg hat sein eigenes Mikroklima und einen unterschiedlichen Boden – von Lehm bis steinig ist alles dabei.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

„In den 1970-er Jahren gab es einige gute Kellereien“, sagt Panos. Doch dann war griechischer Wein lange aus der Mode gekommen. Viele Winzer bauten in den Folgejahren nur noch international bekannte Sorten an, mischten griechische Trauben bestenfalls dazu.

Evangelia Palivou
Evangelia Palivou führt mit ihrem Vater bei Nemea auf rund 420 Metern Seehöhe eine Öko-Winzerei.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Doch es gab Ausnahmen: Thanassis Papaioannou bliebt den heimischen Sorten treu. Bis heute. Sein Sohn George, Chemiker und Önologe, bewirtschaftet 57 Hektar bei Nemea – zwei Stunden westlich von Athen. Chemie kommt ihm nicht auf die Trauben. So kann er all seine Erzeugnisse als Bio-Weine ausweisen.

Öko-Winzerei Palivou
In der Öko-Winzerei Palivou lagert der Wein in Fässern.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Die Tradition und alte Sorten wieder beleben

Region Koutsi
Weinlese in der Region Koutsi – dort liegt Seméli Estate auf 600 Metern Seehöhe.
Foto: discovergreece.com/dpa-tmn

In der Nähe befindet sich noch eine Öko-Winzerei. Evangelia Palivou führt sie mit ihrem Vater. Sie schwärmt von der Lage der Weinstöcke auf rund 420 Metern Seehöhe. Im Sommer profitieren sie von Winden aus Norden. „Das hilft nicht nur beim Reifeprozess, sondern ist auch gut für die Rebstöcke.“ Jeder Weinberg habe sein eigenes Mikroklima und eigenen Boden – von Lehm bis steinig sei alles dabei.

Semeli-Weine
Semeli-Weine räumen regelmäßig bei internationalen Wettbewerben Preise ab.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Nach der Finanzkrise 2008 machten sich viele Junge einen Namen – mit guten Ideen und guter Ausbildung. Die Winzer beleben die alten Sorten wieder, erzählt Eleni Kefalopoulou. Die Önologin hat die Vereinigung Wines of Athens ins Leben gerufen, die Weine und Winzer aus der Hauptstadtregion bekannter machen will.

Säulen des Zeustempels
Die Säulen des Zeustempels – das antike Heiligtum war Schauplatz der Wettkämpfe in Nemea.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Seit Jahrtausenden wird rund um Nemea Wein gekeltert. „Man hat nachgewiesen, dass die DNA alter Trauben mit der in den modernen Rebstöcken übereinstimmt“, sagt Stephen Miller. Der amerikanische Archäologe kam vor knapp 50 Jahren in den Ort am Peloponnes, um die Ruinen der alten Stadt auszugraben. Er blieb – auch weil seine Idee ankam, die alten Spiele in Nemea aufleben zu lassen. Wie in Delphi, Istmia und Olympia zelebrierten die alten Griechen dort Wettkämpfe.

Weinroute
Die Weinroute führt durch Nemea und an vielen Weingütern vorbei.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Ein leichter, frischer Weißwein und der Retsina

Leonidas Nasiakos
In der Region Koutsi auf 660 Metern Seehöhe liegt Seméli Estate – Leonidas Nasiakos weiß viel über die dortigen Weine.
Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Nicht weit von Nemea liegt in der Region Koutsi auf 660 Metern Seehöhe Seméli Estate. Der Boden und das Klima bringen zwar keine riesigen Mengen an Trauben hervor. „Aber die Säure stimmt, und die Weine können gut gelagert werden“, sagt Leonidas Nasiakos. So räumen Semeli-Weine bei internationalen Wettbewerben reihenweise Preise ab.

In den Bergen nördlich von Athen liegt das Anwesen Ktima G. Kokotou. Dort kultivieren Anne Kokotou und ihr Mann George neben Cabernet Sauvignon, Merlot und Chardonnay inzwischen auch griechische Sorten – etwa die Savatiano-Traube. „Ein hervorragender leichter Weißwein, der frisch besonders gut schmeckt“, sagt Anne.

Doch einer der Gründe, weswegen griechischer Wein hierzulande teils einen schlechten Ruf hat, ist der Retsina. Früher wurde der Wein in Amphoren gelagert, erzählt Kefalopoulou. Bekamen sie einen Sprung, flickte man diesen mit dem Harz der Pinienbäume – auch von innen. Der Kleber verband sich mit dem Wein.

Der spezielle Geschmack wurde später wiederbelebt – Savatiano oder Resten anderer Weißweine Harz hinzugefügt. „Das war nie guter Wein“, sagt Panos Kiriazis. Aber er war günstig. Einige Winzer versuchen wieder Retsina zu produzieren – mit leichter Pinienharz-Note. Die Kokotous gehören nicht dazu. „Uns schmeckt der Savatiano pur besser.“

© dpa-infocom, dpa:200722-99-886917/5

Marketing Greece

Informationen: Zu den größten Weinanbaugebieten gehören die Region um Athen, der Peloponnes, Nordgriechenland und die Inseln Santorin und Kreta.

Anreise: Lufthansa und Aegean Airlines fliegen Athen mehrmals am Tag von verschiedenen deutschen Flughäfen aus an.

Reisen vor Ort: Es empfiehlt sich, die Weinregionen mit einem Mietauto zu erkunden. Es gibt eine Weinroute, die auch durch Nemea führt. Oft gibt es geführte Touren auf den Weingütern.

Unterkunft: Manches Weingut bietet Übernachtungsmöglichkeiten an.

Informationen: Marketing Greece, Voukourestioustraße 20, 10671 Athen, Griechenland, +30 210 364 90 84, contact@discovergreece.com