Archivierter Artikel vom 27.02.2020, 04:50 Uhr

Städtetrip

London: Fünf Gründe für einen Streifzug durch Bloomsbury

Bloomsbury gilt als „Weimar von London“. Statt Goethe, Schiller und Nietzsche schrieben hier Darwin, Dickens und Virginia Woolf. Das Viertel bietet viel Kultur und Grün – und interessante Denkanstöße.

Lesezeit: 4 Minuten
British Museum
Das British Museum ist eines der angesehensten Museen der Welt.
Foto: Jonathan Reid/London & Partners/dpa-tmn

London (dpa/tmn). Bloomsbury, dieser Name erzeugt im Kopf gleich Bilder vom gediegenen London des 18. und 19. Jahrhunderts. Strebsame Studenten, die an einer der ältesten Universitäten des Landes Wissen aufsaugen. Pferdekutschen auf Kopfsteinpflaster.

British Museum
Ehrwürdiges Altertum: Ägyptische Ausstellung im British Museum.
Foto: Jonathan Reid/London & Partners/dpa-tmn

Bloomsbury ist zugleich gespickt mit Parks und Gärten. Besucher Londons können in dem Viertel gut einen Tag verbringen. Fünf Tipps.

Tavistock Square
Tavistock Square mit Gandhi-Statue – errichtet 1968, fast 100 Jahre nach dessen Geburt.
Foto: Dörte Nohrden/dpa-tmn

1. Early-Morning-Tour im British Museum

School of Life
Wie gelingt das gute Leben? Antworten liefert die School of Life in der Marchmont Street.
Foto: Dörte Nohrden/dpa-tmn

Die Gründung des British Museums ist dem letzten Willen des irischen Arztes und leidenschaftlichen Sammlers Sir Hans Sloane (1660-1753) zu verdanken. Ob Insekten, Münzen oder Kuriositäten aus aller Welt: Zeitlebens hatte der reisefreudige Sloane mehr als 71 000 Artefakte zusammen getragen. Heute zählt das kulturhistorische Museum zu den bedeutendsten der Welt. Frühaufsteher haben bei vorheriger Buchung die Möglichkeit, verschiedene Räume bereits vor Öffnung in Führungen in kleinen Gruppen zu erleben. Freiwillige des Museums zeigen etwa die alte Welt Chinas, Griechenlands oder Ägyptens.

Grant Museum of Zoology
Nicht nur Skelette von Tieren können Besucher im Grant Museum of Zoology besichtigen – sondern auch konservierte Hirne.
Foto: Matt Clayton/UCL/dpa-tmn

2. Aug in Aug mit Gandhi im Friedensgarten

Charles Dickens Museum
Das Charles Dickens Museum von außen – in dem Wohnhaus schrieb der Schriftsteller «Oliver Twist».
Foto: Siobhan Doran/Charles Dickens Museum/dpa-tmn

Von den Parks in Bloomsbury ist der Tavistock Square besonders interessant. Im seinem Zentrum blickt Mahatma Gandhi im Schneidersitz von einem mannshohen Sockel – und erinnert so an seinen gewaltlosen Widerstand. Unweit seiner Statue steht ein Kirschbaum in Gedenken an die Opfer Hiroshimas. Ein mittlerweile kräftiger Ahornbaum wurde zum „Year of Peace“ 1986 gepflanzt. In der Südwestecke des Parks erinnert eine Büste von Virginia Woolf (1882-1941) an die literarische Vergangenheit des Viertels. Sie und weitere Schriftsteller, Künstler und Philosophen trafen sich hier regelmäßig zum literarischen Salon.

Speisezimmer im Charles Dickens Museum
Speisezimmer im Charles Dickens Museum – hier dinierte der Schriftsteller einst.
Foto: Siobhan Doran/Charles Dickens Museum/dpa-tmn

3. Philosophieren und besser Leben lernen in der School of Life

Historische Taxifahrer-Kantinen
Kate Simmonds in ihrem «Cabmens Shelter» – eine von 13 historischen Taxifahrer-Kantinen.
Foto: Dörte Nohrden/dpa-tmn

In welchen Stadtteil Londons würde die School of Life besser passen als in das intellektuelle Bloomsbury? Der britisch-schweizerischer Bestsellerautor und Philosoph Alain de Botton eröffnete die Schule des Lebens 2008 in der Marchmont Street. Das Anliegen: Wie können wir besser leben, lieben, lernen und arbeiten – also ein zufriedeneres, erfüllteres Leben führen? Die Produkte im Shop regen Besucher zum Nachdenken und Schmunzeln an. Hübsch ist eine Kärtchensammlung zum Hinterfragen der eigenen Wünsche und Leidenschaften. Eine Frage lautet zum Beispiel: An was hast du gearbeitet, als du das letzte Mal völlig die Zeit vergessen hast?

Büste von Virginia Woolf
Büste von Virginia Woolf im Tavistock Square: Die Schriftstellerin wirkte in Bloomsbury.
Foto: Dörte Nohrden/dpa-tmn

4. Charles & Charles und eingelegte Maulwürfe

Viel Grün
Viel Grün: In den Brunswick Gardens können Bloomsbury-Besucher unter alten Platanen entspannen.
Foto: Dörte Nohrden/dpa-tmn

Kurz nach seiner Weltreise ließ sich Charles Darwin 1839 mit seiner Frau Emma in der Gower Street nieder. Darwins Interesse an der Natur und Evolutionstheorie wurde durch seinen frühen Medizinprofessor Robert Grant entfacht. Dieser wiederum gründete 1828 zu Lehrzwecken eine naturkundliche, zoologische Abteilung am University College London (UCL). Längst ist daraus das Grant Museum of Zoology entstanden, in dem Besucher neben allerlei Skeletten und bizarren Schöpfungen der Natur auch in Formalin konservierte Maulwürfe bewundern können. Wen das jetzt schon gruselt, dem sei alternativ das Charles Dickens Museum in der Doughty Street empfohlen.

Typischer Pub
Typischer Pub in Bloomsbury neben einer wenig befahrenen Straße – der Stadtteil bietet mehr als genug für einen Tagesflug.
Foto: Dörte Nohrden/dpa-tmn

5. Auf zu Kates historischer Taxi-Kantine

Nordöstlich des Russel Square fällt eine knallgrüne Holzhütte vor den Wohn- und Bürofassaden aus dem Rahmen. Menschen stehen vor ihrer kleinen Luke Schlange. Sie wissen um die Frische der Sandwiches, Baguettes und Falafel, die Kate Simmonds hier täglich verkauft. Die quirlige Frau führt eine von Londons 13 historischen Taxi-Kantinen. Ganze 61 wurden zwischen 1875 und 1914 in der Stadt errichtet, um den „Cabbies“ – damals noch mit Pferd und Kutsche – einen Unterschlupf und eine warme Mahlzeit zu bieten. Wer anschließend weiterhin hungrig ist: Jeden Donnerstag zwischen 9.00 und 14.00 Uhr locken frische Köstlichkeiten auf dem Farmer's Market am Torrington Square

Bloomsbury Squares & Gardens

School of Life London

British Museum

Infos zu Touren im British Museum

Grant Museum of Zoology

Charles Dickens Museum

Bloomsbury Farmer's Market

Reiseziel: Der Londoner Distrikt Bloomsbury gehört zum Borough of Camden und liegt etwas südlich der Bahnstationen St. Pancras und Kings Cross. Im Süden grenzt Bloomsbury an Covent Garden.

Informationen: Visit Britain, Alexanderplatz 1, 10178 Berlin (Tel.: 030/31 57 19 42, www.visitbritain.com).