Archivierter Artikel vom 19.01.2021, 04:35 Uhr

Souvenir und Statussymbol

Die Geschichte des Panamahutes

Der Panamahut ist ein großartiges Souvenir, nicht nur wegen seiner Reisefreundlichkeit. Große Persönlichkeiten trugen den edlen Kopfschmuck. Der Witz: Der echte Hut kommt gar nicht aus Panama.

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Panamahüte von Homero Ortega
Geschickte Frauen und Männer flechten im Betrieb von Homero Ortega in Ecuador kleine Hut-Kunstwerke.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Panama-Stadt (dpa/tmn) – Napoleon, Winston Churchill und Ernest Hemingway haben ihn gern getragen. Promis wie Paul Newman, Naomi Watts, Kate Hudson und Paris Hilton lieben ihn.

Hut-Rohlinge
Herstellung von Panamahüten in Ecuador: In großen Räumen liegen die Hut-Rohlinge zum Trocknen aus.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Und natürlich will ihn fast jeder Tourist, der nach Panama kommt: Den weltberühmten weißen Panamahut mit dem dunklen Band, der zu fast jedem Kopf und Anlass passt – egal, ob es leger oder elegant zugeht.

Hutwerkstatt Homero Ortega
Neben seinen Verkaufsräumen hat Homero Ortega in Cuenca in Ecuador ein kleines Hut-Museum eingerichtet.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

In den Souvenirläden Panamas gibt es jede Menge davon, doch wer in dem mittelamerikanischen Land einen original Panamahut direkt beim Hersteller kaufen und bei der Produktion zusehen will, wird bitter enttäuscht. Dafür nämlich müsste er fast 1000 Kilometer weiter in den Süden reisen – der echte Panamahut kommt aus Ecuador.

Material für Panamahüte
Mühevolle Arbeit: Die Fasern der Toquilla-Palme müssen sorgfältig gewaschen werden.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Dort wächst die Toquilla-Palme, aus deren Fasern der Hut in mühevoller Handarbeit geflochten wird. Mindestens 6000 Jahre ist diese Handwerkskunst alt, was Ausgrabungen in Ecuador bestätigen: Forscher haben Figuren gefunden, die einen Sombrero tragen.

Handarbeit
So entsteht ein Panamahut: Akribisch arbeitet sich der Flechter von der Mitte zur Krempe des Huts vor.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Die Flechtkunst ist in Ecuador bis heute weit verbreitet, seit dem 17. Jahrhundert hat sie ihren Schwerpunkt in Montecristi, Jipijapa und Cuenca. Hüte aus diesen Städten gelten als die besten der Welt.

Herstellung von Panamahüten
Einer der letzten Schritte vor der Auslieferung: Die Hüte werden über Dampf flexibel gemacht, damit sie problemlos eingerollt werden können.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Mühevolle Handarbeit

Panamahüte
Unter den kritischen Augen der Prüferinnen findet die Qualitätskontrolle statt: Panamahüte sind hochwertige Produkte.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

In der kleinen Hutfabrik von Homero Ortega in Cuenca sind Besucher willkommen. Gabriela Ortega führt sie stolz durch ihr Reich – zu den Kesseln, in denen die großen Palmblätter abgekocht werden, aus deren getrockneten Fasern das begehrte Toquilla-Stroh gewonnen wird. Und zu den Schwefelfeuern, über denen das Stroh rösten muss, um seine helle Farbe zu bekommen. Und zu den Flechtern, die den wichtigsten und schwierigsten Part übernehmen. In filigraner Handarbeit fertigen sie ihr kleines Kunstwerk. Heraus kommt der berühmte Panamahut, der es zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco geschafft hat. In bester Qualität kann er locker ein paar Tausend Euro kosten.

Schwarzes Band
Ein kleines, aber wichtiges Accessoire: Das schwarze Band für den Panama-Herrenhut wird vorbereitet.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Ein Hut für den Reisekoffer

Macher des Panamahutes
Auf zum nächsten Fertigungsschritt: Die Hut-Rohlinge werden maschinell gepresst.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Doch der Hut zahlt seinem Käufer das Geld über Jahre hinweg zurück. Er schützt den Kopf nicht nur vor Hitze und Sonne, sondern durch seine besondere Webtechnik auch vor Nässe. Zudem ist er ungewöhnlich robust und bei entsprechender Luftfeuchtigkeit sogar biegsam.

Panamahüte
Schick und passend für (fast) jeden Anlass: Die Auswahl an Panamahut-Modellen ist groß.
Foto: Gabriel Art/Homero Ortega/dpa-tmn

Wer auf Reisen geht und seinen Panamahut mitnehmen will, weiß diese Eigenschaft zu schätzen: Leicht angefeuchtet, lässt sich der Hut wieder prima einrollen und sicher in den Koffer packen.

Viele Prominente aus Vergangenheit und Gegenwart wussten und wissen die Vorzüge des Hutes zu schätzen. Der frühere US-Präsident Theodor Roosevelt und der Multimillionär John Rockefeller zählten dazu. Auch DDR-Staatsratschef Erich Honecker trug den Panamahut zu Lebzeiten gern, nicht nur bei seinen Besuchen in Kuba.

Ein kurioser Irrtum

Warum aber heißt das tolle Teil nun Panamahut und nicht Ecuador-Hut? Manche Zeitgenossen meinen, das komme von den Arbeitern, die sich beim Bau des Panamakanals mit ihm vor der Sonne schützten und ihm so seinen Namen gaben. Wahrscheinlicher ist, dass die Bezeichnung auf eine Serie folgenreicher Verwechslungen zurückzuführen ist.

Als sich Napoleon III. 1885 einen „Sombrero, gemacht aus Toquilla“ bestellte, wurde dieser in Panama nach Frankreich verschifft – was in Paris zu dem Fehlschluss führte, der Hut sei auch dort entstanden. Und weil in späteren Jahren Waren aus Südamerika immer über Panama in die USA verschickt wurden und alle Hut-Lieferungen aus Ecuador den panamaischen Zollstempel trugen, verfestigte sich dieser Eindruck.

Als Theodore Roosevelt 1906 beim Besuch des Panamakanals den berühmten Hut trug und das Foto davon buchstäblich um die Welt ging, war das Schicksal des Produkts made in Ecuador endgültig besiegelt: Es konnte nur noch Panamahut heißen.

© dpa-infocom, dpa:210118-99-73002/2

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